02.02.2018 · smart steuern ·

Bald mehr Steuern für Sparer dank GroKo?

Vier Monate sind nun seit der Bundestagswahl vergangen – und noch immer ist keine neue Regierung in Sicht. Wir sagen es gleich vorab: Wir wissen nicht, ob es überhaupt zu einer großen Koalition (kurz GroKo) kommen wird und was dann konkret im Regierungsprogramm steht. Wir können nur einen Blick auf den aktuellen Stand werfen. Das heißt, was sagt das Endergebnis der Sondierungsgespräche von Union und SPD aus? Natürlich wie gewohnt unter steuerlichen Aspekten. Ganz ehrlich: Viele konkrete Dinge stehen noch nicht drin, aber es sind schon jetzt Änderungen bei der Besteuerung von Zinsen vorgesehen. Was das bedeuten würde und was man sonst schon jetzt sagen kann – Sie erfahren es hier.

Die wichtigsten steuerlichen Punkte der Sondierungsgespräche

Auf 28 Seiten der finalen Fassung findet sich zum Thema Steuern kaum mehr als eine halbe Seite. Der Haushalt soll weiterhin ausgeglichen bleiben, neue Schulden sollen nicht gemacht werden. Das wäre auch noch schöner, möchte man in die Runde rufen. Es gibt auch dank der guten wirtschaftlichen Entwicklung genügend finanzielle Spielräume.
Wie im Wahlkampf versprochen sollen untere und mittlere Einkommen entlastet werden. Von einer Senkung der direkten Einkommensteuern ist aber nichts mehr zu finden. Die Steuerbelastung werde nur nicht erhöht, heißt es in dem Papier. Stattdessen soll der Soli schrittweise abgeschafft werden. Bis 2021 dürfen demnach rund 90 Prozent aller Soli-Zahler von dieser Last befreit werden. Eine Freigrenze soll das möglich machen. Wer viel verdient, soll demnach aber auch weiterhin den Soli zahlen müssen.
Viel mehr an Konkretem findet sich dann auch nicht. Die Finanztransaktionssteuer ist weiterhin geplant, natürlich nur im europäischen Kontext. Geringverdiener können mit Entlastungen bei den Sozialbeiträgen rechnen. Zudem sagen die Vielleicht-Koalitionäre der Steuerhinterziehung, Steuervermeidung und Geldwäsche den Kampf an – im nationalen und internationalen Rahmen. Zur Abgeltungssteuer kommen wir gleich noch ausführlich.

Unsere Meinung: Bisher wurde nur wenig vereinbart. Von Steuersenkungen über die teilweise Abschaffung des Soli hinaus ist noch nichts zu lesen. Das muss sich ändern.

Abschaffung der Abgeltungssteuer – aber nur ein bisschen

Schon im Wahlkampf stand die Abgeltungssteuer auf dem Prüfstand. Bisher war es so – in aller Kürze: Auf alle Kapitaleinkünfte sind pauschal 25 Prozent Abgeltungssteuer fällig. Mit Soli sind das dann 26,375 Prozent – und bei vielen kommt noch die Kirchensteuer obendrauf. Allerdings gibt es einen Sparerpauschbetrag von 801 Euro für Ledige und 1.602 für Ehepaare. Kapitaleinkünfte bis zu dieser Grenze sind pro Kalenderjahr steuerfrei. Ausführlich können Sie das in diesem Artikel aus dem Steuer-ABC nachlesen.
Nach den Sondierungsgesprächen soll sich das ändern – aber nicht komplett. Die Abgeltungssteuer wird laut des Papiers abgeschafft, aber nur für Zinserträge. Und zudem auch erst dann, wenn der „automatische Informationsaustausch“ etabliert ist. Doch was bedeutet das, wenn es denn passiert? Kurz gesagt: Wer über den Sparerpauschbetrag kommt und sein Geld als „Ottonormalsparer“ eher klassisch mit Sparbuch & Co. anlegt, zahlt in vielen Fällen drauf. Denn bei Zinseinnahmen greift dann der persönliche Steuersatz. Und der liegt schon bei einem zu versteuernden Einkommen von 21.000 Euro (bei Ledigen) über dem Steuersatz der Abgeltungssteuer, sagt der Bund der Steuerzahler.
Nichts ändern würde sich hingegen für Besserverdiener, die ihr Kapital in Aktien & Co. anlegen. Die müssten weiterhin nur die Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Soli zahlen, auch wenn ihr persönlicher Steuersatz deutlich darüber liegt. Gerecht klingt das nicht – auch wenn die Zinsen aktuell sehr niedrig sind und man schon recht viel Geld auf der hohen Kante haben muss, um über den Sparerpauschbetrag zu gelangen.

