Außersteuerliche Einkunftsermittlung - Lexikon des Steuerrechts - smartsteuer
<< Zurück zur Lexikon-Übersicht

Außersteuerliche Einkunftsermittlung – Lexikon des Steuerrechts

Inhaltverzeichnis

1 Allgemeiner Überblick
2 Außersteuerliche Folgen
3 Beispiele
3.1 Allgemeines Beispiel
3.2 Berücksichtigung von Kapitalerträgen
4 Hinzurechnung für einkommensteuerrechtliche Zwecke
5 Literaturhinweise
6 Verwandte Lexikonartikel

1. Allgemeiner Überblick

Ab dem Kj. 2001 ist nach dem StSenkG bei außersteuerlichen Leistungsgesetzen § 2 Abs. 5a EStG zu beachten. Danach sind bei der Ermittlung der jeweiligen außersteuerlichen Größen folgende Hinzu- bzw. Abrechnungen vorzunehmen:

Außersteuerliche Bezugsgröße wie Einkünfte, Summe der Einkünfte, Gesamtbetrag der Einkünfte, Einkommen oder zu versteuerndes Einkommen

&plus;

Kapitalerträge, die der Abgeltungsteuer nach § 32d Abs. 1 und § 43 Abs. 5 EStG unterliegen

(→Einkünfte aus Kapitalvermögen, → Abgeltungsteuer)

&plus;

steuerfreie Beträge nach dem Teileinkünfteverfahren i.S.d. § 3 Nr. 40 EStG

./.

nach § 3c Abs. 2 EStG nicht abziehbare Beträge

./.

nach § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG abziehbare Kinderbetreuungskosten

&equals;

maßgebliche außersteuerliche Bezugsgröße

Abb.: Korrektur außersteuerlicher Bezugsgrößen nach § 3 Abs. 5a EStG

Durch das Steuervereinfachungsgesetz 2011 vom 1.11.2011 (BGBl I 2011, 2131) wird § 2 Abs. 5a um einen Satz 2 ergänzt. Durch die Vereinfachung der steuerlichen Berücksichtigung von → Kinderbetreuungskosten sind diese ab dem Veranlagungszeitraum 2012 nur einheitlich als Sonderausgaben und nicht mehr auch wie Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehbar. Dies hätte grundsätzlich Auswirkungen, soweit außersteuerliche Rechtsnormen an steuerliche Einkommensbegriffe anknüpfen, wie z.B. § 14 Abs. 1 des Wohngeldgesetzes. Durch den neu angefügten Satz 2 des § 2 Abs. 5a EStG werden Auswirkungen auf außersteuerliche Rechtsnormen dadurch vermieden, indem die Kinderbetreuungskosten die jeweilige Bezugsgröße mindern.

2. Außersteuerliche Folgen

Durch die Korrekturen i.S.d. § 2 Abs. 5a Satz 1 und 2 EStG sind insbesondere folgende außersteuerliche Vorschriften betroffen:

3. Beispiele

3.1. Allgemeines Beispiel

Beispiel 1:

Eine außersteuerliche Norm knüpft an den Gesamtbetrag der Einkünfte (GdE) an. Bei dem Stpfl. soll der GdE 100 000 € betragen. In dem GdE sind gewerbliche Einkünfte aus Anteilsveräußerungen im Teileinkünfteverfahren i.H.v. 5 000 € (Einnahmen) und ./. 1 000 € (Aufwendungen) &equals; 4 000 € enthalten.

Lösung 1:

Die außersteuerliche Bemessungsgrundlage, der GdE, wird wie folgt ermittelt:

GdE bisher

100 000 €

&plus; steuerfreie Einnahmen

5 000 €

./. nicht berücksichtige Aufwendungen

./. 1 000 €

GdE für außersteuerliche Zwecke

104 000 €

3.2. Berücksichtigung von Kapitalerträgen

Beispiel 2:

Bei einer Zusammenveranlagung betragen die Erträge aus Kapitalvermögen i.S.d. § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG im Kj. 2016 25 000 €.

Lösung 2:

Die Erträge unterliegen dem 25 %igen Abgeltungsteuersatz des § 43 Abs. 5 EStG. Die nach § 43 Abs. 5 EStG besteuerten Beträge sind hinzuzurechnen.

steuerpflichtige Einkünfte (§ 2 Abs. 5b EStG)

0 €

Die nach § 32d Abs. 1 und § 43 Abs. 5 EStG zu besteuernden Beträge betragen

25 000 €

abzüglich Sparer-Pauschbetrag nach § 20 Abs. 9 Satz 2 EStG

./. 1 602 €

maßgebliche Einkünfte

23 398 €

23 398 €

außersteuerliche Bezugsgröße

23 398 €

Beispiel 3:

Die Einnahmen aus Kapitalvermögen im Kj. 2016 verteilen sich wie folgt:

Ehemann

Ehefrau

Anteilsveräußerung § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG

2 000 €

sonstige Kapitalerträge (§ 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG)

3 000 €

Lösung 3:

Ehemann

Ehefrau

steuerpflichtige Einkünfte (§ 2 Abs. 5b EStG)

0 €

0 €

Beträge nach § 2 Abs. 5a Satz 1 EStG

2 000 €

sonstige Kapitalerträge nach § 2 Abs. 5a Satz 1 EStG

3 000 €

Sparer-Pauschbetrag (§ 20 Abs. 9 EStG)

./. 801 €

./. 801 €

Einkünfte i.S.d. § 32d Abs. 1 i.V.m. § 43 Abs. 5 EStG

1 199 €

2 199 €

Für außersteuerliche Zwecke ist ein Betrag von 3 398 € hinzuzurechnen.

