Gebäude, Begriff - Lexikon des Steuerrechts | smartsteuer
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Gebäude, Begriff – Lexikon des Steuerrechts

Inhaltverzeichnis

1 Definition des Gebäudes
2 Wesentliche Bestandteile eines Gebäudes
3 Unselbstständige Gebäudeteile
4 Abgrenzung zu anderen, selbstständigen Wirtschaftsgütern und deren Bedeutung
5 Herstellungskosten für ein fremdes Gebäude
6 Literaturhinweise
7 Verwandte Lexikonartikel

1. Definition des Gebäudes

Ein Gebäude ist ein Bauwerk auf eigenem oder fremdem Grund und Boden, das Menschen oder Sachen durch räumliche Umschließung Schutz gegen äußere Einflüsse gewährt, den Aufenthalt von Menschen gestattet, fest mit dem Grund und Boden verbunden, von einiger Beständigkeit und standfest ist (R 7.1 Abs. 5 EStR; H 7.1 &lsqb;Gebäude&rsqb; EStH). Zum Gebäudebegriff s.a. Abschn. 1 Abs. 2 BewRGr und § 68 BewG.

2. Wesentliche Bestandteile eines Gebäudes

Zu den wesentlichen Bestandteilen des Gebäudes gehören die zu seiner Herstellung eingefügten Sachen (§ 94 Abs. 2 BGB). Das »Einfügen zur Herstellung« bedeutet, dass eine Sache zwischen Teile eines Gebäudes gebracht und durch Einpassen an eine für sie bestimmte Stelle mit den sie umschließenden Stücken vereinigt und damit ihrer Zweckbestimmung zugeführt wird (Abschn. 1 Abs. 2 Satz 3 BewRGr). Das sind z.B. Türen, Treppen, Fenster, eingebaute Möbel und Öfen, Badeeinrichtungen, Zentralheizungs-, Warmwasser- und Brennstoffversorgungsanlagen sowie Aufzüge, auch wenn sie nachträglich eingebaut worden sind. In das Gebäude eingefügte Sachen, die → Betriebsvorrichtungen sind, sind nach bürgerlichem Recht ebenfalls wesentliche Bestandteile des Gebäudes. Steuerrechtlich sind sie als selbstständige, bewegliche und abnutzbare WG zu behandeln, die linear oder degressiv abgeschrieben werden können. Zur Bedeutung der Abgrenzung von Gebäuden und Betriebsvorrichtungen siehe unter → Betriebsvorrichtungen. Sachen, die nur zu einem vorübergehenden Zweck in das Gebäude eingefügt sind, gehören nach § 95 BGB nicht zu den Bestandteilen des Gebäudes.

3. Unselbstständige Gebäudeteile

Ein Gebäudeteil ist unselbstständig und damit zusammen mit dem Gebäude abzuschreiben, wenn er der eigentlichen Nutzung als Gebäude dient. Unselbstständige Gebäudeteile sind auch räumlich vom Gebäude getrennt errichtete Baulichkeiten, die in einem so engen Nutzungs- und Funktionszusammenhang mit dem Gebäude stehen, dass es ohne diese Baulichkeiten als unvollständig erscheint (R 4.2 Abs. 5 EStR). Unselbstständige Gebäudeteile sind z. B.:

  • Bäder, Schwimmbecken und Duschen eines Hotels,

  • Heizungsanlagen, Be- und Entlüftungsanlagen, Klimaanlagen, Warmwasseranlagen und Müllschluckanlagen, außer wenn sie ganz oder überwiegend einem Betriebsvorgang dienen,

  • Sprinkler-(Feuerlösch-)Anlagen, außer wenn mit ihnen das Gewerbe unmittelbar betrieben wird,

  • Beleuchtungsanlagen, außer Spezialbeleuchtungsanlagen, die nicht zur Gebäudebeleuchtung erforderlich sind,

  • Personenaufzüge, Rolltreppen oder Fahrtreppen, die zur Bewältigung des Publikumsverkehrs dienen,

  • Umzäunung oder Garage bei einem Wohngebäude (BFH vom 15.12.1977, BStBl II 1978, 210).

4. Abgrenzung zu anderen, selbstständigen Wirtschaftsgütern und deren Bedeutung

Gebäudeteile, die nicht in einem einheitlichen Nutzungs- und Funktionszusammenhang mit dem Gebäude stehen, sind selbstständige Wirtschaftsgüter. Ein Gebäudeteil ist selbstständig, wenn er besonderen Zwecken dient, mithin in einem von der eigentlichen Gebäudenutzung verschiedenen Nutzungs- und Funktionszusammenhang steht (R 4.2 Abs. 3 EStR). Hinsichtlich der Zuordnung zum Betriebsvermögen ist bei selbstständigen Gebäudeteilen auf den Raum als Ganzes abzustellen (vgl. BFH Urteil vom 10.10.2017, X R 1/16, BStBl II 2018, 181).

Selbstständige Gebäudeteile in diesem Sinne sind: → Betriebsvorrichtungen, → Gebäudeabschreibung, → Scheinbestandteile, → Ladeneinbauten, sonstige → Mietereinbauten, sonstige → selbstständige Gebäudeteile.