Unsere Meinung: Es wäre deutlich gerechter, die Abgeltungssteuer komplett abzuschaffen. Dann würden Arbeitslohn und Kapitaleinkünfte dem gleichen Steuersatz unterliegen. In der jetzigen Variante würden Sparer zumindest auf lange Sicht (wenn die Zinsen wieder steigen) gegenüber Aktienanlegern deutlich benachteiligt.

Wir bleiben auf jeden Fall dran bei den Koalitionsgesprächen und halten Sie hier im Blog von smartsteuer auf dem Laufenden.

 

Björn Waide Geschrieben von:
4 Kommentare

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Bruno Waffenschmidt sagt:

    Ein Kommentar zu Ihrer Meinung „Es wäre deutlich gerechter […] Arbeitslohn und Kapitaleinkünfte dem gleichen Steuersatz unterliegen. In der jetzigen Variante würden Sparer zumindest auf lange Sicht (wenn die Zinsen wieder steigen) gegenüber Aktienanlegern deutlich benachteiligt.“

    Das sehe ich überhaupt nicht so. Klassische Value Investoren an der Börse sind seit 2009 massiv benachteiligt, und zwar gegenüber Spekulanten. Sein Geld langfristig guten Unternehmen zur Verfügung zu stellen, die damit wieder gute Produkte und Arbeitsplätzen erschaffen, und damit das BIP erhöhen, hat einen unmittelbaren gemeinschaftlichen Nutzen. Spekulanten und Zocker zahlen jedoch seit 2009 die gleichen Abgaben (Abgeltungssteuer, Soli, (KirchSt)) wie Value Investoren, und das obwohl dort überhaupt kein Mehrwert geschaffen wird. Das ist ebenfalls bei Sparern so, die Ihr Geld nur auf dem Konto horten und eben nicht in die Wirtschaft geben. Value Investoren sollten belohnt werden, so wie es vor 2009 war: Kapitalerträge sind nach 12 Monaten steuerfrei zu stellen. Spekulieren oder Horten sollten weiter mit 25%+ besteuert werden. Den persönlichen Einkommenssteuersatz zu verwenden wäre eine Frechheit. Denn beachten Sie bitte, dass das investierte/gesparte Geld bereits mit eben diesem Steuersatz bei Angestellten versteuert wurde.
    Soll also ernsthaft, nach Ihrer Meinung, ein Angestellter der angenommen 40% Steuern auf sein Einkommen zahlt, dann das Geld in gute deutsche Unternehmen über einen langen Zeitraum investiert, nochmal mit 40% auf seine Erträge belastet werden? Ungeheuerlich wäre das – vor 2009 lag diese Besteuerung immerhin bei 0.

  • Björn Waide Björn Waide sagt:

    Lieber Herr Waffenschmidt, vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar, auf den ich hier gerne kurz eingehen möchte. Sie unterscheiden in Ihrem Kommentar verschiedene Formen von Investment-Strategien. Der Platz reicht an dieser Stelle nicht aus, um über den gesamtgesellschaftlichen Nutzen von Finanzinvestoren oder – wie sie es nennen – Spekulanten zu diskutieren. Aus unternehmerischer Sicht stellt der Kauf einer Aktie eines Value Investors gegenüber Spekulanten allerdings keinen Unterschied dar. Das Unternehmen bekommt Geld nur bei der erstmaligen Ausgabe einer Aktie, nicht bei ihrem Handel. Da Aktien zum Ausgabezeitpunkt in der Regel nur institutionalisierten Anlegern zur Verfügung gestellt werden, ist der Handel mit Aktien von Privatinvestoren aus Unternehmenssicht unbedeutend.
    Sie argumentieren weiter, dass sich der Steuersatz an dem gesellschaftlichen Mehrwert orientieren sollte, den der Einsatz des Kapitals erzielt. Letztlich ist das auch mein Argument für eine einheitliche Besteuerung der Einkünfte aus Kapitalanlagen und Arbeit. Denn eine im Mittel höhere Besteuerung von Arbeit (das „Humankapital“) gegenüber Kapitalerträgen verteuert den Faktor Arbeit und benachteiligt damit diejenigen, die nur diese Form von Kapital zur Verfügung haben. In meinen Augen ist der gesellschaftliche Wert von Menschen, die ihre eigene Energie und Zeit einsetzen, um Mehrwerte zu bringen, in jedem Fall höher einzuschätzen als lediglich „Geld für sich arbeiten zu lassen“.

