07.06.2019 · smart steuern ·

Kerosinsteuer im Anflug

Na, haben Sie Ihre Flüge in den Sommerurlaub schon gebucht? Freuen Sie sich drüber, denn so wie es aussieht, dürfte Fliegen in absehbarer Zeit teurer werden. Das für Vielflieger – aber auch andere – bedrohliche Wort „Kerosinsteuer“ ist derzeit in wirklich fast aller Munde. Und dazu passen dann auch noch Studien, die genau vorrechnen, was eine solche Kerosinsteuer bringen würde – und was nicht.
Wir geben Ihnen in diesem Blogbeitrag mal die wichtigsten Fakten zum Mitreden in die Hand.

Bevor wir zu diesen Fakten kommen, ein paar Gedanken vorab. Fliegen ist immer noch recht preiswert, obwohl es nicht gerade die umweltfreundlichste Fortbewegungsart ist. Und klar, es gibt Fernziele, die lassen sich kaum anders erreichen. Aber wer heutzutage immer noch von Berlin nach München fliegt, sagen wir es klar und deutlich, hat den Schuss wohl noch nicht richtig gehört. Das geht mit der Bahn in einer ähnlichen Zeit, wenn man die Lage der Flughäfen und Bahnhöfe in den beiden Städten in die Berechnung einbezieht.
Immerhin: Die Strecke Berlin – Nürnberg (nicht so weit weg von München) wird ab Mitte Juni von Eurowings (Lufthansa-Tochter) nicht mehr geflogen. Bisher gab es 24 Flüge in der Woche.
Was ich sagen will: Natürlich braucht es auch immer akzeptable Alternativen. Doch jeder sollte mal in sich gehen, wo er auf Flüge verzichten kann.

Grünes Thema – mittlerweile in vielen Parteien salonfähig

Es ist tatsächlich schon merkwürdig, dass eigentlich fast alles im Leben besteuert wird – aber ausgerechnet Kerosin nicht. Zumindest in Deutschland nicht und auch vielen anderen Ländern. Bei uns gibt es „immerhin“ schon die „Luftverkehrsabgabe“, die auf den Ticketpreis aufgeschlagen wird. Es gibt drei Kategorien, 7,38 Euro, 23,05 Euro und 41,49 Euro, je nach Entfernung.
Aber insgesamt sieht es in der EU echt mau aus. Stattdessen gibt es selbst in den USA, Kanada und Japan eine Kerosinsteuer – wenigstens für Inlandsflüge.

  • Nun ja, so langsam sickert dieser Gedanke aber auch in der Politik durch. So betonten im Vorfeld der Europawahl die Spitzenkandidaten der EVP (dazu gehören auch CDU/CSU aus Deutschland) und der Sozialdemokraten, dass sie für eine Besteuerung von Kerosin sind.
  • Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte eine europaweite und „möglichst weltweit verabredete“ Kerosinsteuer.
  • Und in Deutschland: Ganz klar, in Deutschland sind die Grünen und die SPD dafür, die FDP in Form des Parteichefs Christian Lindner dagegen. Und CDU/CSU? Die Union hielt sich da bisher eher raus. Jetzt sollen aber laut Spiegel Online „Möglichkeiten effektiver Steuerung und das Setzen von Anreizen durch Instrumente wie die Aufhebung der Steuerbefreiung von Flugbenzin und eine Luftverkehrssteuer geprüft werden“. Ganz ehrlich, das klingt mal wieder eher nach „Das Thema schieben wir mal ein paar Jahre nach hinten, erstmal prüfen…“

EU-Studie geleakt

Kein Schreibfehler, geleakt meint, dass eine Studie der EU zum Thema an die Öffentlichkeit gelangt ist, was sie zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht sollte. Und wenn alles stimmt, was da drin steht, dann könnte die Prüfphase für CDU/CSU ganz schnell vorbei sein. Denn akribisch wird darin aufgelistet, wie viel das kosten würde – und auch, dass das nicht der Untergang des Abendlandes wäre. Die Auswirkungen auf Beschäftigung und Wirtschaftsleistung wären vernachlässigbar, heißt es in der Studie.
Die Macher der Studie sind dabei von einer Kerosinsteuer von 0,33 Euro pro Liter ausgegangen. Dann würden Tickets in der EU im Schnitt 10 Prozent teurer. Es würde jeweils 11 Prozent weniger Flüge, Passagiere und CO2-Emission geben. Die Steuereinnahmen taxieren die Forscher mit knapp 27 Milliarden Euro. Und wie gesagt: Wirtschaftliche Auswirkungen – keine. Aber dafür bis zu 16,4 Millionen Tonnen weniger an CO2. Klingt jetzt nicht so schlecht.

Mehr dazu finden Sie auf der Seite des Umweltverbands „Transport & Environment“, der die Dokumente veröffentlicht hat.

In Deutschland wären es sogar 12 Prozent weniger CO2, das wären jährlich 3,1 Millionen Tonnen. Und damit Sie eine Vorstellung haben, was das bedeutet: Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sagt, dass das dem Schadstoffausstoß von 1,5 Millionen Autos entspricht.

Wer jetzt mit dem „Argument“ kommt, dass der Anteil des Flugverkehrs an den weltweiten CO2-Emissionen nur 2,7 Prozent beträgt, und dass es deshalb ja egal wäre, der sollte sein „Argument“ überdenken. Denn klar ist, dass es bei weitem nicht nur um das Fliegen geht, sondern auch um viele anderen Quellen. Doch nur, weil der Anteil insgesamt recht klein ist, heißt das nicht, dass man ihn nicht trotzdem verringern könnte. Ach ja, Experten schätzen den Anteil des Flugverkehrs am Klimawandel sogar auf 5 Prozent…

Was denken Sie: Soll die Kerosinsteuer kommen? Was spricht Ihrer Meinung nach dafür und was dagegen? Schreiben Sie einfach einen Kommentar.

 


Mandy Pank Geschrieben von:

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Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Hope sagt:

    Hallo,

    ich fände es gar nicht so schlimm. Aber gerade in Deutschland sind wie immer gut neue Steuern einzuführen ohne alte Dinge dafür weh zu lassen. Siehe Maut für Fahrzeuge, aber die Fahrzeugsteuer bleibt. Wenn also Kerosin als Steuer auf die Tickets umgelegt wird müsste die Luftverkehrsabgabe fallen.


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