06.09.2019 · smart steuern ·

Steuerklassen – das müssen Sie wissen

Klasse sind Steuern ja meistens nicht. Aber mit Steuerklassen hat wohl fast jeder zu tun, der arbeitet. Die gibt es übrigens von Steuerklasse 1 bis zur Steuerklasse 6. Doch welche ist die richtige für Sie? Was bedeuten diese Lohnsteuerklassen steuerlich? Welche Besonderheiten gibt es bei Ehepaaren, was ist Steuerklasse 4 mit Faktor? Wie sieht es bei Mini- und Midijobs aus? Viele Fragen – die Antworten gibt es wie gewohnt leicht verständlich hier bei uns im Blog von smartsteuer.

Steuerklassen: von 1 bis 6 – das macht dann 7

Vielleicht fragen Sie sich, warum es eigentlich verschiedene Steuerklassen gibt. Wie Sie gleich sehen werden, greifen die verschiedenen Steuerklassen für verschiedene Lebens- und/oder Beschäftigungsverhältnisse. Wichtig: Die Steuerklasse definiert, wie viel Lohnsteuer Sie jeden Monat zahlen müssen. Es gibt dann jeweils verschiedene Grenzen, ab denen tatsächlich Steuern fällig werden.
Damit ist auch klar, dass Steuerklassen für Selbstständige keine Rolle spielen. Man hat einfach über die Jahre aus dem klareren Begriff Lohnsteuerklassen das kürzere Wort Steuerklassen gemacht. Jetzt aber los zu den sieben Steuerklassen. Ja, Sie haben richtig gelesen, es sind wirklich sieben. Der Grund: neben den sechs Steuerklassen von 1 bis 6 (oder I bis VI) gibt es noch die Steuerklasse 4 mit Faktor…

Steuerklasse 1 – der Klassiker für Singles

Hier können wir es kurz machen: Wer ledig, verwitwet oder geschieden ist, kommt als Arbeitnehmer in Steuerklasse 1. Im Jahr 2019 beginnt die Steueruhr hier ab rund 1.050 Euro brutto monatlich zu ticken. 

Steuerklasse 2 – für Alleinerziehende

Wie die Überschrift schon sagt, hier fallen Alleinerziehende rein. Aber, und das ist wichtig, das geht nicht automatisch. Um den sogenannten Entlastungsbetrag für Alleinerziehende tatsächlich jeden Monat auf der Lohnabrechnung in Anspruch nehmen zu können, muss ein Antrag her.
Sie finden das entsprechende Dokument im Internet. Klicken Sie links oben auf „Formularcenter“ und geben Sie danach oben rechts den Suchbegriff „Entlastungsbetrag“ ein. (Das Formular „Versicherungserklärung zum Entlastungsbetrag“ ist das Richtige.) Senden Sie schließlich das ausgefüllte Formular an Ihr Finanzamt. Der Entlastungsbetrag beträgt derzeit bei einem Kind 1.908 Euro im Jahr und erhöht sich pro weiterem Kind um 240 Euro. Die Folge: Steuern werden hier im Jahr 2019 erst ab rund 1.250 Euro brutto monatlich fällig.
Wenn Sie alleinerziehend sind und mehr wissen wollen, dann schauen Sie bitte in diesen Blogbeitrag rein. 

Steuerklasse 3 – Verheiratet und ein(e) Schwerverdiener(in)

Jetzt kommen wir schon zu den Steuerklassen, die nur für Ehepaare greifen. Dazu gehören die Steuerklassen 3, 4, 4 mit Faktor und 5. Die einfache Regel hier: Die Summe der Steuerklassen der Eheleute muss 8 betragen. Es gibt also die Möglichkeiten „3 und 5“, „4 und 4“ sowie „4 mit Faktor und 4 mit Faktor“.
Steuerklasse 3 empfiehlt sich, wenn eine Person sehr viel verdient – und die andere wenig. Beim Besserverdiener fällt erst ab einem monatlichen Brutto von 2.000 Euro Lohnsteuer an. Das sorgt natürlich für ein deutlich höheres Netto als in anderen Steuerklassen. Sie ahnen es schon, bei Klasse 5 sieht es dann entsprechend schlechter aus. Dazu weiter unten mehr. Wichtig: Verheiratete müssen in diesem Fall eine Steuererklärung abgeben. Und: Die Steuerklasse 3 muss ebenfalls beantragt werden, ebenfalls hier und dort im „Formularcenter“ den Suchbegriff „Steuerklassenwechsel“ eintippen. 