    Eine von Ihnen weiter angeführte Doppelbesteuerung kann ich nicht erkennen, da ja die Steuer nicht auf das bereits vorhandene Vermögen erhoben wird (wie das bei Erbschafts- oder Vermögenssteuer der Fall ist), sondern lediglich auf daraus erzielte zusätzliche Erträge. Wenn Sie mit Ihrem verdienten Einkommen eine Immobilie kaufen und vermieten sind die daraus erzielten Einnahmen ja ebenfalls mit Ihrem individuellen Steuersatz zu versteuern. Auch hier erzielen Sie mit der Zurverfügungstellung von Wohnraum einen gesellschaftlichen Nutzen, der gegenüber Arbeit nicht besser gestellt wird.

    Ich bleibe also dabei, dass die zur Vermeidung von Steuerflucht mal eingeführte Abgeltungssteuer eine Benachteiligung eines Großteils der Bevölkerung darstellt, die normale Arbeitnehmer sind und überwiegend nicht am Kapitalmarkt investiert ist.

  • Jürgen Wagner sagt:

    Zinsanlagen sind schon seit Jahren nicht mehr lohnend, d.h. nach Inflationsrate sogar verlustbringend. Das haben die meisten „Sparer“ noch gar nicht eingesehen, denn numerisch werden die Zahlen auf den Sparkonten ja immer größer bzw. Rentenpapiere zahlen Kupons. Das ist jedoch Unsinn.

    Bereits heute zahlen fast 3 Mio Arbeitnehmer überhaupt keine Steuern und wenn ich das recht in Erinnerung habe, zahlen die Top 20% der Steuerzahler bereits 75% des gesamten Einkommensteueraufkommens. Hier also Feindbilder von bösen Gutverdienenden (die durch das Steuersystem große Vorteile genießen und in Aktien investieren können) und den harmlosen Sparern (die ja nicht anders können und sich auf Zinsanlagen beschränken müssen) aufzubauen, ist fehl am Platze. Abgesehen davon sind ja Maßnahmen zur Steuerumverteilung immer auch Strafmaßnahmen für die Leistungsträger der Gesellschaft, die es überhaupt erst ermöglichen, daß es so viele Nicht- und Gering-Steuerzahler geben kann.

    Es gibt heute Möglichkeiten, ab 25 EUR pro Sparplanausführung auch mit kleinen Beträgen von den Aktienmärkten zu profitieren. In Deutschland ist das immer noch etwas anrüchig und mit dem Hauch des Spekulativen versehen – wohl auch getrieben durch die Medien und auch durch Lingo wie in diesem Artikel mal wieder. Aktien sind für alle. Das ist die Wirtschaft, in der wir leben und arbeiten. Jeder kann partizipieren und sollte das auch.

    Daher muss die Message eines solchen Artikels eigentlich sein: Anleger müssen vermehrt in die Kapitalmärkte (und nicht nur in Rentenpapiere und Sparanlagen) investieren. Dazu ist Aufklärung erforderlich. Ein mandatorisches Schulfach Finanzkunde? Wie auch immer das gestaltet wird – die aus Hochzinszeiten stammende Lethargie einer Anlage in Zinspapiere ist heute nicht mehr sinnvoll und praktikabel. Gut, daß die Politik ebenso ein Zeichen in diese Richtung setzt.

  • Björn Waide Björn Waide sagt:

    Lieber Herr Wagner, vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar und das leidenschaftliche Plädoyer für eine höhere Aktionärsquote unter den Sparern. Ich stimme Ihnen da inhaltlich voll zu: Für die langfristig orientierte Kapitalanlage kommt man um den Aktienmarkt nicht herum und es braucht dringend mehr Aufklärung in diese Richtung. Fakt ist aber auch, dass es heute noch sehr anders aussieht: Nur jeder siebte Deutsche ist am Aktienmarkt direkt oder über Fonds investiert. Damit begünstigt die Abgeltungssteuer nur eine Minderheit der Bevölkerung. Seit Einführung der Abgeltungssteuer 2009 ist die Aktionärsquote dabei gleichzeitig eher gesunken, hatte also keinen Lenkungseffekt Richtung Aktienmarkt.
    Kurz gesagt: Ja zur mehr Altersvorsorge am Kapitalmarkt, die heute schon über Rürup und Riester steuerlich gefördert wird.
    Nein zu einer steuerlichen Ungleichbehandlung verschiedener Einkunftsarten.


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