Beispiel 4:

Die Einnahmen aus Kapitalvermögen im Kj. 2016 verteilen sich wie folgt:

Ehemann

Ehefrau

Anteilsveräußerung (§ 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG)

3 000 €

sonstige Kapitalerträge (§ 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG)

940 €

940 €

Lösung 4:

Ehemann

Ehefrau

Einnahmen

3 940 €

940 €

Sparer-Pauschbetrag (§ 20 Abs. 9 EStG)

./. 801 €

./. 801 €

Einkünfte i.S.d. § 32d Abs. 1 i.V.m. § 43 Abs. 5 EStG

3 139 €

139 €

Für außersteuerliche Zwecke ist ein Betrag von 3 278 € hinzuzurechnen.

Beispiel 5:

Die Einnahmen aus Kapitalvermögen im Kj. 2016 verteilen sich wie folgt:

Ehemann

Ehefrau

Anteilsveräußerung (§ 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EStG)

3 000 €

Werbungskosten dazu

250 €

sonstige Kapitalerträge (§ 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG)

940 €

940 €

Werbungskosten dazu

150 €

Lösung 5:

Ehemann

Ehefrau

steuerpflichtige Einnahmen

3 940 €

940 €

Sparer-Pauschbetrag (§ 20 Abs. 9 EStG)

./. 801 €

./. 801 €

Einkünfte i.S.d. § 32d Abs. 1 i.V.m. § 43 Abs. 5 EStG

3 139 €

139 €

Für außersteuerliche Zwecke ist ein Betrag von 3 278 € hinzuzurechnen.

Beispiel 6:

Bei einer Zusammenveranlagung betragen die Einkünfte aus Kapitalvermögen i.S.d. § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG im Kj. 2016 8 000 €, die nachgewiesenen Werbungskosten dazu 110 €.

Lösung 6:

steuerpflichtige Einnahmen

8 000 €

Sparer-Pauschbetrag (§ 20 Abs. 9 EStG)

./. 1 602 €

Einkünfte i.S.d. § 32d Abs. 1 i.V.m. § 43 Abs. 5 EStG

6 398 €

Für außersteuerliche Zwecke ist ein Betrag von 6 398 € hinzuzurechnen.

4. Hinzurechnung für einkommensteuerrechtliche Zwecke

Durch das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 vom 14.8.2007 (BGBl I 2007, 1912) wurde § 2 Abs. 5b EStG neu in das Gesetz eingefügt. Nach § 2 Abs. 5b EStG sind die abgegoltenen → Einkünfte aus Kapitalvermögen (→ Abgeltungsteuer) auch für einkommensteuerrechtliche Zwecke bei den o.g. Begriffen (Einkünfte, Summe der Einkünfte, Gesamtbetrag der Einkünfte, Einkommen, zu versteuerndes Einkommen) nicht einzubeziehen.

Durch das Steuervereinfachungsgesetz 2011 vom 1.11.2011 (BGBl I 2011, 2131) wird Satz 2 des § 2 Abs. 5b EStG aufgehoben.

Im Ergebnis werden die abgeltend besteuerten Kapitalerträge nicht mehr bei der Berechnung der zumutbaren Belastung sowie des Höchstbetrages beim Spendenabzug berücksichtigt. Insoweit entfällt künftig die Notwendigkeit, abgeltend besteuerte Kapitalerträge nur für diese Zwecke in der Einkommensteuererklärung anzugeben. Die Kapitaleinkünfte sind aber weiterhin als Bezüge einer unterhaltsberechtigten Person nach § 33a Abs. 1 EStG zu berücksichtigen. Der Sparer-Pauschbetrag ist dabei nicht als Bezug anzusetzen.

Da der in § 2 Abs. 5b Satz 1 EStG verankerte Grundsatz nur für abgeltend besteuerte Kapitalerträge greift, werden Kapitalerträge i.S.d. § 32d Abs. 2 und 6 EStG wie bisher im Rahmen der übrigen steuerlichen Vorschriften einbezogen und unterliegen somit der Regelbesteuerung. Die Angaben zu diesen Erträgen liegen im Rahmen der Einkommensteuererklärung vor. Diese Kapitaleinkünfte sind nach § 2 Abs. 5b und § 33a Abs. 1 EStG als Einkünfte der unterhaltsberechtigten Person anzusetzen.

5. Literaturhinweise

Sommer u.a., § 2 Abs. 5a EStG: Unzureichende Korrektur für außersteuerliche Zwecke, DStR 2008, 1626.

6. Verwandte Lexikonartikel

Abgeltungsteuer

Bausparförderung

Einkünfte aus Kapitalvermögen

Gesamtbetrag der Einkünfte

Vermögenswirksame Leistungen

 

Redaktioneller Hinweis:© Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft, Steuern, Recht, Stuttgart.

smartsteuer GmbH hat 4,54 von 5 Sternen | 534 Bewertungen auf ProvenExpert.com