09.01.2018 · smart steuern ·

Kampf gegen Übergewicht – mit Steuern?

Wir wollen ja nicht indiskret sein: Aber wer hat über die Feiertage ein bisschen viel zugelangt? Seien Sie versichert: Sie sind nicht allein. Bei all den leckeren Süßigkeiten, Plätzchen und dem vielerorts obligatorischen Gänsebraten ist das ja auch kein Wunder. Und mal abgesehen von der Waage war das bisher auch ziemlich egal. Aber: Was würden Sie sagen, wenn Süßigkeiten und andere ungesunde Lebensmittel teurer werden würden, weil auf sie eine höhere Steuer fällig wären?  Das fänden Sie vermutlich auf den ersten Blick nicht so prickelnd. Aber wenn dahinter ein gutes Ziel stünde? Dann wird es schon schwieriger. Immer wieder gibt es zum Beispiel Vorschläge, Lebensmittel anders zu besteuern als bisher – um die Menschen über den Preis zu einem gesünderen Leben zu animieren. Denn nur mit Aufklärungskampagnen haben bisher die wenigstens abgenommen…

Was sind Lenkungssteuern?

Der Zweck von Steuern ist meist, Einnahmen für den Staat zu erzielen. Es gibt aber auch welche, die ausdrücklich dafür da sein sollen, das Verhalten der Bürger in eine bestimmte Richtung zu lenken. Diese heißen Lenkungssteuern. Ein Beispiel, welches fast jeder kennt, ist die Kfz-Steuer. Wer ein schadstoffarmes Auto kauft, zahlt weniger Steuern. Oder die Steuer auf Alkopop-Getränke. Die Einnahmen hier sind wirklich mickrig. Als die Getränke in recht kleinen Flaschen mit der Steuererhöhung dann aber gleich einen Euro mehr kosteten, brach der Absatz ein. Ziel fürs Erste erreicht – wenngleich die Jugendlichen als Zielgruppe sich dann auf andere alkoholische Getränke verlegte.

Lebensmittel anders besteuern

Eins der großen Probleme in unserer Gesellschaft ist Übergewicht. Laut Studien ist die Hälfte der Deutschen übergewichtig, ein Viertel sogar adipös (fettleibig). Ganz klar, daraus resultieren viele Erkrankungen, die in der Häufigkeit bei normalgewichtigen Menschen nicht auftreten. Und falsche Ernährung spielt bei Gewichtsproblemen oft eine wichtige Rolle.
Der Hamburger Gesundheitsökonom Dr. Tobias Effertz hat viel zum Thema geforscht – und verschiedene Möglichkeiten analysiert. Sein Ergebnis sieht wie folgt aus:

  • Keine Mehrwertsteuer auf frisches Obst und Gemüse (bisher 7 Prozent)
  • 7 Prozent Mehrwertsteuer auf Lebensmittel wie Brot, Milch, Nudeln, Fleisch und Fisch (bisher ebenfalls 7 Prozent)
  • 19 Prozent Mehrwertsteuer auf besonders zucker- und fetthaltige Produkte (bisher meist 7 Prozent)
  • optional: 29 Prozent Mehrwertsteuer auf Getränke, denen Zucker oder Zuckerersatzstoffe zugesetzt werden (bisher 19 Prozent)

Das wäre eindeutig etwas anderes als die in einigen Ländern eingeführte „Limo-Steuer“. Der Einkauf würde im Schnitt auch nicht teurer werden – wenn man gesündere Lebensmittel und Getränke auswählt. Und damit jeder Bescheid weiß, könnte es Farben geben: Grün, Gelb, Rot und RotPlus für besonders ungesunde Lebensmittel.
Der Wissenschaftler hat dann in Modellrechnungen belegt, welche Auswirkungen es durch eine solche „Steuerreform“ geben würde. Die Fettleibigkeit würde zurückgehen, adipöse Männer würden im Schnitt rund 3 Kilo, Frauen 5 Kilo abnehmen. Und das wäre erst ein Anfang.     

Wäre das wirklich was für Deutschland?

Blicken wir zuerst in andere Länder, Frankreich hat schon ein Limo-Steuer, Großbritannien führt sie bald ein. In Mexiko gibt es sogar schon erste positive Ergebnisse der Limo-Steuer. Klar sollte sein, dass eine solche Veränderung des Steuersatzes keine plumpe Steuererhöhung wäre, wenngleich vermutlich die Steuereinnahmen etwas ansteigen würden, da für Obst und Gemüse bisher schon nicht so viele Steuern anfielen – und die ungesünderen Lebensmittel mehr Geld in die Staatskasse spielen würde. Aber der „Lenkungseffekt“ könnte Schritt für Schritt Wirkung zeigen. Am Anfang wenig, später mehr. Das hieße auch weniger Krankheiten – und weniger Kosten für die Krankenkassen – was über kurz oder lang zu sinkenden Beiträgen führen könnte. Experte Effertz rechnet für den Anfang mit 7 Milliarden Euro im Jahr, die dadurch an Folgekosten gespart werden könnten.

Unsere Meinung: Einen Versuch wäre es wert – und hier schreibt ein passionierter Colatrinker, der auch Süßigkeiten gegenüber nicht abgeneigt ist.    

Juliane Bunte Geschrieben von:
3 Kommentare

Schlagwörter: , , , , , , , ,



Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Hein sagt:

    Ich persönlich würde es begrüßen, kenne beide Seiten aus meinem Bekanntenkreis welche denen es besser geht und sich mehr gesunde Lebensmittel leisten können und jene die im Hartz IV Bereich Leben die Obst als Luxusgut sich nur selten leisten können.
    Die Schokolade für 40Cent ist da schon schneller eingepackt oder die Limo die nur ein paar Cent kostet.

  • Katarina sagt:

    Gemüse kann man zu vielen gesunden Gerichten verarbeiten, das ist auf jeden Fall preisgünstiger und sättigender als Fastfood, Fertigerichte und Süßes. Man muss sich natürlich auch vielleicht 1/2 Stunde Zeit nehmen zum Putzen und Schnibbeln. Mit Rezepten wird man im Internet „erschlagen“ – es gibt also keine Ausrede.

    Wenn man alle ungesunden Produkte im Supermarkt entfernen würde, wären die Regale fast leer. Die Lebensmittelindustrie hat kein Interesse an gesunder Ernährung, wozu auch, sie haben schon ihren Gewinn.

  • Stefan sagt:

    Ich würde einer höheren Steuer auf z.B. Produkte mit hohem Zuckergehalt und auch auf ungesunde Lebensmittel begrüßen, wenn dafür im Gegenzug die Steuern auf gesunde Lebensmittel gesenkt werden würden (also auf 7%). Wichtige Grundnahrungsmittel sollten von der Steuer gänzlich befreit werden.


Kommentar schreiben (* Pflichtfelder)