09.03.2018 · smart steuern ·

Steuer-ABC: M wie Mehrwertsteuer

Es soll ja Leute geben, die sagen zur Mehrwertsteuer flapsig Märchensteuer. Klingt immerhin so ähnlich – und wie ein Märchen kommt diese spezielle Steuer auch daher. Denn wie viele wissen, gibt es da zwei verschiedene Steuersätze: 7 und 19 Prozent. Wann greift aber welcher? Dafür gibt es sogar eigens verschiedenen Listen. Diese würden zwar nicht Grimms Märchen füllen, doch lang sind sie allemal. Wir bringen Licht ins Dunkel und sagen Ihnen alles über die Mehrwertsteuer.

Herzlichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag!

Die Geburtsstunde der Mehrwertsteuer schlug am 1. Januar 1968. Und schon damals gab es zwei Steuersätze. Ich verdrücke gerade eine Träne, denn sie startete mit einem Regelsatz von 10 und einem ermäßigten von 5 Prozent. Was in 50 Jahren so alles passieren kann – heute sind wir bei 19 und 7 Prozent. Damals wie heute gibt es Umsätze, die von der Steuer befreit sind. Dazu gehören etwa Briefmarken oder Mieteinnahmen. Die Mehrwertsteuer gehört zu den größten Einnahmequellen für den Fiskus. Wir zahlen sie regelmäßig, wenn wir etwas kaufen, ohne es zu registrieren.

7 oder 19 Prozent – das ist hier die Frage

Doch was wird nun mit 7 und was mit 19 Prozent besteuert? Denn klar ist: Es macht schon einen Unterschied, ob man etwas für 119 Euro (19 Prozent) oder 107 Euro (7 Prozent) kauft. Die Grundidee war: Alles was zum Grundbedarf gehört, soll mit dem ermäßigten Satz besteuert werden. Und schon sind wir bei der Frage der Fragen: Was ist das genau? Immer wieder wurde im Laufe der Jahrzehnte darum gestritten, unzählige Gerichtsentscheidungen wurden dazu gefällt. Und da wir gleich zu Beispielen kommen, so richtig nachvollziehbar ist das alles längst nicht mehr.

Was ist der Grundbedarf?

Hätten Sie es gewusst? Es sind nicht nur viele Lebensmittel, die dem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent unterliegen. Eintrittskarten für Kino, Theater, Konzert oder Fußballspiele (und andere Sportveranstaltungen) gehören dazu. Zeitungen, Zeitschriften und Bücher auch. (Für E-Books sind übrigens 19 Prozent fällig, doch das soll sich bald ändern.) Nicht zu vergessen: Tickets für den öffentlichen Nahverkehr (bis 50 Kilometer) und sogar Taxis.
Das ist schon noch zu verstehen, aber bei Lebensmitteln sieht das anders aus. Absolute Grundnahrungsmittel wie Brot, Butter und Milch haben selbstverständlich 7 Prozent. Nicht ganz, denn für Sojamilch sind es 19 Prozent. Es wird aber noch verrückter. Frisches Obst – 7 Prozent, Obstsaft wie Apfelsaft – 19 Prozent, Smoothies – wieder 7 Prozent. Trüffel – 7 Prozent, aber Mineralwasser – 19 Prozent. Tiernahrung – 7 Prozent, Babynahrung – 19 Prozent. Und, und, und …
Den ganz normalen Wahnsinn gibt es aber auch außerhalb des Supermarkts. Bei einer Brille sind es 19 Prozent – beim Hörgerät hingegen nur 7 Prozent. Und wenn Sie sich immer schon gefragt haben, warum Sie im Fastfood-Laden gefragt werden „Zum hier Essen oder Mitnehmen“ – es geht hier nicht nur um Tablet oder Tüte. Denn wer sich hinsetzt zahlt 19 Prozent, wer mitnimmt hingegen nur 7 Prozent. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass die Betreiber mehr Netto sehen, wenn Sie mitnehmen. Denn der Endpreis ist ja in der Regel gleich…

Sie sehen, es ist mit der Mehrwertsteuer nicht so einfach. Die gute oder auch schlechte Nachricht: Zahlen müssen wir sie alle, egal ob es 7 oder 19 Prozent sind.

Bisher im Steuer-ABC:

 

Theresa Voigt Geschrieben von:
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