30.11.2018 · smart steuern ·

Kaum zu glauben – fünf Fälle aus dem neuen Schwarzbuch

Auch in diesem Jahr hat der Bund der Steuerzahler (BdSt) wieder sein fast schon legendäres Schwarzbuch herausgebracht. 109 neue Fälle von passierter und drohender  Steuerverschwendung listen die Macher auf. Ein Sonderkapitel widmet sich dem Thema „Explosion von Baukosten stoppen!“. Wir wollen Ihnen fünf besonders skurrile Fälle vorstellen.

Bevor wir dazu kommen, wollen wir auf unseren Artikel aus dem letzten Jahr zum Schwarzbuch verweisen. Damals wiesen wir auch darauf hin, dass die Arbeit des BdSt wichtig ist und schon viele Fälle von Steuerverschwendung aufgedeckt beziehungsweise verhindert hat. Wir merkten aber auch an, dass der BdSt durchaus manchmal etwas zu plakativ und reißerisch vorgeht.

Doch nun zu unseren fünf persönlichen Favoriten:

Top 5: Hühott mit dem Zebrastreifen

Tatort Celle Neumarkt. Ein Kreisverkehr mit Zebrastreifen sollte allen Verkehrsteilnehmern Verbesserungen bringen. Aber: Zebrastreifen geben nicht überraschend Fußgängern den Vorrang. Mit der Folge, dass der Kreisel zur großen Staufalle für Autos wurde. Da war guter Rat teuer, denn einfach alles wieder rückgängig machen ging auch nicht. Die Stadt hätte Fördergelder zurückzahlen müssen.
Kreative Lösung: Zebrastreifen mit Zäunen erst absperren und schließlich zur Sicherheit „vorübergehend“ abfräsen. Das kostete 5.700 Euro. War aber auch etwas kurzsichtig, denn die Fördergelder wären bei dauerhaftem Wegbleiben der Zebrastreifen auch futsch. So kündigte die Stadt an, dass die Streifen wieder neu gemacht werden. Beim ersten Mal kostete das 12.800 Euro.

Top 4: Sicher ist sicher bei den gefährlichen Wölfen

Der Wolf ist zurück. Zumindest in Deutschland. Auch im Raum Hannover. So schrecklich viele Tiere sind es zwar noch nicht, aber man weiß ja nie. Zumindest ist die Region Hannover jetzt gut aufgestellt. Denn wird ein Wolf bei einem Verkehrsunfall verletzt, gibt es hier einen speziellen Anhänger zum Abtransport des verletzten Tieres. Aus einem Hundeanhänger wurde deshalb ein Krankenwagen für Wölfe. Mit allem Pipapo von wildtiersicheren Innenwänden über ein Transportbrett mit Fixiergurten bis hin zur Heizdecke. Knapp 11.000 Euro zahlten die Steuerzahler dafür.
Das Problem: In der Region und den Nachbarkreisen wurde das Gefährt nicht gebraucht. Es gab zwar zwei Unfälle mit Wölfen, doch die waren sofort tot. Zufall? Nun ja, man hätte es schon vorher ahnen können. In den Zeiten vor dem Super-Rettungswagen für Wölfe gab es in der Gegend exakt einen Unfall mit einem Wolf. Und der endete ebenfalls tödlich für das Tier.

Top 3: Bauen und die Kosten – Preisexplosion inklusive

Der Berliner Flughafen, die Elbphilharmonie und Stuttgart 21 sind wohl die prominentesten und teuersten Steuergräber bei Bauvorhaben. Doch auch kleinere Projekte laufen schnell mal finanziell aus dem Ruder, wie die Sanierung der Schule im thüringischen Triptis belegt. Der Grundschulteil der in der DDR gebauten Schule sollte energetisch und brandschutztechnisch auf den neuesten Stand gebracht werden.
Eigentlich ein Standard, der laut erster Kostenschätzung 1,58 Millionen Euro kosten sollte. Dann wurde genauer geplant – und schon stiegen die erwarteten Kosten auf 2,2 Millionen Euro. Während der Bauarbeiten tauchten verschiedene Probleme auf, alles dauerte natürlich dadurch länger – die Kosten beliefen sich dann auf 3,34 Millionen Euro. Immerhin konnten die Schüler zum Schuljahresbeginn 2018/19 in ihre Schule zurückkehren. Da waren Fassade und Außenanlagen aber noch nicht fertig.