Steuerklasse 4: Verheiratet und der Standardfall

Wer heiratet und nichts macht, landet automatisch in Steuerklasse 4. Und zwar beide. Wenn die Eheleute ein ähnliches Gehalt haben, müssen diese auch nichts ändern. Die Steuerklasse 4 hat die gleichen Steuersätze wie die 1, also fällt (2019) ersten ab 1.050 Euro brutto im Monat Lohnsteuer an. Eine Pflicht zur Steuererklärung besteht bei der 4/4-Kombi übrigens nicht. Empfehlenswert ist die Steuererklärung aber auch für sie.

Steuerklasse 4 mit Faktor: Verheiratet mit fairem Ausgleich

Auch hier werden wie bei der 3/5-Kombi die unterschiedlich hohen Einkommen berücksichtigt. Aber eben fairer als bei 3/5. Hier ermittelt das Finanzamt für beide Eheleute anhand ihres erwarteten Einkommens einen Faktor. Danach werden die Gehälter entsprechend versteuert.
Der Vorteil hier: Die Person, die weniger verdient, hat in der Regel mehr Netto, als in der 3/5 – Kombi. Zudem muss am Jahresende kaum was nachgezahlt werden, der Faktor sorgt dafür.
Der Nachteil: Insgesamt zahlen die Eheleute jeden Monat mehr Steuern als in der 3/5 . Aber psychologisch ist die Faktorlösung dann doch besser, weil eben auch der geringer verdienende Teil mehr Netto hat und nicht ganz so schlecht da steht. Zudem muss bei 3/5 oft über die Steuererklärung nachgezahlt werden. Steuerklasse 4 mit Faktor muss wie bei der Steuerklasse 3 beantragt werden. Auch eine Steuererklärung ist verpflichtend.

Steuerklasse 5: Verheiratet und Geringverdiener

Wir haben es ja eben schon öfter erwähnt, dass die Steuerklasse 5 erhebliche Abzüge hat. Hier liegt die magische, monatliche Grenze um die 100 Euro brutto, danach schlagen die Steuern schon zu. Wie schon gesagt: Bei einer 3/5 Kombi haben die Eheleute das bestmögliche Netto im Monat zur Verfügung. Allerdings kann es dann oft passieren, dass am Jahresende Steuern nachgezahlt werden müssen. Und die Steuererklärung ist auch hier Pflicht.

Steuerklasse 6: Zweitjob

Wenn Sie einen zweiten steuerpflichtigen Job antreten, ist das steuerlich bitter. Denn in der dazu nötigen Steuerklasse 6 müssen Sie jeden einzelnen Cent versteuern. Die gute Nachricht: Sie können in der Regel dann mit einer Steuererstattung rechnen – über die Steuererklärung, die Sie auf jeden Fall machen müssen, sobald Steuerklasse 6 ins Spiel kommt.
Damit wird auch klar, dass es immer besser ist, einen Vollzeitjob in Steuerklasse 1 zu haben – als zwei Teilzeitjobs in Steuerklasse 1 und 6. Denn so hat man ein höheres monatliches Netto. Wenngleich man sich das Geld im anderen Fall ja auch immer über die Steuererklärung zurückholen kann. Aber das ist erst im darauffolgenden Jahr. Da ist es doch besser, das Geld gleich zu haben.

Mehr zu den Steuerklassen 1 bis 6 erfahren Sie in diesem Video:

Selber durchrechnen – mit dem Steuerklassenrechner

Nach all der grauen Theorie über Lohnsteuerklassen nun noch was Praktisches. Wir von smartsteuer bieten Ihnen einen Steuerklassenrechner für die optimale Kombination der Steuerklassen bei Ehepaaren und einen Lohnrechner, der Ihnen genau zeigt, wie viel Netto vom Brutto bleibt.
Den Steuerklassenrechner für Ehepaare finden Sie unter diesem Link. Der Lohnrechner ist ebenfalls nur einen Klick entfernt.

