04.12.2018 · smart steuern ·

Sie können es nicht lassen – Steuerräuber mit neuer Masche „Cum-Fake“

Meist geht es hier im Blog um ganz praktische Dinge rund um die Steuererklärung. Seltener um andere Themen wie etwa die große (Steuer-) Politik. Und ganz, ganz selten gibt es hier einen richtigen Krimi. Keinen ausgedachten, sondern so etwas wie einen Dokumentar-Krimi. Heute gibt es nun einen neuen Fall unter dem Titel: „Vergesst Cum-Ex und Cum-Cum, jetzt kommt Cum-Fake“. Worum es da geht, wer die Darsteller sind und wie man den mutmaßlichen Tätern auf die Spur kam – Sie lesen es hier.

Das Phantom der Aktien

Es waren Begriffe wie aus einer anderen Welt. Cum-Ex und Cum-Cum standen und stehen für den größten Steuerbetrug aller Zeiten. Um mehr als 30 Milliarden Euro soll damit der deutsche Staat  – und damit auch die deutschen Steuerzahler betrogen worden sein. Alle Schlupflöcher wurden aber mittlerweile gestopft. Nun ja, offenbar doch nicht so ganz…
Denn kriminelle Finanzjongleure haben ein neues gefunden. Und weil es dabei um Aktien geht, die nicht mal existieren, spricht man jetzt von Cum-Fake und Phantomaktien.

Alte Masche in neuem Gewand

Wir versuchen es an dieser Stelle so kurz und einfach zu machen wie möglich. Wie bei Cum-Ex und Cum-Cum spielt auch bei Cum-Fake der Dividenden-Stichtag die entscheidende Rolle. Auf Dividenden wird in der Regel Kapitalertragsteuer fällig, die sich aber viele Anleger vom deutschen Staat zurückholen können. Bei Cum-Ex geschah das dann über Tricks gleich mehrfach. Bei Cum-Cum halfen deutsche Firmen ausländischen, dass diese die Steuer nicht zahlen mussten.
Und bei Cum-Fake? Das setzt dem ganzen die Krone auf. Denn hier sollen sich Banken und Aktienhändler Steuern von Aktien zurückgeholt haben, die nie wirklich existierten. Gibt’s ja nicht, sagen Sie jetzt vielleicht. Doch, halte ich dagegen, der kriminellen Fantasie einiger Banker sind keine Grenzen gesetzt.

So lief der Deal mit den Phantomaktien

Auch hier wieder eine Kurzfassung: Es geht um „American Depositary Receipts“ (ADR – nicht zu verwechseln mit ARD). Dahinter verbergen sich Papiere, die von Banken ausgestellt und in den USA stellvertretend für ausländische Aktien gehandelt werden. Das ist manchmal ganz praktisch, vereinfacht Abläufe und spart unter Umständen sogar Geld. Eigentlich logisch: Ein ADR kann es nur geben, wenn es eine Aktie (oder einen Anteil davon) gibt, für die sie sozusagen stellvertretend ausgestellt wurde.
Aber – und jetzt kommt der Trick: Banken und Aktienhändler sollen jahrelang ADR ausgestellt haben, obwohl es keine dahinter liegende Aktie gab. Das heißt dann „Vorab-ADR“. Wäre ja alles nicht schlimm, könnte man meinen. Aber: Die Inhaber dieser ADR sollen sich dann außerhalb der USA Steuererstattungen geholt haben – für angeblich geleistete Steuern auf Dividenden. Der Hammer! Da bekommt jemand eine Steuererstattung für etwas, das er weder gezahlt hatte (die Steuer auf die Dividende) noch überhaupt hatte – also die eigentliche Aktie. Den Gewinn – also auch von unserem deutschen Steuergeld – sollen sich Banker, Aktienhändler und Finanzinvestoren geteilt haben. Eigentlich kaum zu glauben. Aber es muss funktioniert haben.

Was gibt es für Beweise?

In den USA ist die Finanzaufsicht SEC den ADR schon länger auf der Spur und hat mit dafür gesorgt, dass bisher schon über 173 Millionen Dollar an Strafen und Rückzahlungen geleistet werden mussten. Die Ermittlungen sind aber längst noch nicht abgeschlossen. Die US-Tochter der Deutschen Bank hat einem Vergleich in Höhe von 75 Millionen Dollar zugestimmt.
Jetzt scheint ADR zudem endgültig in Deutschland angekommen zu sein. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen mehrere Mitarbeiter einer Bank in Deutschland wegen des Verdachts auf Steuervergehen bei Aktiengeschäften mit speziellen Papieren. Beim Schaden für den deutschen Steuerzahler ist die Rede von einem dreistelligen Millionenbeitrag.
Wenn sich der Verdacht der Staatsanwaltschaft bestätigen sollte, stellt sich die Frage, warum das mal wieder niemandem aufgefallen ist? Insider sprechen davon, dass sich in Deutschland echte und unechte ADR nicht unterscheiden ließen. Wäre schon mal nicht schlecht, das wenigstens zu wissen. Hinzu kam offenbar ein digitales Verfahren, mit dem sich die (nie gezahlte) Steuer sehr einfach erstatten ließ. Das hat das Bundesfinanzministerium immerhin sofort nach Bekanntwerden der Ermittlungen gestoppt.
Wir sind jedenfalls gespannt darauf, was da in den nächsten Tagen und Wochen noch ans Tageslicht kommen wird. Und irgendwie beschleicht uns das ungute Gefühl, dass da bestimmt schon wieder eine neue Betrugsmasche am Start ist – von der wir dann in ein paar Jahren schreiben werden…

 

Mandy Pank Geschrieben von:
ein Kommentar

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Herbert Wendland sagt:

    Sachlich ok. Aber mir gefällt die Wortwahl für diese „Schweinerei“ nicht.
    Das ist keine Erstattung, sondern schlichtweg Betrug und digitaler Raub.
    Es wird Zeit, dass wir in Deutschland wieder eine sachbezogene und sachgerechte Ausdrucksweise gebrauchen.


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