Grundstück - Lexikon des Steuerrechts | smartsteuer
<< Zurück zur Lexikon-Übersicht

Grundstück – Lexikon des Steuerrechts

Inhaltverzeichnis

1 Allgemeiner Überblick über die Steuerarten
2 Grundstücke bei der Einheitsbewertung
2.1 Wirtschaftliche Einheit
2.2 Grundstücksarten der bebauten Grundstücke
3 Grundstücke bei der Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer
4 Literaturhinweise
5 Verwandte Lexikonartikel

1. Allgemeiner Überblick über die Steuerarten

Der Behandlung von Grundstücken kommt in den diversen Steuerarten eine zentrale Bedeutung zu. Zu nennen sind hier insbesondere die → Grundsteuer, die → Grunderwerbsteuer sowie die → Erbschaftsteuer/Schenkungsteuer.

Die Anschaffung bzw. die Grundstücksnutzung wird gefördert durch die → Eigenheimzulage sowie die Investitionszulage (→ Investitionszulagengesetz). Eine weitere steuerliche Förderung von Grundstücken erfolgt durch die diversen Abschreibungsmöglichkeiten (→ Abschreibung, → Gebäudeabschreibung, → Degressive Abschreibung). Für die Durchführung bestimmter → Schönheitsreparaturen wird eine Tarifermäßigung gem. § 35a EStG gewährt (→ Haushaltsnahe Dienstleistungen).

Bei der → Einkommensteuer sind Grundstücke insbesondere von Bedeutung für die Erzielung von Einkünften aus Vermietung und Verpachtung. Näheres siehe unter → Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Die Veräußerung von Grundstücken des Privatvermögens ist ertragsteuerrechtlich nicht steuerbar, es sei denn, es handelt sich um ein privates Veräußerungsgeschäft (→ Private Veräußerungsgeschäfte). Beachte auch die Grundsätze über den gewerblichen Grundstückshandel (→ Gewerblicher Grundstückshandel).

Die ertragsteuerrechtliche Behandlung von Grundstücken ist davon abhängig, ob ein Grundstück dem Betriebs- oder Privatvermögen zuzurechnen ist. Näheres dazu siehe u.a. unter → Gemischt genutzte Gebäude. Siehe auch → Gebäude, Herstellungskosten/Erhaltungsaufwand.

Bei der → Umsatzsteuer sind die Grundstücksvermietungen bzw. -verpachtungen grundsätzlich nach § 4 Nr. 12 Buchst. a UStG steuerfrei (→ Steuerfreie Umsätze, Vorsteuerabzug). Zu beachten ist in diesem Zusammenhang jedoch die vereinzelt schwierige Abgrenzung zu Betriebsvorrichtungen, welche explizit aus der Umsatzsteuerbefreiung ausgenommen sind. Auch Grundstücksveräußerungen sind grundsätzlich nach § 4 Nr. 9 Buchst. a UStG als Umsätze, die unter das Grunderwerbsteuergesetz fallen, steuerfrei (→ Steuerbefreiungen gem. § 4 UStG). Unter bestimmten Voraussetzungen ist aber ein → Verzicht auf Steuerbefreiungen nach § 9 UStG möglich. Dieser Verzicht wirkt sich u.a. auf den → Vorsteuerabzug aus. Eine Voraussetzung für den Vorsteuerabzug ist, dass das Grundstück dem → Unternehmensvermögen zuzurechnen ist. Im Gegensatz zur ESt können bei der USt Privatwohnungen dem Unternehmensvermögen zugerechnet werden. Bei der ESt kann die Privatwohnung nicht als Betriebsvermögen behandelt werden (R 4.2 Abs. 9 und 10 EStR). Tritt eine Nutzungsänderung hinsichtlich der Grundstücksnutzung ein, sind die Vorschriften über die → Vorsteuerberichtigung zu beachten (§ 15a UStG). Für bestimmte Grundstücksumsätze bzw. Umsätze im Zusammenhang mit Grundstücken gilt der Leistungsempfänger als Steuerschuldner (§ 13b UStG; → Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers).

2. Grundstücke bei der Einheitsbewertung

2.1. Wirtschaftliche Einheit

Die wirtschaftliche Einheit des Grundvermögens ist das Grundstück (§ 70 BewG). Zur Abgrenzung des Grundvermögens von den Betriebsvorrichtungen siehe das BMF-Schreiben vom 15.3.2006 (BStBl I 2006, 314).

