11.09.2018 · smart steuern ·

5 Fragen zur Zweitwohnsitzsteuer

Es gibt viele Gründe, warum Menschen zwei Wohnungen haben. Mal sind es berufliche Gründe, mal ein Studium, mal eine Ferienwohnung an der Ostsee. Für die einen ist sie notwendig – für die anderen ein Luxus. Was ihnen aber allen gemeinsam ist: In vielen Städten Deutschlands müssen sie dafür Zweitwohnsitzsteuer zahlen. Warum das so ist, was sich die Städte davon versprechen, wie hoch die Steuer ist – all das und mehr erfahren Sie in diesem Artikel.

Frage 1: Wie entstand die Zweitwohnsitzsteuer?

Vorreiter war hier eine kleine Stadt am Bodensee: Überlingen. Das reizvolle Städtchen wollte es schon 1972 nicht hinnehmen, dass nicht ansässige Eigentümer von Ferienwohnungen die Infrastruktur nutzen – aber nichts dafür bezahlen. Deshalb führte Überlingen die Zweitwohnsitzsteuer ein. Zehn Jahre lang beschäftigten sich die Gerichte damit, ob das überhaupt legal sei – bis das Bundesverfassungsgericht die Frage mit einem klaren Ja entschied.
Und so sprangen immer mehr Städte und Gemeinden auf den speziellen Steuerzug auf. Zuerst eher Erholungsorte, später kamen zunehmend studentisch geprägte Städte hinzu. Mittlerweile sind es mehr als 400 Städte und Gemeinden.

Frage 2: Warum wird die Steuer erhoben?

Offensichtlich nehmen die betroffenen Städte zusätzliches Geld ein – es handelt sich um eine kommunale Steuer. Insgesamt sollen es schon 2013 bundesweit mehr als 100 Millionen Euro gewesen sein. Das klingt erstmal viel, ist aber im Verhältnis zum gesamten Steueraufkommen dann doch nur eine Bagatellsteuer. Zudem ist der Aufwand im Verhältnis zu den Einnahmen doch recht hoch. Es muss also noch einen anderen Grund geben.
Der lautet: Die Orte wollen mit der Zweitwohnsitzsteuer die Betroffenen dazu bewegen, ihren ersten Wohnsitz in ihre Stadt zu verlegen. Die Idee dahinter: Je mehr gemeldete Einwohner die jeweilige Stadt hat, desto höher sind die Zuschüsse aus dem kommunalen Finanzausgleich. Für die Experten: Man spricht hier von der Schlüsselzuweisung.

Frage 3: Wie hoch ist die Zweitwohnsitzsteuer?

Da jede Gemeinde die Höhe dieser Steuer in eigener Regie regelt, gibt es höchst unterschiedliche Steuersätze. Fast einheitlich ist nur, dass die Steuer auf die Jahreskaltmiete erhoben wird.
Berlin ist im Moment noch das Schlusslicht mit einem Steuersatz von „nur“ 5 Prozent. Wer also eine Kaltmiete von 700 Euro im Monat hat (8.400 Euro im Jahr), zahlt bisher 420 Euro im Jahr an Zweitwohnsitzsteuer. Aber: Ab 2019 heißt es in Berlin: „Überholen ohne einzuholen“. Denn dann verdreifacht (!) sich der Steuersatz auf 15 Prozent. Im Beispiel sind dann schon 1.260 Euro fällig – also fast zwei Monatsmieten.
Oft sind so um die 10 Prozent üblich, München etwa hat 9 Prozent, Hamburg 8 Prozent. Es gibt aber auch Städte mit 20 Prozent – da gehört unser beschauliches Überlingen wieder mit dazu. Spitzenreiter ist aber das mondäne Baden-Baden. Hier gilt: Bis 2.500 Euro Jahresmiete ist der Steuersatz 20 Prozent. Für den Anteil zwischen 2.500 Euro und 5.000 Euro ist er 27,5 Prozent, der Anteil über 5.000 Euro hat stolze 35 Prozent Steuersatz. Im eben genannten Beispiel der 700-Euro-Wohnung wären in Baden-Baden 2.377,50 Euro Zweitwohnsitzsteuer fällig – also schon mehr als drei Monatsmieten!

Frage 4: Wer muss zahlen?

Hier stellt sich eher die Frage, wer nicht. Fast immer müssen Studenten zahlen. Sogar die, die in ihrer Heimatstadt noch bei den Eltern wohnen. Hier ist klar, die Kommunen wollen einfach nur, dass Studenten ihre Universitätsstadt als ersten Wohnsitz wählen.
Ausgenommen von der Zweitwohnsitzsteuer-Pflicht sind Menschen, die in einem Zimmer in einem Alten- oder Pflegeheim wohnen. In Bayern entfällt sie für Geringverdiener (25.000 Euro im Jahr).
Ebenfalls befreit sind bestimmte Pendler, die wegen ihres Jobs eine zweite Wohnung im Arbeitsort haben und nur am Wochenende zu ihrem Hauptwohnsitz fahren. Achtung: Das betrifft nur die, die verheiratet sind!

Frage 5: Was passiert, wenn ich nicht zahle?

Nun, wenn Sie ordentlich und fristgerecht Ihren Zweitwohnsitz anmelden, werden Sie in der Regel automatisch aufgefordert, eine entsprechende Steuererklärung zu machen.
Ganz „Schlaue“ denken sich jetzt vielleicht „Okay, dann melde ich mich doch erst gar nicht an“. Ein Fehler! Werden Sie erwischt, sind Sie genauso dran wie jemanden, der die Steuer nicht zahlt. Steuerhinterziehung heißt das Ganze. Die Strafen dürften angesichts der doch recht geringen Summen aber eher klein ausfallen.
Wenn Sie jetzt gerade merken, dass Sie schon einige Zeit eine zweite Wohnung haben – die aber nicht angemeldet haben: Sie können eine strafbefreiende Selbstanzeige gegen sich selbst stellen. Dann zahlen Sie nur die entgangene Zweitwohnsitzsteuer nach. So haben das übrigens auch einige Politiker gemacht, die „vergessen“ hatten, sich in Berlin anzumelden.

Was bedeutet das konkret für mich?
Wenn Sie einen Zweitwohnsitz haben, müssen Sie sich dort anmelden und in vielen Kommunen eine Zweitwohnsitzsteuer zahlen. Informieren Sie sich vor dem Einzug in der jeweiligen Gemeinde, ob das der Fall ist. Dort erfahren Sie auch, welche Möglichkeiten der Befreiung es geben kann. Und eine gute Nachricht zum Schluss: Immerhin müssen Sie nach einem aktuellen Urteil in der Zweitwohnung keinen Rundfunkbeitrag mehr zahlen, ausführlich in diesem Artikel.

 

Jennifer Dittmann Geschrieben von:
Kein Kommentar

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , ,



Leider wurde bisher noch kein Kommentar abgegeben


Kommentar schreiben (* Pflichtfelder)