22.08.2018 · smart steuern ·

3 Fragen zum Steuerzahlergedenktag

Am 18. Juli war es wieder soweit. Ab diesem Tag arbeitet der Deutsche endlich in die eigene Tasche – bis dahin hat er rein rechnerisch in diesem Jahr nur für den Staat gearbeitet. Das sagt zumindest der Bund der Steuerzahler (BdSt) – und nennt dieses Datum den Steuerzahlerdenktag. Die Schlagzeilen waren dem BdSt mal wieder gewiss, es ist ja auch eine sehr griffige Bezeichnung. Doch wie wird das Datum berechnet, wie ernst kann man das nehmen und was wird dabei übersehen? Wir sind mal in uns gegangen.

Frage 1: Wie berechnet der BdSt das Datum?

Um es ganz genau zu sagen: Seit dem 18. Juli um 4:40 Uhr arbeiten die Bürger und Betriebe wieder in das eigene Portemonnaie. Das gesamte vorher in diesem Jahr erzielte Einkommen wurde – zumindest rein rechnerisch – an den Staat abgeführt. Das bedeutet laut BdSt, dass die sogenannte volkswirtschaftliche Einkommensbelastungsquote bei 54,3 Prozent liegt, ein Rekordwert. Umgedreht heißt das auch, dass von jedem verdienten Euro nur 45,7 Cent zur freien Verfügung stehen.
Der Steuerzahlergedenktag setzt alle Steuern, Abgaben und „Quasi-Steuern“ (Rundfunkbeitrag, Umlagen auf Strom sowie Konzessionsabgaben auf Strom, Gas und Wasser) ins Verhältnis zum Volkseinkommen. Daraus entsteht die Einkommensbelastungsquote – und daraus der Steuerzahlergedenktag.
Soweit die Zahlen und die Meldung.

Frage 2: Wo liegen dabei die Probleme?

Der erste Punkt: Beim Steuerzahlergedenktag geht es nicht nur um Steuern – was man zuerst ja denken würde. Sondern auch um alle sonstigen Abgaben. Dadurch steigt die Belastungsquote deutlich an.
Zweiter Punkt: Kritiker bemängeln, dass sich die Quote am Volkseinkommen bemisst – und nicht am Bruttoinlandsprodukt, das höher liegt. Zudem sind im Volkseinkommen die indirekten Steuern nicht enthalten, die aber selbstredend in den Steuern und Abgaben enthalten sind. Und zu guter Letzt wird auch nicht berücksichtigt, dass der Staat selbst Steuern bezahlt. Etwa die Mehrwertsteuer auf gekaufte Produkte.
Dritter Punkt: Daraus resultiert, dass die vom BdSt ermittelte Quote größer ist, als sie eigentlich wäre. So lag die Steuer- und Abgabenquote in Deutschland im Jahr 2016 „nur“ bei 37,6 Prozent.

Frage 3: Warum ist der Tag gut – und warum schlecht?

Ganz klar, ein Steuerzahlergedenktag ist prinzipiell eine gute Sache. Ruft er doch – zugegebenermaßen sehr plakativ – in Erinnerung, dass wir alle nicht wenig an Steuern und Abgaben leisten. Und natürlich ist es wichtig, dass jemand auf die jährlich steigende Quote hinweist.
Auf der anderen Seite liegen auch einige Fragezeichen über dem Steuerzahlergedenktag. Da ist natürlich zuerst die – sagen wir es nett – etwas hingebogene Berechnungsgrundlage. Alles nur, um eine noch höhere Einkommensbelastungsquote hinzubekommen und den Gedenktag noch weiter nach hinten schieben zu können.
Es wäre nicht schlimm, wenn die Quote kleiner wäre (sie wäre immer noch groß genug) – Aufmerksamkeit wäre trotzdem garantiert. In der Rechnung wird irgendwie auch vergessen, dass es für die nicht unerheblichen Sozialabgaben ja auch durchaus eine Gegenleistung gibt. Stichwort Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung.

Und der Staat – bei aller Kritik – macht mit dem Geld aus den Steuereinnahmen ja auch viel Vernünftiges. Das dann wieder uns allen zugutekommt.

Das Leben ist einfach viel komplizierter als ein Steuerzahlergedenktag, der uns verkürzt nur sagt: Der böse Staat nimmt uns mehr als die Hälfte unseres hart verdienten Geldes weg. Das ist zumindest recht oberflächlich.     

 


Björn Waide Geschrieben von:

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Uwe Bruder sagt:

    Warum muss ich 2 x Steuern auf meine Rente einmal jetzt wo ich arbeite und dann wenn ich Rentner bin zahle ich nochmal
    Gruß Uwe

  • Avatar Ralf Eisenhardt sagt:

    Ein guter Beitrag, Herr Waide, danke für die fachliche Aufklärung. Dieser Steuerzahlergedenktag ist irgendwie dem Equal-Pay-Day ähnlich. Und ich empfinde es ähnlich wie Sie, dass der Tag nichts qualitatives aussagt, nur, dass wir eben Steuern und Abgaben zahlen müssen. Der Name suggeriert allerdings, es handele sich rein um Steuern. Ich bekenne: Ich bin froh, dass ich in Deutschland Steuern und Abgaben bezahle. Und das begründe ich so:
    1. Weil hiermit eine Infrastruktur und Daseinsvorsorge betrieben wird, die mir gut gefällt. Ich bin froh, dass es Schulen, Straßen, Schwimmbäder, Parks, und vieles mehr gibt und dass es jeder benutzen darf. Ausdrücklich einschließlich der Rundfunkgebühren, die eine hohe journalistische Qualität im öffentlich-rechtlichen Rundfunk garantieren.
    2. Weil es m.E. Korruption nicht im großen Stil gibt und die Gelder nicht in privaten Taschen verschwinden.
    3. Weil der weit, weit überwiegende Teil der Staatseinnahmen für sinnvolle Dinge verwendet wird und der BdSt frei über Steuerverschwendung in Deutschland schimpfen und protestieren darf.
    Der Steuerzahlergedenktag ist mir zu einfach und niveaulos gemacht. Damit erzeugt der BdSt nur unangemessen Unmut ggü. dem Staat und billige Effekthascherei. Das hat er gar nicht nötig.

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Die Beiträge für die spätere Rente sind als Sonderausgaben bei der Steuererklärung als Arbeitnehmer absetzbar und verringern die Steuer.


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