30.10.2019 · smart steuern ·

Mehrwertsteuer: 7 Fragen – 7 Antworten

Wir zahlen sie so gut wie jeden Tag. Fast immer, wenn wir etwas einkaufen, steht auf dem Kassenzettel die Mehrwertsteuer. Mal sind es 7, mal 19 Prozent, in ganz selten Fällen wie dem Briefporto gibt es keine Mehrwertsteuer in Deutschland. Doch warum ist das so? Brauchen wir jetzt immer einen Mehrwertsteuerrechner? Warum gibt es diese verschiedenen Steuersätze? Wie sieht es im Ausland aus? Zu all diesen Fragen und noch mehr bekommen Sie hier die Antworten – natürlich leicht verständlich.   

Frage 1: Gab es die Mehrwertsteuer schon immer?

Der Volksmund hat ein schönes Wort für die Mehrwertsteuer: Märchensteuer. Und manchmal kommt einem die Mehrwertsteuer schon wie ein Märchen vor – aber leider ohne Happy End. Die Gebrüder Grimm kannten die Mehrwertsteuer übrigens noch nicht. Denn so, wie wir sie heute kennen, wurde sie erst am 1. Januar 1968 in der BRD eingeführt. Übrigens auch damals schon mit zwei verschiedenen Sätzen, 10 Prozent „normal“ und 5 Prozent ermäßigt. Diese Werte stiegen über die Jahre immer wieder mal an. Die jetzigen 19 Prozent haben wir in Deutschland seit dem 1. Januar 2007, die 7 Prozent sogar schon seit dem 1. Juli 1983. 

Dinge des täglichen Bedarfs gehören zum Grundbedarf

Dinge des täglichen Bedarfs gehören zum Grundbedarf.

Frage 2: 7 oder 19 Prozent – was ist Grundbedarf und was nicht?

Das ist wohl die Gretchenfrage. Generell soll der Grundbedarf ermäßigt mit 7 Prozent, alles andere mit 19 Prozent versteuert werden. Doch was ist Grundbedarf? Dazu zählen zum Beispiel Zeitungen, Zeitschriften, Bücher und Eintrittskarten für Kultur- und Sportveranstaltungen. Auch der Nahverkehr im Radius von 50 Kilometern unterliegt dem ermäßigten Satz der Mehrwertsteuer. Das greift übrigens nicht nur für den öffentlichen Nahverkehr, sondern auch für Taxis. 

Jetzt wird es aber endgültig schwierig. Und weil es so ist, gibt es eine Liste vom Bundesfinanzministerium. Doch wirklich logisch ist das alles nicht.
Immerhin, Brot, Milch und Butter haben 7 Prozent Mehrwertsteuer. Aber halt, wer nicht mehr Kuhmilch trinken kann oder will, zahlt bei Sojamilch 19 Prozent. Gut für Sie, wenn Sie frisches Obst kaufen, denn das hat 7 Prozent. Obstsaft dann schon wieder 19 Prozent. Babynahrung, ja eigentlich auch eine Form von Grundbedarf, schlägt mit 19 Prozent Mehrwertsteuer zu Buche. Das gilt auch für Kinderkekse – Hundekekse hingegen haben nur 7 Prozent. Wie überhaupt Tiernahrung 7 Prozent hat.
Und wenn etwas für den normalen Menschen einen Hauch von Luxus hat wie Gänseleber, Froschschenkel oder Trüffel, heißt das noch nicht, dass dafür 19 Prozent fällig wären. Nein, es sind 7 Prozent. Immerhin sind es für Hummer und Langusten 19 Prozent.
Die gute alte Kartoffel hat natürlich 7 Prozent, aber warum die Süßkartoffel 19 Prozent hat, wissen wir auch nicht so genau. Selbst Wasser aus der Flasche ist kein Grundbedarf, hier werden, warum auch immer, 19 Prozent berechnet.
Merkwürdig auch: Beim Kauf einer Brille zahlen Sie 19 Prozent Mehrwertsteuer, bei einem Hörgerät 7 Prozent. Da vergeht einem ja quasi Hören und Sehen…
Und als letztes Beispiel: Essen Sie im Restaurant, müssen Sie 19 Prozent zahlen. Nehmen Sie das Essen hingegen mit, sind es wiederum nur 7 Prozent. Wenn Sie also bei McDonalds gefragt werden, ob Sie „hier“ essen wollen oder mitnehmen, geht es zwar auch darum, ob es ein Tablett oder eine Tüte sein soll. Aber eben vor allem um die Mehrwertsteuer. Mehr dazu in diesem Blogbeitrag.