Grundstücke i.S.d. BewG sind zu unterscheiden in unbebaute (§ 72 BewG) und bebaute (§ 74 ff. BewG) Grundstücke (→ Bedarfsbewertung). Der Rückfall des bebauten Grundstücks in den Zustand eines unbebauten Grundstücks ist in dem Augenblick anzunehmen, ab dem eine Gebäudenutzung nicht mehr zumutbar ist (BFH-Urteile vom 18.12.2002, II R 20/01, BFH/NV 2003, 540 und vom 14.5.2003, II R 14/01, DStR 2003, 1388).

Der BFH hat erhebliche Zweifel, dass die derzeitigen Regelungen zur Einheitsbewertung dem verfassungsrechtlichen Gleichheitssatz des Art. 3 GG genügen. Der BFH legte mit Beschluss vom 22.10.2014 (LEXinform 0442658) ein entsprechendes Verfahren dem BVerfG vor. In diesem ist der BFH der Ansicht, dass die im Streitfall anzuwendenden Vorschriften über die Einheitsbewertung (§§ 19, 20, 21, 76 Abs. 1, 93 Abs. 1 Satz 2 BewG) verfassungswidrig sind und deshalb dem Einheitswert vom 1.1.2009 nicht zugrunde gelegt werden dürfen. Zur Begründung stellte der BFH fest, dass der Hauptfeststellungszeitpunkt gesetzlich im Jahre 1965 auf den 1.1.1964 festgelegt wurde. Dies erfolgte mit der Maßgabe, dass Wertverhältnisse für Einheitswerte künftig alle sechs Jahre neu bestimmt werden. Der Gesetzgeber hätte also von 1965 an alle fünf bis sechs Jahre einen neuen Hauptfeststellungszeitpunkt mit neuen maßgeblichen Wertverhältnissen bestimmen müssen. Seit dieser Zeit wurde aber mangels spezieller gesetzlicher Anordnung keine neue Hauptfeststellung mehr durchgeführt. Diese Verknüpfung des Hauptfeststellungszeitpunkts mit den tatsächlichen Wertverhältnissen sollte die Gleichmäßigkeit der Bewertung sichern. Nur wenn sich die »tatsächlichen Verhältnisse« (z.B. Größe des Grundstücks) ändern, führt diese Änderung zu einer Wertfortschreibung des Einheitswerts. Die verminderte Ertragskraft eines Grundstücks (z.B. durch veränderte Einzelhandelsstruktur und damit veränderte Käuferströme, sinkende Kaufkraft der Region) führt jedoch nach ständiger Rechtsprechung des BFH nicht zu einer Veränderung der »tatsächlichen Verhältnisse«, sondern betrifft lediglich die »Wertverhältnisse«, die zu keinen neuen Einheitswerten führen.

Gemäß gleichlautendem Erlass der obersten Finanzbehörden der Länder vom 18.5.2015 (FinMin BW, 3 – S-0338(66) ergehen künftige Einheitswertbescheide vorläufig, wobei dies ausweislich des Wortlautes der o.g. Verfügung kein Hinweis auf eine etwaige Verfassungswidrigkeit sein soll.

2.2. Grundstücksarten der bebauten Grundstücke

Bei den bebauten Grundstücken sind die folgenden Grundstücksarten zu unterscheiden (§ 75 BewG):

  • Mietwohngrundstücke,

  • Geschäftsgrundstücke,

  • gemischt genutzte Grundstücke,

  • Einfamilienhäuser,

  • Zweifamilienhäuser und

  • sonstige bebaute Grundstücke.

Nach der Grundstücksart entscheidet sich die Einheitsbewertung der Grundstücke entweder im Ertragswert- oder im Sachwertverfahren (§ 76 BewG).

Für die Grundstücksbewertung ist weiterhin von Bedeutung, ob es sich um ein → Grundstück im Zustand der Bebauung handelt oder ob ein → Erbbaurecht bestellt ist.

3. Grundstücke bei der Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer

Zur Behandlung eines Grundstücks als Betriebsgrundstück siehe → Betriebsgrundstück. Zur Bewertung eines Grundstücks siehe → Bedarfsbewertung.

