23.10.2018 · smart steuern ·

Nicht von schlechten Eltern

Seit mehr als zehn Jahren unterstützt der Staat Eltern von Neugeborenen mit dem Elterngeld, seit drei Jahren gibt es auch noch das ElterngeldPlus. Das finden wir schon mal gut. Lesen Sie hier, wie Sie möglichst viel Elterngeld erhalten können, warum Sie für das eigentlich steuerfreie Elterngeld dann doch mehr Steuern zahlen müssen und wieso nicht wenige später Steuern nachzahlen müssen.

Bevor wir gleich zu den Antworten kommen, müssen wir in aller Kürze die Eckdaten für Elterngeld und ElterngeldPlus notieren. Gleich vorab: Das kann nur ein grober Überblick sein, es gibt dort einige Kniffe und Sonderregelungen. Informieren Sie sich also unbedingt im Vorfeld.

Wie lang gibt es Elterngeld?

Das klassische Elterngeld wird maximal 14 Monate gezahlt. Voraussetzung dabei ist, dass jede Mutter oder Vater mindestens zwei und höchstens zwölf Monate in Elternzeit geht.
Das ElterngeldPlus richtet sich an die Mütter und Väter, die schon in der Elternzeit wieder Teilzeit in ihren Job zurückkehren. Dann gibt es doppelt so lange Elterngeld – aber maximal nur halb so viel wie beim klassischen Elterngeld. Wenn beide Eltern gleichzeitig für vier Monate 25 bis 30 Stunden arbeiten, gibt es sogar noch vier ElterngeldPlus-Monate obendrauf.
Zudem gibt es auch noch einen Partnerschaftsbonus und die beiden Elterngeld-Varianten lassen sich miteinander kombinieren…     

Wie hoch ist das Elterngeld?

Das hängt prinzipiell von Ihrem Netto-Einkommen im Jahr vor der Geburt ab. Liegen Sie über 1.200 Euro netto, erhalten Sie 65 Prozent davon als Elterngeld, aber maximal 1.800 Euro im Monat. Im Bereich von 1.000 bis 1.200 Euro netto sind es 67 Prozent. Wer weniger als 1.000 Euro hatte, hat auf jeden Fall mehr als 67 Prozent. Der Prozentsatz steigt an, je weniger Sie an Einkommen hatten. In jedem Fall gibt es mindestens 300 Euro pro Monat als Elterngeld.
Beim ElterngeldPlus sind es jeweils die Hälfte, also zwischen 150 und 900 Euro. Ist logisch, denn dafür gibt es das ElterngeldPlus ja auch doppelt so lange. Wenn Sie es genau wissen wollen: Mit einem Elterngeldrechner können Sie es genau ausrechnen.

Mehr Netto – mehr Elterngeld

Wenn Sie noch am Kinder „planen“ sind, sollten Sie auch für das Elterngeld richtig planen. Ein bisschen Vorlauf braucht es zwar, denn es geht um das Netto im Jahr vor der Geburt. Aber vielleicht kommt Ihr Kind ja auch erst 2020 auf die Welt…
Wie lässt sich also das monatliche Netto erhöhen? (Mal davon abgesehen, dass Sie mehr Gehalt bekommen.) Hier zählt insbesondere die richtige Wahl der Steuerklassen-Kombi:

  • Ehepaare: Wer heiratet, kann sich überlegen, wie die Steuerklassen aufgeteilt werden. Generell gilt: Wenn einer deutlich mehr als der andere verdient, sollte diese Person die Steuerklasse III und die andere entsprechend die Steuerklasse V wählen. Geht es ums Elterngeld, sieht es anders aus: Hier sollte in der Regel der Elternteil die III wählen, der länger zu Hause bleibt.
    In der Regel heißt, dass es auch Ausnahmen geben kann. Denn wenn der schlechtere Verdiener plötzlich die bessere Steuerklasse hat, heißt das für den Besserverdiener richtig viele Steuerabzüge. Zwar gleicht sich das über die Steuererklärung im Folgejahr alles wieder aus, es kann aber dadurch möglich sein, dass Sie als Familie durch die Umstellung erstmal deutlich weniger Netto haben.
    Das Ganze sollte also gut durchdacht werden und braucht zudem etwas Vorlauf. Denn mindestens sieben Monate vor Beginn des Mutterschutzes muss ein Steuerklassenwechsel vollzogen sein. Mehr zum Thema Ehegattensplitting in diesem
    Artikel.

Elterngeld ist steuerfrei – aber…

Als ob Elternsein nicht schon stressig genug wäre. Jetzt geht es noch mal um die Steuern. Und ich bringe nicht die besten Nachrichten. Elterngeld ist in der Tat als staatliche Leistung (wie auch Arbeitslosengeld) steuerfrei. Es unterliegt allerdings dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Das heißt ganz grob: Das Elterngeld wird auf das steuerpflichtige Einkommen aufgeschlagen und geschaut, wie hoch der Steuersatz des gesamten Einkommens wäre. Und diesen Steuersatz wendet das Finanzamt auf Ihr steuerpflichtiges Einkommen an. Daran kommen Sie auch nicht vorbei, denn wer Lohnersatzleistungen bezieht, muss zwingend eine Steuererklärung machen.
Die Folge: Oft müssen Eltern, egal ob Sie allein oder als Paar die Steuererklärung machen, damit rechnen, dass Sie im Folgejahr Steuern nachzahlen müssen.
Übrigens: Wenn Sie genauer wissen wollen, was das mit dem Progressionsvorbehalt auf sich hat, lesen Sie unbedingt diesen Blogbeitrag.

Was bedeutet das konkret für mich?
Wer ein Kind bekommt, hat Anspruch auf Elterngeld. Durch gute Planung können Sie erreichen, dass Sie mehr Elterngeld bekommen, da dieses vom Nettoeinkommen des Vorjahres berechnet wird. Zwar ist Elterngeld steuerfrei. Es unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt, sodass oft im Folgejahr eine Steuernachzahlung fällig wird.   

 


Stefan Heine Geschrieben von:

Mach Dein Insiderwissen zu Geld!
Steuererklärung starten

LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Michael Piller sagt:

    Ein Freibetrag wirkt sich nicht auf das Elterngeld-netto aus, weil das Nettogehalt pauschaliert aus dem Bruuto errechnet wird. Tatsächliches Nettogehalt und Elterngeld-netto sind nicht das Gleiche.

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Sie haben natürlich recht – vielen Dank. Der Beitrag ist angepasst.


Kommentar schreiben (* Pflichtfelder)