Wird ein Gebäude teils eigenbetrieblich, teils fremdbetrieblich, teils zu eigenen und teils zu fremden Wohnzwecken genutzt, ist jeder der vier unterschiedlich genutzten Gebäudeteile ein besonderes Wirtschaftsgut, weil das Gebäude in verschiedenen Nutzungs- und Funktionszusammenhängen steht (R 4.2 Abs. 4 EStR). Wohnräume, die wegen Vermietung an Arbeitnehmer des Stpfl. notwendiges Betriebsvermögen sind, gehören zu dem eigenbetrieblich genutzten Gebäudeteil. Die Vermietung zu hoheitlichen, zu gemeinnützigen oder zu Zwecken eines Berufsverbands gilt als fremdbetriebliche Nutzung. Wird ein Gebäude oder Gebäudeteil fremdbetrieblich genutzt, handelt es sich auch dann um ein einheitliches Wirtschaftsgut, wenn es verschiedenen Personen zu unterschiedlichen betrieblichen Nutzungen überlassen wird.

Diese Abgrenzung ist wichtig für die unterschiedliche Bewertung nach § 6 Abs. 1 EStG und die unterschiedlichen Abschreibungsmöglichkeiten nach § 7 EStG.

Zu den Besonderheiten bei Garagen s. → Garagen, Abschreibung und das BFH-Urteil vom 10.10.2017 (X R I/16, BStBl II 2018, 181).

5. Herstellungskosten für ein fremdes Gebäude

Trägt der Steuerpflichtige Kosten zur Herstellung eines im Eigentum seines Ehegatten stehenden Gebäudes, das er zur Erzielung von betrieblichen Einkünften nutzt, sind seine Aufwendungen steuerlich zu aktivieren und nach den für ein Gebäude geltenden Regeln abzuschreiben (BFH Urteil vom 19.12.2012, BStBl II 2013, 387). Die Behandlung von Aufwendungen »wie ein materielles Wirtschaftsgut« soll die typisierte Verteilung der Aufwendungen in Anlehnung an die Regeln bewirken, die für Aufwendungen auf ein eigenes Wirtschaftsgut derselben Art gelten. Die Typisierung der Aufwandsverteilung bewirkt aber nicht, dass der Aufwandsposten im Übrigen einem Wirtschaftsgut gleichgestellt wird.

Errichtet der Unternehmer-Ehegatte mit eigenen Mitteln ein Gebäude auf einem auch dem Nichtunternehmer-Ehegatten gehörenden Grundstück, wird der Nichtunternehmer-Ehegatte, sofern keine abweichenden Vereinbarungen zwischen den Eheleuten getroffen werden, sowohl zivilrechtlicher als auch wirtschaftlicher Eigentümer des auf seinen Miteigentumsanteil entfallenden Gebäudeteils. Dieser Gebäudeteil gehört zu seinem Privatvermögen. Die vom Unternehmer-Ehegatten für die typisierte Verteilung seines eigenen Aufwands gebildete Bilanzposition kann nicht Sitz stiller Reserven sein. Daraus folgt zum einen, dass dem Unternehmer-Ehegatten Wertsteigerungen, die bei dem im Privatvermögen des Nichtunternehmer-Ehegatten befindlichen Gebäudeteil eingetreten sind, ertragsteuerrechtlich nicht zugerechnet werden können. Auf der anderen Seite kann der Unternehmer-Ehegatte in dieser Bilanzposition nicht dadurch stille Reserven bilden, dass er hierauf ertragsteuerrechtliche Subventionsvorschriften anwendet, die der Gesetzgeber nur für Wirtschaftsgüter des Betriebsvermögens, nicht aber für Wirtschaftsgüter des Privatvermögens vorgesehen hat (Fortführung des BFH-Urteils vom 19.12.2012; IV R 29/09, BStBl II 2013, 387). Übertragen in derartigen Fällen sowohl der Unternehmer-Ehegatte den Betrieb als auch beide Eheleute ihre Miteigentumsanteile an dem Grundstück samt Gebäude unentgeltlich auf einen Dritten, kann dieser den Miteigentumsanteil des Nichtunternehmer-Ehegatten zum Teilwert in seinen Betrieb einlegen und von diesem Wert AfA vornehmen (BFH Urteil vom 9.3.2016, X R 46/14, BFHE 253, 156).

6. Literaturhinweise

Cremer, Bilanz- und ertragsteuerrechtliche Behandlung von Gebäuden, NWB 51/2015, 7.

7. Verwandte Lexikonartikel

Abnutzbare Wirtschaftsgüter

Abschreibung

Anlagevermögen

Anschaffungskosten

Baudenkmal

Bedarfsbewertung

Betriebsvorrichtungen

Degressive Abschreibung

Drittaufwand

Einheitswertfeststellungen

Erbbaurecht

Ferienwohnung

Gebäude auf fremdem Grund und Boden

Gebäudeabschreibung

Gebäude, anschaffungsnahe Herstellungskosten oder Erhaltungsaufwand

Gemischt genutzte Gebäude

Grundstück

Grundstück im Zustand der Bebauung

Grundstücksgemeinschaften

Häusliches Arbeitszimmer

Herstellungskosten

Immaterielle Wirtschaftsgüter

Investitionszulagengesetz

Ladeneinbauten

Lebensversicherung

Mietereinbauten

Nachträgliche Anschaffungskosten

Nießbrauch

Nutzungsüberlassung einer Wohnung

Private Veräußerungsgeschäfte

Rücklage für Ersatzbeschaffung

Rücklagenbildung nach § 6b und § 6c EStG

Rückstellungen

Scheinbestandteile

Selbstständige Gebäudeteile

Sonderabschreibungen

Steuerbefreiungen gem. § 4 UStG

Umlaufvermögen

Unternehmensvermögen

Vermögenswirksame Leistungen

Vorsteuerabzug

Vorsteuerberichtigung

 

Redaktioneller Hinweis:© Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft, Steuern, Recht, Stuttgart.

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