Weitere Beispiele zum Mehrwertsteuer-Chaos haben wir in unserem Video für Sie aufbereitet:

Frage 3: Kann sich 7 oder 19 Prozent auch mal ändern? 

Kurz und bündig. Ja.
Das kann zum Beispiel daran liegen, dass jemand erfolgreich klagt. Immer wieder befassen sich die Finanzgerichte mit solchen Streitfragen.
Es gibt aber auch politische gewollte Änderungen. So führte eine Onlinepetition dazu, dass voraussichtlich schon ab nächstem Jahr die Mehrwertsteuer für die Produkte der sogenannten Monatshygiene (Tampons, Binden) von 19 Prozent auf 7 Prozent sinken sollen. Und: Ebenfalls ab 2020 wird Bahnfahren im Fernverkehr günstiger, weil auf Fahrkarten dann nur noch 7 Prozent Mehrwertsteuer fällig sein werden.   

Frage 4: Wie berechnet sich die Mehrwertsteuer – brauche ich einen Mehrwertsteuerrechner?

Ja, werden Sie sagen, warum soll ich die Mehrwertsteuer überhaupt berechnen. Ich kann es ja eh nicht ändern. Aber es kann eben doch hilfreich sein.
Nehmen wir die gerade erwähnten Beispiele mal her. Sie kaufen eine Packung Tampons für 4,99 Euro. Wie viel Mehrwertsteuer steckt da heute (19 Prozent) drin, wie viel im nächsten Jahr (7 Prozent)? Hier greift, wer erinnert sich noch, der legendäre Dreisatz. 4,99 Euro entspricht aktuell 100+19=119 Prozent. Wie viel sind dann 19 Prozent? Wir rechnen 4,99 Euro durch 119 mal 19. Macht rund 0,80 Euro.
Der Nettopreis beträgt bei den Tampons also 4,19 Euro (4,99-0,80 Euro). Setzt man hier 7 Prozent Mehrwertsteuer an, muss man einfach nur 4,19 Euro mal 107 Prozent rechnen, die Tampons kosten dann nur noch rund 4,48 Euro. Die Senkung des Mehrwertsteuersatzes bringt bei einem solchen Kauf also schon mal 51 Cent! Auf lange Sicht sparen Sie durch diese Mehrwertsteuersenkung mehrere hundert Euro.
Noch deutlicher wird das bei einer Bahnfahrkarte. Kostet die aktuell zum Beispiel 60 Euro, sind es (nach den gleichen Rechenschritten wie eben) im Jahr 2020 nur noch 53,95 Euro, also etwas über 6 Euro gespart.
Generell lautet die Faustregel. Sinkt der Mehrwertsteuersatz von 19 auf 7 Prozent, kostet das Produkt ungefähr 10 Prozent weniger.
Und wem das alles zu viel Mathe ist. Natürlich gibt es für sowas auch Rechner, etwa diesen hier.

Die Mehrwertsteuer ist eine der größten Einnahmequellen des Staats.

Die Mehrwertsteuer ist eine der größten Einnahmequellen des Staats.

Frage 5: Wie viel nimmt Deutschland mit der Mehrwertsteuer ein?