Durch das Jahressteuergesetz 2007 vom 13.12.2006 (BGBl I 2006, 2878) wird das Bewertungsverfahren für die Feststellung der Grundbesitzwerte geändert. Ferner wird nach der Erbschaftsteuerreform die Bewertung der Grundstücke für Zwecke der Erbschaft- und Schenkungsteuer grundlegend novelliert. Siehe dazu die Ausführungen unter → Bedarfsbewertung.

Eine Steuerbefreiung von Grundstücken in der Erbschaftsteuer nach § 13c ErbStG ist insbes. bei im Zeitpunkt der Entstehung der Steuer nicht vermieteten bzw. zur Vermietung bestimmten Grundstücken (vgl. BFH Urteil vom 11.12.2014, II R 24/14, LEXinform 0934792) und bei vererbten und zu Wohnzwecken vermieteten Erbbaugrundstücken (vgl. BFH Urteil vom 11.12.2014, II R 25/14, LEXinform 0934734).

Zur Feststellung der Verfassungswidrigkeit der Erbschaftsteuer durch das BVerfG siehe unter → Erbschaftsteuer/Schenkungsteuer.

4. Literaturhinweise

Radeisen, Die Erbschaftsteuerreform 2008/2009, Stuttgart 2008.

5. Verwandte Lexikonartikel

Abschreibung

Agenturgeschäfte

Anlagevermögen

Anzahlungen

Arbeitszimmerüberlassung des Arbeitnehmers an den Arbeitgeber

Aufhebung und Änderung von Steuerbescheiden

Baudenkmal

Bedarfsbewertung

Begrenztes Realsplitting

Begünstigte Objekte nach § 2 EigZulG

Betriebsaufspaltung

Betriebsgrundstück

Betriebsvermögen

Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer

Betriebsvorrichtungen

Degressive Abschreibung

Drittaufwand

Eigenheimzulage

Einbringung

Einheitswertfeststellungen

Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung

Einlage

Erbbaurecht

Ferienwohnung

Gebäude auf fremdem Grund und Boden

Gebäude, Begriff

Gebäudeabschreibung

Gebäude, Herstellungskosten/Erhaltungsaufwand

Gemischt genutzte Gebäude

Gesamtrechtsnachfolge

Geschäftsveräußerung

Gewerbeertrag

Gewerblicher Grundstückshandel

Grundbesitz

Grunderwerbsteuer

Grunderwerbsteuer durch Änderung des Gesellschafterbestandes

Grundsteuer

Grundstück im Zustand der Bebauung

Grundstücksumsätze, Umsatzsteuer

Grundstücksvermietung

Häusliches Arbeitszimmer

Instandhaltungsrücklage

Investitionszulagengesetz

Lebensversicherung

Mietereinbauten

Miteigentumsanteile bei der Eigenheimzulage

Mittelbare Grundstücksschenkung

Mitunternehmerschaft

Nießbrauch

Nutzungsüberlassung einer Wohnung

Objektverbrauch

Örtliche Zuständigkeit

Private Veräußerungsgeschäfte

Rücklage für Ersatzbeschaffung

Rücklagenbildung nach § 6b und § 6c EStG

Rückstellungen

Scheidung

Scheinbestandteile

Steuerbefreiungen gem. § 4 UStG

Steuerschuldner bei der Umsatzsteuer

Tarifbegrenzung nach dem Erbschaftsteuergesetz

Umsatzsteuerpflicht bei Überlassung von Sportanlagen

Übertragung von Privat- oder Betriebsvermögen

Umlaufvermögen

Umwandlung

Unbebaute Grundstücke als Betriebsvermögen

Unrichtiger und unberechtigter Steuerausweis

Unternehmensvermögen

Vermögensverwaltung

Verschaffung der Verfügungsmacht

Verträge zwischen Angehörigen

Verzicht auf Steuerbefreiungen nach § 9 UStG

Vorsteuerberichtigung

Vorweggenommene Erbfolge

Wesentliche Betriebsgrundlage

 

Redaktioneller Hinweis:© Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft, Steuern, Recht, Stuttgart.

smartsteuer GmbH hat 4,69 von 5 Sternen | 966 Bewertungen auf ProvenExpert.com