16.02.2018 · smart steuern ·

Steuern sparen mit dem Dienstfahrrad

Sie träumen von einem richtig guten (und teuren) Rennrad, einem Mountainbike oder einem E-Bike? Und Ihnen fehlt das nötige Kleingeld – um im Frühjahr so richtig in die Pedale treten zu können? Dann sollten Sie über ein Dienstfahrrad nachdenken. Denn damit kommen Sie günstiger an Ihr Traumrad – und sparen dabei auch noch Steuern und Sozialbeiträge. Wir erklären Ihnen, wie das funktioniert und was Sie beachten müssen.

Dienstwagen und Dienstfahrrad

Vielleicht stellen Sie sich gleich die Frage, ob Sie ein Dienstfahrrad nur beruflich oder auch privat nutzen können. Die gute Nachricht: Sie können mit dem Rad auch unbegrenzt privat fahren und es sogar mit in den Urlaub nehmen. Denn seit 2012 gilt das sogenannte Dienstwagenprivileg auch für Fahrräder. Was bedeutet das? Sie können ein Dienstfahrrad (wie ein Dienstauto) auch privat nutzen. Sie müssen dafür nur 1 Prozent des Listenpreises pro Monat als sogenannten geldwerten Vorteil versteuern. Wenn Sie also ein Dienstrad für 2.800 Euro haben, müssen Sie jeden Monat 28 Euro zusätzlich versteuern. Nun stand doch aber in der Überschrift was von Steuern sparen, werden Sie vielleicht einwerfen, und nun sollen Sie zusätzlich Steuern zahlen? Das erklären wir aber gleich.

Wie läuft das nun genau mit dem Dienstrad?

Am besten ist es natürlich, wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen ein Fahrrad kauft und Sie es auch privat nutzen können. Dann ist zwar nichts mit der Steuerersparnis, aber dafür hätten Sie ein hochwertiges Rad fast für lau – nur die erwähnten 1 Prozent müssten Sie versteuern. Aber das passiert nicht so oft. Fast immer läuft es mit dem Dienstrad anders, das Stichwort lautet Leasing. Mittlerweile bieten das immer mehr Unternehmen allen ihren Mitarbeitern an, Sie können es aber auch allein probieren.
Das Grundprinzip: Sie suchen sich über einen Leasinganbieter wie Jobrad, Businessbike oder Mein-Dienstrad Ihr Traumrad aus. Leasingnehmer ist der Arbeitgeber, die Laufzeit des Leasings beträgt drei Jahre. Der Chef schließt dann mit Ihnen einen Überlassungsvertrag. Zudem wird in der Regel eine Barlohnumwandlung vereinbart. Das heißt: Die Leasingrate wird vom Lohn abgezogen, das bedeutet, dass Sie weniger Steuern und Sozialbeiträge zahlen müssen. Nach Ablauf der drei Jahre können Sie dann das Fahrrad noch recht günstig übernehmen.

Ein Rechenbeispiel

So könnte das konkret aussehen: Ein Single ohne Kinder in Niedersachsen mit einem Bruttoeinkommen von 3.000 Euro im Monat entscheidet sich für ein 2.800 Euro teures Fahrrad. Beim Anbieter Jobrad ergibt sich das Folgende:

  • Bruttolohn: 3.000 Euro
  • Leasingrate als Gehaltsumwandlung: -77,18 Euro
  • Jobrad-Inspektion: -5 Euro
  • geldwerter Vorteil: 28 Euro
  • Neuer Bruttolohn: 2.945,82 Euro

Beim bisherigen Bruttolohn sind 446,43 Euro Steuern und 618,75 Euro Sozialabgaben zu zahlen. Beim neuen Bruttolohn sind es nur noch 431,75 Euro bzw. 607,57 Euro. Sie haben also rund 26 Euro weniger Steuern und Sozialabgaben. Allerdings sinkt auch Ihr Nettoeinkommen von 1.934,82 Euro auf 1878,50 Euro. Sie haben also 56,32 Euro weniger im Monat auf dem Konto – dafür aber das wertvolle Rad, dass Sie beliebig nutzen können. Meist übernimmt der Arbeitgeber wenigstens noch die Kosten für Versicherung und/oder Inspektionen. Das sollte er auch machen, denn ansonsten ist das ganze Leasingmodell inklusive Barlohnumwandlung hinfällig.

