20.02.2018 · smart steuern ·

Frühjahrsputz: Was kann weg, was muss bleiben?

Mal unter uns: So langsam kann es wirklich Frühling werden. Der Winter, der nicht mal ein richtiger Winter ist, kann wegen mir gern abdanken. Und damit Sie den hoffentlich sonnigen März so richtig genießen können, machen Sie doch schon jetzt den obligatorischen Frühjahrsputz! Trennen Sie sich von Dingen, die Sie nicht mehr brauchen. Zum Beispiel von alten Belegen, Rechnungen, Dokumenten und anderem Papierkram. Doch was davon können Sie bedenkenlos wegwerfen (und besser vorher schreddern) – und was müssen Sie behalten? Wir sagen es Ihnen – für Steuer- und andere Unterlagen.

Bevor wir gleich zu den Papiersachen kommen, noch ein Tipp für den großen Frühjahrsputz: Wenn Sie dafür eine Reinigungskraft und/oder einen Fensterputzer kommen lassen, können Sie 20 Prozent der Kosten als haushaltsnahe Dienstleistungen von der Steuer absetzen. Mehr dazu in unserem Steuer-ABC mit dem Buchstaben H.

Wie lange muss ich Unterlagen für die Steuererklärung aufheben?

Beginnend mit diesem Jahr müssen Sie kaum noch Belege mit der Steuererklärung ans Finanzamt schicken. Aber aufheben müssen Sie diese natürlich weiterhin, denn das Finanzamt kann sie jederzeit anfordern. Wenn Ihr Steuerbescheid dann da ist – und Sie nicht Einspruch erheben, sind Sie eigentlich fein raus und könnten ganz theoretisch alle Unterlagen vernichten. Tun Sie es besser nicht. Warten Sie lieber die sogenannte Festsetzungsfrist ab – die beträgt vier Jahre. Wer mehr als eine halbe Million Euro im Jahr zu versteuern hat, muss alle steuerlichen Unterlagen sogar sechs Jahre aufbewahren. Dazu gehören in allen Fällen natürlich auch die Steuerbescheide.

Achtung! Überprüfen Sie die Unterlagen vor dem Weg in den Reißwolf noch einmal. Es ist gut möglich, dass sich in den Steuerunterlagen Belege finden, die Sie zwar nach den vier oder sechs Jahren nicht mehr für die Steuer brauchen, aber sehr wohl noch aus anderen Gründen. Das können zum Beispiel Versicherungsunterlagen sein oder Belege für teure Geräte, die Sie beruflich brauchen. Werden diese etwa bei einem Einbruch gestohlen, haben Sie immerhin noch die Kaufbelege für die Versicherung.

Was dürfen Sie sonst wegwerfen – und nach welcher Frist?

Vorab, diese kleine Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und gilt nur für Ihre privaten Unterlagen. Unternehmer müssen sich an andere Aufbewahrungsfristen halten.

Lebenslänglich: Niemals wegwerfen dürfen Sie alles vom Standesamt (Geburtsurkunde, Stammbuch, Sterbeurkunde von Angehörigen) und natürlich auch Heirats- und gegebenenfalls Scheidungsurkunde. Ebenfalls gut aufbewahren sollten Sie Schul- und Hochschulzeugnisse und Berufsabschlüsse.

Bis zur Rente: Zwar speichert die Rentenversicherung alles, es kann aber nicht schaden, Gehaltsabrechnungen, Arbeitsverträge, Arbeitslosenbescheinigungen und mehr aufzuheben. Wenn Ihnen das zu viel ist: Erkundigen Sie sich bei der Rentenversicherung über Ihren Rentenstand und ob alles bis zum aktuellen Datum lückenlos dokumentiert ist. Wenn das der Fall ist, können Sie sich von den alten Unterlagen trennen.

Nutzungsdauer: Werfen Sie die Kaufbelege für teure Gegenstände in der Wohnung (wie Möbel, Küche, TV-Gerät, Schmuck) erst dann weg, wenn diese nicht mehr in Ihrer Wohnung sind. Das ist im Schadensfall immer gut für die Versicherung. Werfen Sie Unterlagen zu Ihrer Mietwohnung erst weg, wenn Sie ausgezogen sind und die Kaution zurückerhalten haben.

Zehn Jahre: Etwas spezieller ist dieser Punkt, er hängt mit der sogenannten Produkthaftung zusammen. Passiert Ihnen etwas, etwa weil die Bohrmaschine einen Fehler hat, können Sie bis zu zehn Jahre nach Kauf Schadensersatz und/oder Schmerzensgeld vom Hersteller verlangen. Dafür brauchen Sie den Kaufbeleg.

Drei Jahre: Die meisten Rechnungen dürfen Sie drei Jahre nach Ablauf des Jahres, in dem die Rechnung gestellt wurde, wegwerfen.

Zwei Jahre: Das betrifft viele Produkte und Dienstleistungen. In der Regel haben diese zwei Jahre Gewährleistung, danach können Sie die Kaufbelege entsorgen. Es sei denn, es gibt eine längere Garantie.

Kontoauszüge: Ja, das ist immer wieder eine spannende Frage. Experten raten, die Kontoauszüge wenigstens drei Jahre aufzubewahren. Allerdings gilt das nicht für alle Kontobewegungen! Wir haben weiter oben viele Beispiele genannt, bei denen man Belege deutlich länger aufheben sollte – und zu diesen ist es immer gut, auch die entsprechende Abbuchung vom Konto nachweisen zu können.

Zwei angenehme Nebeneffekte hat das Aussortieren von alten Belegen dann auch noch: Sie sparen Platz – und bringen ganz nebenbei Ordnung in Ihrer Unterlagen. Worauf warten Sie also, legen Sie los!

 


Jennifer Dittmann Geschrieben von:

Mach Dein Insiderwissen zu Geld!
Steuererklärung starten

LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)


Kommentar schreiben (* Pflichtfelder)