30.10.2018 · smart steuern ·

Kirchensteuer und das besondere Kirchgeld

Seien wir ehrlich, um dieses Thema ging es hier bei uns im Blog höchst selten. Aber da morgen Reformationstag ist – und übermorgen Allerheiligen –  wollen wir Ihnen auch hier mal einen Überblick geben. Wer muss also Kirchensteuer zahlen, wie viel ist das und was hat es mit dem besonderen Kirchgeld auf sich? Alle Antworten gibt es wie gewohnt hier bei uns.

Glückwunsch in die nordwestlichen Bundesländer

Wer erinnert sich noch dran? Letztes Jahr gab es den Reformationstag erstmals bundesweit als Feiertag. Dem 500. Jubiläum des berühmten Thesenanschlags von Martin Luther sei dank. Davor war das anders. Einige Bundesländer (eher evangelisch geprägt) hatten am 31. Oktober einen gesetzlichen Feiertag, andere (eher katholisch geprägt) am 1. November Allerheiligen. Und dann gab es noch sechs weitere Bundesländer, die der „Weder-Noch-Fraktion“ angehörten.
Die gute Nachricht: Ab diesem Jahr haben auch Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und – anschwellender Jubel – Niedersachsen (wir von smartsteuer sitzen ja in der Hauptstadt Hannover) morgen einen Feiertag.
Nur noch Hessen und Berlin gehen in diesem Jahr leer aus.

Wer zahlt Kirchensteuer und wie?

Ganz grob gesagt: Wer in der evangelischen oder katholischen Kirche ist, ist ebenso kirchensteuerpflichtig wie Mitglieder der jüdischen Gemeinden. Muslime, Buddhisten, Baptisten, Orthodoxe und andere Glaubensgemeinschaften hingegen nicht – weil sie keine anerkannten Körperschaften des öffentlichen Rechts sind.
Fast in allen Fällen führt Ihr Arbeitgeber die Kirchensteuer direkt ans Finanzamt ab. Und das leitet die Steuer (abzüglich einer kleinen Verwaltungsgebühr) an die entsprechende Kirche weiter. Kirchensteuer wird aber auch fällig bei Kapitalerträgen. Auch hier ist der Standard, dass die entsprechende Bank die Kirchensteuer ans Finanzamt abführt.

Wie hoch ist die Kirchensteuer und was ist Kirchgeld?

Die Höhe der Kirchensteuer bemisst sich an der Höhe der Einkommensteuer. Es sind fast überall 9 Prozent der Einkommensteuer, in Bayern und Baden-Württemberg sind es 8 Prozent.
Die Kirchenmitglieder in diesen beiden Bundesländern sollten sich aber nicht zu früh freuen: Denn dort gibt es zusätzlich das Kirchgeld, das jeder direkt an die Kirche zahlen muss, auch wieder abhängig vom Einkommen.

Und was ist mit dem besonderen Kirchgeld?

Nun, das betrifft nur Ehepaare, die eine gemeinsame Steuererklärung machen – und bei denen nur ein Ehepartner in der Kirche ist. Hintergrund: Wenn der gut verdienende Ehemann aus der Kirche austritt und nur die wenig verdienende Ehefrau drin bleibt, wäre normalerweise nur wenig Kirchensteuer fällig. Das würde auch so bleiben, wenn beide getrennte Steuererklärungen abgeben. Passiert aber in der Regel nicht, weil dann eine größere Steuerersparnis flöten gehen würde.
Aber es gibt ja das besondere Kirchgeld: Dabei wird das gemeinsame Einkommen der Eheleute betrachtet und vom Finanzamt das besondere Kirchgeld festgesetzt. Dagegen wurde zwar immer wieder geklagt, aber erfolglos. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte keine Bedenken.
Die einzige Möglichkeit, dem Ganzen zu entgehen, ist der Austritt beider Eheleute aus der Kirche.

Gute Nachrichten rund um die Kirchensteuer

Da gibt es wenigstens zwei. Erstens können etwas reichere Leute eine Kappung der Kirchensteuer beantragen. Dann wird nicht mehr ganz so viel Steuer fällig.
Viel interessanter ist – nicht ganz überraschend – die Steuererklärung. Denn Sie können die Kirchensteuer und gegebenenfalls auch das Kirchgeld als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Das betrifft allerdings nicht die Kirchensteuer, die bei Kapitalerträgen erhoben wird. Dort gibt es aber einen Abschlag auf die Kapitalertragsteuer für Leute, die Kirchensteuer zahlen.
Und zu guter Letzt: Haben Sie eine hohe Einmalzahlung erhalten, etwa eine Abfindung, wird auch darauf Kirchensteuer fällig. Dann können Sie beantragen, dass nur die Hälfte an Kirchensteuer zu zahlen ist.

Was bedeutet das konkret für mich?
Kirchensteuer wird in der Regel direkt vom Lohn abgezogen, sie lässt sich aber in der Steuererklärung als Sonderausgabe absetzen. Ehepaare können bei gemeinsamer Steuererklärung nicht bei der Kirchensteuer „tricksen“. Wenn einer nicht in der Kirche ist, wird einfach das besondere Kirchengeld erhoben.   

 

Mandy Pank Geschrieben von:
6 Kommentare

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Michael Piller sagt:

    Das besondere Kirchgeld gibt es nur bei der Enangelischen Kirche

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Guten Morgen,

    das besondere Kirchgeld wird in in glaubensverschiedener Ehe/Lebenspartnerschaft erhoben. Die Erhebung erfolgt durch alle evangelischen Landeskirchen, aber auch durch z.B. römisch-katholische sowie alt-katholische Bistümer.

  • Dirk sagt:

    Guten Tag,

    insgesamt gesehen, ist der Beitrag gut; allerdings in einem Punkt leider nicht ganz richtig.
    Die Aussage bezüglich dem besonderen Kirchgeld: „Die einzige Möglichkeit, dem Ganzen zu entgehen, ist der Austritt beider Eheleute aus der Kirche.“, stimmt so nicht.
    Ist ein Ehepartner aus der Kirche ausgetreten und der andere immer noch Mitglied, ist kein Kirchgeld fällig, wenn der ausgetretene Ehepartner Mitglied einer anerkannten Weltanschauungsgemeinschaft angehört, wie z.B. dem Bund für Geistesfreiheit. In meinem Fall, eine seit Jahren praktizierte Tatsache!

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Diese Aussage bezieht sich auf Kirchen, die über die Einkommensteuer Kirchensteuer erheben.

  • Thorsten Bellmann sagt:

    @Dirk
    Hallo, wie funktioniert das mit der Mitgliedschaft in einer anerkannten Wektanschauungsgemeinschaft?
    Viele Grüße

  • Manfred sagt:

    Hallo,
    wenn wir in Bayern „nur“ 8 % Kirchensteuer zahlen wäre das zusätzliche Kichgeld gerechtfertigt, finde ich.
    Warum gilt dies aber nur für evangelische Bürger. Noch kein Katholik aus meinem Bekanntenkreis hat bisher eine Zahlungsaufforderung erhalten.
    Widerspricht das nicht dem Gleichheitsgrundsatz?


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