Was passiert nach den drei Jahren mit dem Rad?

Sie können es einfach zurückgeben und ein neues Rad aussuchen. Oder Sie kaufen es. Aber Achtung: Die Leasinganbieter wollen dafür meist nur recht wenig haben. Bei Jobrad im genannten Beispiel etwa nur 476 Euro, das sind nur 17 Prozent des Neupreises. Das Bundesfinanzministerium hat Ende letzten Jahres aber entschieden, dass von 40 Prozent des Neuwerts auszugehen ist – im Beispiel wäre das 1.120 Euro. Wenn Sie sich für den Kauf entscheiden, müssen Sie also den geldwerten Vorteil versteuern, hier sind es immerhin 1.120 – 476 = 644 Euro.
Sagenhafte Ersparnisse im Vergleich zum einmaligen Kauf des teuren Rads von über 30 Prozent, wie sie die Leasinganbieter vorrechnen, sind dann natürlich nicht mehr drin. Aber es lohnt sich in der Regel immer noch.

Zusammenfassung: Dank Barlohnumwandlung können Sie ein wertvolles Rad zu erträglichen monatlichen Raten leasen und dabei auch Steuern und Sozialabgaben sparen. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber.

 


Stefan Heine Geschrieben von:
9 Kommentare

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Susanne Huber sagt:

    Wie kann man das Dienstrad, wenn man es gekauft Hat absetzen? Kaufpreis auf 3 Jahre auslegen, jährlichen Aufwand als Werbungskosten oder Sonderausgaben ansetzen, welche Nr. in der Einkommensteuererklätung?
    Herzlichst Ihre
    Susanne Huber

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Morgen,
    wir ein Auto können Arbeitnehmer nicht den Kaufpreist absetzen, sondern die Entfernungspauschale abziehen. Anders könnte es sich für Unternehmer darstellen, die ihr Fahrrad dem Betrieb zuordnen.

  • Vanessa sagt:

    Ich bin selbstständig. Kann auch ich ein Dienstrad ähnlich abrechnen ?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Ja, das ist möglich.

  • A. Maicher sagt:

    Muss ich für das Dienstrad auch noch 1% versteuern, wenn ich bereits einen Firmenwagen versteuere?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Ja, das wird dennoch erforderlich sein.

  • Dieter Kreuzer sagt:

    Der ganze Aufwand lohnt doch nicht:
    2800 – 36Monate x 56,32 = +772,48 €
    Leasing-Rückkauf -476,00 €
    noch zu versteuern
    bei Kauf ca. 30% x 644 -193,20 €
    —————————————————
    Gespart +103,28 €

    Wenn man den ganzen bürokratischen Aufwand bedenkt und den damit verbundenen Zeitverlust, dann zahlt man drauf!
    Noch ungünstiger wird die Rechnung, wenn man oberhalb der Bemessungsrenze verdient, da man dann keine Sozialabgaben spart. Wenn man dan auch noch verheiratet ist und durch das Ehegattensplitting weniger Steuern zahlt, dann ist jede Bankfinanzierung besser als das Fahrradleasing.

  • Stefan. d. sagt:

    Wie verhält es sich mit der Entfernungspauschale wenn man ein Dienstwagen und ein Dienstrad gleichzeitig besitzt? Ich nutze mein Dienstrad häufiger auf dem Weg zur Arbeit als den Dienstwagen. Ist das über ein Radfahrtenbuch zu dokumentieren? Wie hole ich evtl. zu viel bezahlte Entfernungspauschale wieder zurück?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Auch bei einem Dienstrad kann die Entfernungspauschale bei den Werbungskosten angesetzt werden.
    Das funktioniert dann analog zum Dienstwagen.


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