18.10.2019 · smart steuern ·

Die Datensammler vom Fiskus

Jede Medaille hat bekanntlich ihre zwei Seiten. Natürlich ist es einerseits von Vorteil, wenn Sie mittlerweile viele Daten für die Steuererklärung einfach online vom Finanzamt abrufen können. Diese sogenannte vorausgefüllte Steuererklärung (VaSt) spart Arbeit. Auf der anderen Seite heißt das aber auch, dass die Finanzbehörden schon so einiges an Daten von Ihnen haben. Und glauben Sie mir, es ist mehr, als Sie sich vermutlich vorstellen können. Getreu dem Motto: „Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser!“

Von der Wiege bis zur Bahre

Klar haben die Finanzbehörden auch schon früher einiges über Sie gewusst. Aber so richtig Fahrt aufgenommen hat die Datensammelei mit der Einführung der „steuerlichen Identifikationsnummer“ im Jahr 2007. Jeder, der damals schon gelebt hat, hat sie dann 2008 per Post bekommen. Alle danach auf die Welt gekommenen erhielten beziehungsweise erhalten sie mit der Geburt. Die Steueridentifikationsnummer ist eine elfstellige Zahl und wird auch Steuer-ID genannt. Sie gilt ein Leben lang – und sogar darüber hinaus. Erst 20 Jahre nach dem Tod müssen alle Daten im Zusammenhang mit der Steuer-ID gelöscht sein.

Die Folge: Der Fiskus bekommt viel mehr mit. Die Hoffnung, dass die Finanzbehörden irgendwelche Geldflüsse nicht bemerken, ist dadurch viel geringer geworden. Denn an vielen Stellen müssen wir alle neben unseren „klassischen“ Daten auch die Steuer-ID angeben. 

Das Finanzamt speichert unser ganzes Leben über unsere Daten

Das Finanzamt sammelt unser ganzes Leben lang unsere Daten.

Welche Daten landen bei den Finanzbehörden?

Klar, Ihren Namen, das Geburtsdatum, die Adresse und natürlich die Steuer-ID sollte das Finanzamt haben. Und es weiß auch, wo Sie arbeiten. Doch welche Daten hat die Finanzverwaltung noch? Die wichtigsten Beispiele: 

  • Wenn Sie angestellt sind, übermittelt Ihr Arbeitgeber Ihre Lohndaten elektronisch an das Finanzamt.
  • Ebenfalls Standard: Die Krankenkassen teilen dem Amt Ihre Beitragszahlungen und eventuelle Lohnersatzleistungen mit. 
  • Wer arbeitslos ist, hat keine Chance, dass das eigentlich steuerfreie Arbeitslosengeld (Stichwort Progressionsvorbehalt) nicht dem Finanzamt gemeldet wird. Das Gleiche gilt übrigens auch für das Elterngeld.
  • Sie haben Aktien, Fonds, einen Bausparvertrag, vermögenswirksame Leistungen oder eine Lebensversicherung? Dann weiß das Finanzamt auch die Details dazu. Ebenfalls erfährt der Fiskus, wenn Sie in eine Riester- oder Rürup-Rente anlegen.
  • Notare informieren das Finanzamt über Grundstücksgeschäfte, Handwerkskammern über Schwarzarbeiter, Kommunen über Gewerbeanmeldungen und Baubehörden über geplante Baumaßnahmen. 
  • Nicht zu vergessen: Es gibt nicht nur die Finanzämter, sondern auch das Bundeszentralamt für Steuern – das seine Daten wiederum mit dem jeweiligen Finanzamt austauscht. Hier wird zum Beispiel bei Rentnern die Höhe der Rentenbezüge gespeichert. Zudem fließen hier mittlerweile aus rund 100 Ländern die Daten von Bankkonten, Kapitalerträgen und Lebensversicherungen ein.
  • Daten bekommen die Finanzbehörden aber zum Beispiel auch über Steuer-CDs, auf denen sich oft Informationen über in Deutschland nicht versteuerte Einkünfte befinden. 
  • Nicht zu vergessen: Die Behörden arbeiten seit geraumer Zeit mit XPIDER. Das ist eine Software, die auf Verkaufsplattformen im Internet nach potenziellen Steuerhinterziehern sucht.
Warum macht das Finanzamt nicht die Steuer für uns?

Warum macht das Finanzamt nicht die Steuer für uns?

Warum dann überhaupt noch die Steuer machen?

Klar ist es ein Argument: Wenn die Finanzbehörden schon so viele Daten haben, warum muss ich dann überhaupt noch eine Steuererklärung machen? Im Prinzip gibt es dafür zwei Gründe:

  • Selbst wenn Sie die vorausgefüllte Steuererklärung (VaSt) nutzen, sollten Sie die Daten lieber noch mal überprüfen. Fehler passieren, auch beim Finanzamt beziehungsweise der Übermittlung der Daten. Achso, Sie wissen gar nicht, was so eine VaSt ist. Kurz gesagt: Sie rufen die über Sie gespeicherten Daten beim Finanzamt ab – so landen Sie direkt in Ihrer Steuererklärung. Geht auch bei unserer Online-Lösung smartsteuer. Mehr Details zur VaSt gibt es in diesem Blogartikel.
  • Noch wichtiger: Der Fiskus weiß prinzipiell gut über Ihre Einnahmen bescheid. Doch Sie haben ja auch oft jede Menge Ausgaben, die Ihre Steuerlast erheblich mindern können. Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und mehr. Und die sind eben oft nicht beim Amt gespeichert. Warum auch, möchte man meinen. Denn alles, was sich absetzen lässt, sind ja quasi zusätzliche Ausgaben für den Staat. Meint vereinfacht gesagt: Ihnen winkt mit der Steuererklärung eine Steuererstattung, die der Staat an Sie zahlen muss.

Was bedeutet das konkret für mich?
Nun, ändern können Sie an diesen Umständen nicht viel. Aber es zu wissen, ist manchmal auch schon hilfreich. Und noch besser: Sie können dem Staat immer noch ein Schnippchen schlagen, ganz legal. Machen Sie Ihre Steuererklärung – und holen Sie sich Ihr Geld zurück!

Mandy Pank Geschrieben von:

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