03.08.2018 · smart steuern ·

Auslandssemester von der Steuer absetzen

Für viele Studenten ist es ein Traum: ein oder mehrere Semester im Ausland studieren. Erfahrungen sammeln, eine Sprache richtig lernen und natürlich macht sich das auch gut im Lebenslauf. Allerdings kostet so etwas auch Geld. Die Frage: Lassen sich diese Ausgaben auch bei der Steuer geltend machen? Eine Musterklage liegt gerade beim Bundesfinanzhof. Wir schildern den Fall – und erklären, wie Studenten im Ausland und generell Steuern sparen können.

London, Dublin – was lässt sich absetzen?

Der Fall handelt von einer Studentin, die nach dem Abschluss ihrer ersten Ausbildung im Wintersemester 2012/13 ein Bachelor-Studium an der Fachhochschule Dortmund aufnahm. In ihrem Fach International Business sind zwei Auslandssemester Pflicht. Die Frau studierte in London und Dublin – hatte ihren Hauptwohnsitz wie im ganzen Studium aber immer noch bei den Eltern in der Nähe von Dortmund. Der kritische Punkt: Die Studentin wollte die Ausgaben für Unterkunft und Verpflegungsmehraufwand in der Steuererklärung geltend machen. Sowohl das Finanzamt als auch das Finanzgericht lehnten das aber ab.
Die Begründung der Richter in Münster: Um die Kosten absetzen zu können, müssten die Voraussetzungen einer doppelten Haushaltsführung vorliegen. Und das sei nicht der Fall. Die erste „Tätigkeitsstätte“ habe im Ausland gelegen – zudem sei das Wohnen bei den Eltern kein eigener Hausstand der Studentin.
Mit Unterstützung des Bundes der Steuerzahler (BdSt) ging die Frau in Revision beim Bundesfinanzhof (Az VI R 3/18). Der BdSt ist der Ansicht, dass in diesem Fall Studenten schlechter behandelt werden als Arbeitnehmer, die ins Ausland entsendet werden. Noch ist nicht über diese Musterklage entschieden worden.

Was heißt das nun?

Im Verfahren geht es nur um die oben genannten Kosten. Alle anderen studienbezogenen Ausgaben lassen sich auf jeden Fall absetzen, da spielt es keine Rolle, ob diese im Ausland oder in der Heimat angefallen sind. Aber, und aufmerksame Studierende haben es hier im Blog sicher schon gelesen, es gibt noch einen anderen Faktor. Nämlich, ob es sich bei dem Studium um eine Erstausbildung oder eine Zweitausbildung handelt. Nach aktueller Rechtsprechung lassen sich nur in einer Zweitausbildung die Kosten als Werbungskosten absetzen, im Erststudium (ohne vorherige Ausbildung) dürfen es nur Sonderausgaben sein. Kurz gesagt: die letzte Variante ist steuerlich ungünstig. Vor allem, weil damit nicht die Verluste im Studium auf spätere Jahre vorgetragen werden können. Wenn Sie es genauer wissen wollen, empfehle ich Ihnen diesen Blogbeitrag. Aber – und das ist die gute Nachricht – beim Bundesgerichtshof ist ein Verfahren dazu anhängig.  

Was sollen Studenten tun?

Nun, wir haben hier zwei Sachverhalte, die noch nicht höchstrichterlich geklärt sind. Das heißt: Sie machen Ihre Steuererklärung – am besten natürlich mit unserer Online-Lösung smartsteuer. Wir haben sogar eine spezielle Version nur für Studenten. Dort tragen Sie im Interview alle Ausgaben so ein, als ob die Richter an den beiden Gerichten schon zugunsten der Studenten entschieden hätten. Vermutlich wird das Finanzamt die entsprechenden Ausgaben dann nicht anerkennen. Aber: Der Bescheid ist in diesen Punkten auch nur vorläufig. Das heißt, wenn die Gerichte eines Tages zu Ihren Gunsten entscheiden – profitieren Sie automatisch davon. Sie müssen nur geduldig bleiben.

Was bedeutet das konkret für mich?
Studenten können viele Kosten eines Auslandssemesters von der Steuer absetzen. Strittig ist im Moment, wie es bei Miete und Verpflegungsmehraufwand aussieht. Generell sollten Studenten eine Steuererklärung machen, es lohnt sich schon jetzt für Studierende in Zweitausbildung – und auch die in erster Ausbildung können noch auf eine Gerichtsentscheidung hoffen.   

 

Jennifer Dittmann Geschrieben von:
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