09.11.2018 · smart steuern ·

7 oder 19 – das ist hier die Frage

Die meisten wissen es wohl: In Deutschland gibt es Dinge mit 19 und mit 7 Prozent Mehrwertsteuer. Und nicht immer ist es nachzuvollziehen, was wie besteuert wird. Hörgerät 7 – Brille 19 Prozent. Milch 7 – Sojamilch 19 Prozent. Tiernahrung 7 – Babynahrung 19 Prozent. Das lässt sich fortsetzen, wir wollen uns das heute aber mal genauer in der Gastro- und Hotelbranche anschauen.

Essen ist nicht gleich Essen

Wer in ein Restaurant geht, zahlt mit der Rechnung 19 Prozent Mehrwertsteuer. Wer sich schnell etwas vom Imbiss mitnimmt, kommt in den Genuss von 7 Prozent. Das ist schon nicht so gerecht, wie ich finde. Und der Hotel- und Gaststättenverband natürlich auch. Denn natürlich muss ein Restaurant Miete zahlen, Kellner und Köche bezahlen, Besteck und Geschirr haben und das alles auch noch abwaschen. Beim Imbiss ist das schon deutlich spartanischer – die Ausgaben sind geringer.
Selbst wenn man sagt, „OK, das ist eben so.“, lässt sich das Ganze noch toppen. Denn wer in einem Restaurant Essen zum Mitnehmen bestellt, findet auf der Rechnung 7 Prozent Steuer, wenn er im selben Restaurant gegessen hat, sind es 19 Prozent. Der Rechnungsbetrag ist aber der gleiche. Das heißt, am „To go“ verdient der Wirt deutlich mehr.

Schnellrestaurants sind auch Restaurants

Und wenn Sie jetzt argumentieren: „Aber so viele Restaurants, die Essen zum Mitnehmen anbieten, gibt es doch gar nicht.“, liegen Sie falsch. McDonalds & Co. etwa zählen zumindest steuertechnisch auch als Restaurants.
Beispiel gefällig: Sie bestellen für 16 Euro für zwei Personen. Wenn Sie alles mitnehmen – und danach werden Sie ja immer gefragt – stecken darin 1,05 Euro Steuer, das Schnellrestaurant hat 14,95 Euro netto eingenommen. Essen Sie im Haus, sind es schon 2,55 Euro an Steuern – netto bleiben dem Betreiber demnach 13,45 Euro. Das heißt ganz einfach, dass 1,50 Euro mehr bei McDonalds hängenbleiben – bei einer Bestellung von gerade mal 16 Euro. Und mehr Aufwand verursacht ein „To go“ ganz sicher auch nicht.
Da kommt schon einiges zusammen. Und wenn sich schon an den Steuern nichts drehen lässt, warum gibt es dann nicht unterschiedliche Preise für die beiden Varianten? Dann würde der „Mitnehmer“ immerhin auch profitieren.
Aber so oder so, es stellt sich schon die Frage, warum nicht einfach im Restaurant generell 7 Prozent Mehrwertsteuer erhoben werden. Würde ganz nebenbei den Restaurantbesuch auch ein bisschen günstiger machen. Und wie wir gleich sehen werden: Wo ein politischer Wille, da auch ein ganz praktischer Weg.

Im Hotel – 7 und 19 Prozent

Früher war es klar: Im Hotel sind 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Nun ja, es sei denn, Sie nehmen Ihr Essen aus dem Restaurant mit. Aber das hatten wir ja eben schon. Doch wo eine kräftige Lobby ist, da fand sich auch ein Weg. Und so sind seit 2010 für die Übernachtung im Hotel nur noch 7 Prozent Mehrwertsteuer im Preis enthalten. Die CDU/CSU/FDP-Koalition machte es möglich. Aber das nahezu obligatorische Frühstück – das hat weiterhin 19 Prozent. Denn wenn man das auch noch gesenkt hätte, wäre ja die berechtigte Frage: Warum nicht gleich in allen Restaurants? Nun ja, haben die Hotels mehr Arbeit als zuvor, denn auf der Rechnung müssen Übernachtung und Frühstück nun getrennt ausgewiesen werden.

Was bedeutet das konkret für mich?
Erstmal nicht viel, denn zahlen müssen Sie die Mehrwertsteuer ja in jedem Fall. Aber vielleicht denken Sie mal dran, wenn Sie wieder etwas zum Mitnehmen bestellen…

 

Juliane Bunte Geschrieben von:
3 Kommentare

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Sabine sagt:

    Hallo, tolles Thema!
    Dazu habe ich auch mal eine Frage:
    Düse Aufsplittung in 7 und 19 gibt es doch fast in jeder Berufsbranche. Wie sieht es z.B. bei der Physiotherapie aus? Es gibt physiotherapeutische Behandlungen und es gibt Massagetechniken, auch mit unterschiedlichen Mehrwertsteuer-Regelungen, wieso?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Im Umsatzsteuergesetzt ist geregelt welche Sachverhalte mit 7% vergünstigt besteuert werden. Dort sind auch Heilbäder genannt, wozu Heilmassen und Heilbehandlungen zählen.
    Reine Wellnessmassagen sind demnach nicht begünstigt und werden mit 19% besteuert.

  • Ivonne sagt:

    Hallo,
    wenn ich als Firma Marmelade z.B. aus Italien (EU) kaufe, wieviel MwSt zahle ich bzw. berechne ich dann beim Verkauf in Deutschland?

    Wird eine Tomate anders versteuert als eine Tomatensauce?

    Ich bin mitttlerweile völlig verwirrt…
    LG
    Ivonne


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