Allein aus der Mehrwertsteuer konnte sich der Staat im Jahr 2018 über rund 175 Milliarden Euro freuen. 20 Jahre zuvor waren es nur 104 Milliarden Euro.
In den staatlichen Statistiken steht dann oft auch Umsatz- statt Mehrwertsteuer, aber was es damit auf sich hat, erklären wir weiter unten. Es gibt aber noch eine zweite Steuer vom Umsatz, das ist die Einfuhrumsatzsteuer. Die wird erhoben bei der Einfuhr von Waren aus anderen Ländern und spült auch noch mal knapp 60 Milliarden Euro in die Staatskasse.  

Frage 6: Hat Deutschland einen sehr hohen Mehrwertsteuersatz?

Oft wird ja gesagt, dass in Deutschland die Steuern besonders hoch sind. Zumindest bei der Mehrwertsteuer ist das nicht der Fall, zumindest im Maßstab der EU. Denn meist liegt der normale Steuersatz bei mehr als 20 Prozent, 27 Prozent in Ungarn, 25 Prozent in Schweden, Dänemark und Kroatien. Weniger haben nur (mit Ausnahme einiger Inseln, die Teil eines Landes sind) Luxemburg mit 17 und Malta mit 18 Prozent. Auch beim ermäßigten Steuersatz liegen wir nicht so schlecht.
Natürlich gibt es weltweit gesehen auch Länder, wo die Mehrwertsteuer im einstelligen Bereich liegt. Die Schweiz und Liechtenstein etwa in Europa, aber auch in den USA liegt die „Tax“ unter 10 Prozent. Dort gibt es aber ein anderes Phänomen: Die Bundesstaaten bestimmen, wie hoch die Mehrwertsteuer ist. Die Preise in den Läden sind immer ohne Mehrwertsteuer ausgepreist. Wenn Sie also was für 9,99 Dollar sehen, kommt dann an der Kasse immer noch die Tax oben drauf, in New York zur Zeit 8,49 Prozent.
In den bevölkerungsreichsten Staaten sind die Sätze 17 und 13 Prozent in China und zwischen 28 und 5 Prozent in Indien.   

Warum wird die Umsatzsteuer auch als "Mehrwertsteuer" bezeichnet?

Warum wird die Umsatzsteuer auch als „Mehrwertsteuer“ bezeichnet?

Frage 7: Gibt es einen Unterschied zwischen der Mehrwertsteuer und der Umsatzsteuer?

Wir hatten es schon erwähnt, es gibt ja neben der Mehrwertsteuer auch noch die Umsatzsteuer. Um es kurz zu machen: Meist wird die Umsatzsteuer nur umgangssprachlich Mehrwertsteuer genannt.
Die Mehrwertsteuer steht quasi am Ende einer Produktionskette. Wer also ein Auto kauft, zahlt die Mehrwertsteuer. Doch davor gab es zum Beispiel verschiedene Hersteller, die Teile liefern. Diese stellen die Teile immer mit der Umsatzsteuer in Rechnung. Und das haben die Zulieferer dieser Teilehersteller auch schon gemacht. Der Clou: Alle Firmen können Ihre eingenommene Umsatzsteuer gegen die ausgegebene Umsatzsteuer (Vorsteuerabzug) gegenrechnen. Die Umsatzsteuer wird also immer erst beim Verkauf tatsächlich fällig.
Vor 1968 war das noch anders. Die Firmen mussten immer 4 Prozent Umsatzsteuer zahlen – und hatten keinen Vorsteuerabzug. Gerade beim Auto gab und gibt es mehrere Schritte und bei jedem waren 4 Prozent fällig. Deshalb gab es erhebliche Konzentrationsprozesse. Ein Hersteller, der alles in Eigenregie machte, zahlte weniger Steuern als einer, der sich auf Zulieferer verlassen musste.

Was bedeutet das konkret für mich?
An der Mehrwertsteuer gibt es kein vorbei. Aber schauen Sie ruhig mal bei den nächsten Einkäufen, wie viel Sie für was zahlen müssen.

Mandy Pank Geschrieben von:

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