Steuerklassen bei Mini- und Midijobs

Immer mehr Deutsche verdienen ihr Geld mit Mini- und Midijobs.
Minijobs sind die sogenannten 450-Euro-Jobs. Bei denen braucht es in der Regel keine Steuerklasse, weil, tata, diese pauschal besteuert werden und der Arbeitgeber die Kosten trägt. Wenn Sie es wünschen, können Sie aber auch bei einem Minijob auf Steuerklasse arbeiten, aber warum sollten Sie das tun?
Midijobs sind solche, bei denen man mehr als 450 Euro, aber höchstens 1.300 Euro verdient. Der Vorteil hier liegt nicht bei der Steuer, sondern bei den Sozialversicherungsbeiträgen. Die müssen Sie nur anteilig bezahlen. Wenig, wenn Sie knapp über 450 Euro liegen – und fast die vollen Sätze bei knapp 1.300 Euro. Trotz anteiliger Beiträge bekommen Sie die vollen Ansprüche für die Rentenversicherung. Steuerlich werden Sie aber genauso behandelt wie bei einem Job mit einem höheren Einkommen. Immerhin: Bei 1.300 Euro ist die Steuerlast – außer bei Steuerklasse 5 und 6 recht gering:

Steuerklasse 1 – rund 33 Euro
Steuerklasse 2 – rund 6 Euro
Steuerklasse 3 – 0 Euro
Steuerklasse 4 – rund 33 Euro
Steuerklasse 5 – rund 157 Euro
Steuerklasse 6 – rund 194 Euro

Was bedeutet das konkret für mich?
Wer nicht verheiratet ist, landet in Steuerklasse 1, als Alleinerziehende(r) auf Antrag in der günstigeren Steuerklasse 2. Ein Zweitjob führt Sie zu Steuerklasse 6.
Verheiratete können zwischen den Steuerklassen 4 & 4, 3 & 5 und 4 & 4 mit Faktor wählen.

Stefan Heine Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Heruth sagt:

    Guten Tag,
    wir sind verheiratet und mein Mann ist arbeitslos und geht ab nächstem Jahr ca. August in Rente.
    Ich verdiene ca. 700 Euro brutto im Monat und bin in der Steuerklasse 3.
    Was raten Sie uns für eine Steuerklasse ab nächstem Jahr.
    Gruß Heike Heruth

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Auf eine persönliche Rückfrage möchte ich ergänzen, dass auch außersteuerliche Motive bei der Steuerklassenwahl berücksichtigt werden sollten. In diesem Beitrag hatten wir einen guten Überblick gegeben:

    https://www.smartsteuer.de/blog/2014/11/13/steuerklasse-jetzt-noch-optimieren/

  • Avatar Kristina sagt:

    Hallo, 3/5 – das haben mein Mann und ich hinter uns.
    Aber was ist denn mit der Vertsteuerung wenn mein Mann Rentner und ich Pensionärin sind? Da ich meine Pension vollständig versteuern muss und mein Mann seine Rente anteilig haben wir von 3/5 aus dem Arbeitsleben in 4/4 als Rentner/Pensionärin gewechselt. Noch nicht mal das Finanzamt konnte mir genau sagen, ob das günstig ist oder ob wir nachzahlen müssen. Es wurde mir gesagt, dass es n i c h t möglich ist, vorauszusagen, was ein Rentner in dem Steuerjahr zu zahlen hat, obwohl es ja die entsprechenden Tabellen gibt. Ich beziehe einen Teil Rente und einen Teil Pension. Bitte stellen Sie auch einen Steuerrechner für Ehepaare ein, vielen Dank!

  • Avatar Kristina sagt:

    Korrektur, es muss im letzten Satz natürlich heißen: Bitte stellen Sie auch einen Steuerrechner für RentnerEhepaare ein, vielen Dank!

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Guten Tag,
    am einfachsten können Sie Ihre Situation mit einem Steuerklassenrechner prüfen.
    Dann können Sie Ihre Situation genau darstellen.


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