Top 2: Reinfall Fußball-WM

Ich hatte im Freundeskreis gesagt, dass ich nie wieder über diese trostlose Fußball-WM reden würde. Nun ja, jetzt muss ich drüber schreiben. Das Bundesumweltministerium ließ im Vorfeld der WM eine App entwickeln. Mit „Green Public Viewing“ sollten Fans schnell und einfach die besten umweltfreundlichen Verbindungen (öffentliche Verkehrsmittel, Rad, zu Fuß) zum nächsten Public-Viewing-Standort finden. Über 500 solcher Standorte listete die App auf, in 84 Städten. Nun, was soll ich sagen. Die App war ungefähr so erfolgreich wie die deutsche Nationalmannschaft. 1.400 Nutzer wurden gezählt, 3.400 Aufrufe gab es. Vielleicht wären es ja ein paar mehr geworden, wenn die deutsche Mannschaft… ach lassen wir das. Die Kosten sollen übrigens bei 130.000 Euro gelegen haben.

Top 1: Ach ist der Rasen schön grün

Zehn Jahre spielte der FC Rot-Weiß-Erfurt in der dritten Liga. Das Ziel war immer der Aufstieg, doch in der letzten Saison stand die Insolvenz und der Abstieg in Liga 4. Dort wird die tolle Rasenheizung im Steigerwaldstadion wohl auch nicht mehr gebraucht. Wie in den Jahren zuvor. Was war passiert? 2009 wurde die Idee der Rasenheizung akut, betrieben werden sollte sie mit der Abwärme der benachbarten Eissporthalle.
Die Stadt zahlte schließlich knapp 900.000 Euro, damit die schon damals chronisch klammen Rot-Weißen auch im Winter im Grünen spielen konnten. Für die angepeilte 2. Liga (die ja nie erreicht wurde) wäre die Rasenheizung ohnehin Pflicht gewesen. Die Stadt Erfurt dachte, sie sei clever. Und wollte vom Fußballverein 3.000 Euro pro Heimspiel extra. Doch lange Rede, kurzer Sinn. Keinen Cent gab es vom Verein. Und weil der immer weniger Geld hatte, blieb die Rasenheizung einfach aus. Der Betrieb sei zu teuer. Wenn es also schneite, fiel das Spiel wie früher aus. Achso, seit 2010 liefen nochmals knapp 100.000 Euro auf an Kosten, für Zinsen und Wartung.
Summa summarum eine knappe Million Euro Steuergelder für eine Rasenheizung, die nie in Betrieb war. Ein ambitionierter Verein, der von der angepeilten 2. Liga Lichtjahre entfernt ist und stattdessen in der 4. Liga rum dümpelt. Immerhin mit Rasenheizung…

Wenn Sie noch mehr lesen wollen: Sie können das Schwarzbuch hier bestellen (kostenlos) oder auf der Webseite in aktuellen Fällen stöbern.

   

Stefan Heine Geschrieben von:
2 Kommentare

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Peter Enders sagt:

    Ja, auch der Steuerzahler hat die Politiker, die er gewählt hat.

  • Henric sagt:

    Lächerlich die 11 TEUR hier aufzuführen, wo an anderer Stelle Millionen verschwendet werden. Wenn auch nur ein Wolf (oder ein anderes Tier) damit gerettet werden kann, hat sich die Investition schon gelohnt. Im Übrigen, ein vollausgestatteter Rettungswagen kostet über 200 TEUR, aber Tiere sind in unserer Gesellschaft anscheinend nicht mal 1/20 wert.


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