01.06.2018 · smart steuern ·

Zu spät bei der Steuer – was droht jetzt?

In vielen Bundesländern ist die Frist für die Abgabe der Steuererklärung abgelaufen. Doch erfahrungsgemäß haben einige es doch nicht pünktlich geschafft – und stellen sich jetzt die Frage, was nun passiert. Kurz gesagt: In diesem Jahr kann es eine Strafe geben, ab dem nächsten Jahr wird es eine Strafe geben. Was das nun genau bedeutet – Sie erfahren es in diesem Artikel.

Zu spät kommt nur, wer abgeben muss

Immer wieder verfallen auch Steuerzahler in Steuer-Panik, die es eigentlich gar nicht müssten. Denn die Frist (bisher meist Ende Mai) gilt nur für die, die auch verpflichtet sind, eine Steuererklärung zu machen. Wer das ist, fragen Sie jetzt vielleicht. Das können Sie zum Beispiel in diesem Artikel nachlesen. Dort steht dann auch, wer noch alles seine Steuer machen sollte. Also auch die, die nicht dazu verpflichtet sind. Es geht schließlich um Ihr Geld – und Sie haben in diesem Fall stolze vier Jahre Zeit für die Abgabe. So können Sie als „Freiwilliger“ zum Beispiel die Steuer für das Jahr 2014 noch bis Ende 2018 abgeben. Wählen Sie einfach auf dieser Seite das entsprechende Jahr aus – und los geht’s.

Was ist, wenn ich mich in diesem Jahr verspäte?

Nun, erste Idee: Machen Sie jetzt schnell noch Ihre Steuer. Sie wären nur ein paar Tage drüber und mit ein bisschen Glück kommen Sie mit einer Ermahnung davon. Was nicht (mehr) hilft: eine Fristverlängerung beantragen. Die hätten Sie dann doch bis zum Stichtag abgegeben haben müssen.
Aber was passiert nun, wenn Sie verspätet abgeben? Prinzipiell kann Ihr Finanzbeamter einen Verspätungszuschlag aufschlagen: 10 Prozent der Steuer, aber maximal 25.000 Euro. Aber hier greift das Wörtchen „kann“. Das Finanzamt muss das nicht tun: Also entweder weniger als eigentlich möglich oder sogar ganz darauf verzichten. Der Beamte hat also einen Ermessensspielraum. Dabei könnte er sich an den folgenden Punkten orientieren: Sind Sie viel zu spät – oder gar ein Wiederholungstäter? Wie viel müssen Sie nachzahlen? Haben Sie Vorteile aus der verspäteten Abgabe? Was ist bei Ihnen zu holen?
Wenn Sie eine Steuererstattung bekommen, dürfte nicht so viel passieren. Schließlich hat der Staat davon profitiert, dass Sie erst so spät Ihr Geld bekommen. Wenn Sie mit einer Strafzahlung nicht einverstanden sind, können Sie natürlich Einspruch einlegen. Meist zieht das aber beim Finanzamt nicht – und Sie müssen zum Finanzgericht. Da sollte es sich aber schon um größere Summen handeln, sonst lohnt der Aufwand nicht.

Alles anders ab 2019

Sie haben es hier im Blog vielleicht schon gelesen: Ein neues Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens bringt einige Änderungen mit. Dazu gehört, dass Sie ab nächstem Jahr bundesweit bis zum 31. Juli Zeit haben, um ihre Steuererklärung abzugeben – also zwei Monate länger als bisher. Diese Verlängerung gilt auch für Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine, so dass in diesen Fällen die Abgabe sogar bis Ende Februar des Folgejahres möglich ist, also 14 Monate nach Ablauf des Steuerjahres. Für das Steuerjahr 2018 im Februar 2020, genauer bis zum 2. März 2020, da der letzte Februartag auf einen Samstag fällt.
Klingt erstmal gut, aber es gibt auch negatives. Denn: Der Verspätungszuschlag ist dann auch neu geregelt, genauer in Paragraf 152 der Abgabenordnung. Dort steht: Wer erst nach dem Stichtag Ende Februar abgibt, zahlt für jeden angefangenen Monat 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer (abzüglich der geleisteten Vorauszahlungen) – mindestens jedoch 25 Euro pro Monat. Da gibt es dann keinen Spielraum mehr.
Aber, wenn Sie aufmerksam gelesen haben, ist Ihnen vielleicht was aufgefallen. Das neue Gesetz regelt nicht genau, was passiert, wenn man die Steuer selbst macht – und Sie eigentlich bis Ende Juli abgegeben haben muss. Ob das tatsächlich eine juristische Lücke ist, wird sich vermutlich erst später raus stellen. Es könnte also sein, dass im Zeitraum von Anfang August bis Ende Februar des Folgejahres wieder der Ermessensspielraum des Finanzbeamten greift. Denkbar ist, dass der sich dann aber auch an den neuen Zahlen (0,25 Prozent, 25 Euro) orientiert.
Und was ist, wenn man nach seiner Steuererklärung keine Steuern zahlen muss – oder sogar eine Erstattung bekommt? Nun, auch in diesem Fall liegt es wieder im Ermessen des Finanzamts, ob und in welcher Höhe ein Verspätungszuschlag erhoben wird.

Zusammenfassung: In diesem Jahr liegt die Höhe eines Verspätungszuschlags in jedem Fall im Ermessen des Finanzamts. Das ändert sich ab nächstem Jahr. Denn dann gibt es zwar immer noch Fälle, wo der Ermessensspielraum des Amts greift – aber auch viele andere Fälle, in denen eine Verspätungszuschlag von mindestens 25 Euro pro Monat fällig ist.

Jennifer Dittmann Geschrieben von:
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