12.04.2019 · smart steuern ·

Würden Sie freiwillig mehr Steuern zahlen?

Was für eine Frage. Natürlich nicht. Oder kennen Sie da jemanden? Aber, manchmal geschehen dann doch die berühmten Zeichen und Wunder. Ausgerechnet eine der großen Tech-Firmen will nahezu freiwillig mehr Steuern zahlen. Und die sind ja sonst eher dafür bekannt, Steuern zu vermeiden, wo es nur geht. Warum Microsoft, um die geht es hier, das tut, Sie erfahren es in diesem Blogbeitrag.

Keine Neiddebatte bitte

Bevor es gleich über den großen Teich in die USA geht, noch ein paar Dinge vorab. Wir als „einfache“ Steuerzahler neigen ja dazu, die da oben (in Politik oder Reichtum) zu verdammen. „Geld regiert die Welt“, heißt es da schnell. Oder: „Der einfache Mann muss immer seine Steuern zahlen, während die Reichen alle Tricks nutzen, um am besten nichts zu bezahlen.“ Dazu habe ich zwei Sachen:

  • Ganz so leicht haben es die Reichen auch nicht mehr bei der Steuer, Stichwort Steuer-CDs und schwarze Konten im Ausland. Und, manchmal gibt es auch Reiche, die freiwillig mehr Steuern zahlen würden. Der SAP-Gründer und Milliardär Dietmar Hopp (für Fußballfreunde: das ist der von Hoffenheim) verkündete vor kurzem in einem Interview, dass er auch 80 Prozent Reichensteuer zahlen würde – und trotzdem nicht ins Ausland ziehen würde. Der Grund sei Heimatliebe. Allerdings kennt er offenbar seine reichen „Kollegen“. Die würden in einem solchen Fall sicher Deutschland verlassen.
  • Der zweite Gedanke ist ein ganz praktischer: Sie können natürlich über unsere Eliten meckern – oder sie nehmen die Dinge selbst in die Hand – und holen sich wenigstens das Geld vom Staat zurück, das Ihnen zusteht. Wenn Sie jetzt gerade auf der langen Leitung stehen sollten: Machen Sie einfach Ihre Steuererklärung! Bei uns heißt das ganze übrigens #machenstattmeckern – mehr dazu in diesem Blogartikel.

 

67 Prozent mehr – aber nicht ganz uneigennützig

Worum geht es bei Microsoft? Der Bundesstaat Washington im Nordwesten der USA (dort hat Microsoft in Redmond seinen Firmensitz) plant ein Gesetz, das höhere Steuern für Bildungsinitiativen in der Technologie-Branche bereitstellt. Microsoft begrüßt die Initiativen natürlich, denn das kommt dem Unternehmen zugute. Aber das vor allem mit Windows und Office bekannte Unternehmen verfällt nicht zugleich ins Jammern über die unmenschlichen Belastungen, die man damit Firmen aufbürden würde.
Im Gegenteil: In einem Beitrag in der örtlichen Seattle Times betonte Brad Smith, Microsoft Präsident und Chief Legal Officer, dass die großen Technologiefirmen im Bundesstaat ein bisschen mehr tun sollten. Von 67 Prozent mehr an Steuern ist die Rede – allerdings nur die für den Bundesstaat.

Klingt doch gut – und ist es ja auch. Aber natürlich sind da auch Hintergedanken. Erstens versucht sich Microsoft in ein besseres Licht zu stellen. Denn auch in den USA stehen die Tech-Firmen wegen ihrer Steuersparmodelle in der Kritik. Zweitens macht die Firma damit auch ein bisschen Schönwetter bei den Behörden, die sicher auch immer wieder lukrative Aufträge zu vergeben haben.
Noch interessanter ist aber der dritte Aspekt: Microsoft sagt ja nicht, dass nur sie selbst höhere Steuern zahlen. Sie sprechen stattdessen davon, dass die ganz großen Tech-Firmen im Bundesstaat ihren Beitrag leisten sollten. Nun, in Washington gibt es eigentlich nur noch eine andere Riesenfirma. Die heißt Amazon. Und schon ist der Konkurrent (beide verdienen Teile ihres Gelds im „Cloud“-Geschäft) unter Zugzwang – und steht sogar ein bisschen blamiert da, wenn nichts von Amazon kommt.

Fazit: Obwohl Microsofts Vorstoß nicht ganz uneigennützig ist, ist es unserer Meinung nach ein kleiner Schritt in Sachen Steuergerechtigkeit.

 


Mandy Pank Geschrieben von:

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