Umsatzsteuer - Lexikon des Steuerrechts | smartsteuer
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Umsatzsteuer – Lexikon des Steuerrechts

Inhaltverzeichnis

1 Umsatzsteuer als indirekte Steuer
2 Das Allphasen-Nettoumsatzsteuersystem mit Vorsteuerabzug
3 Steuersatzerhöhung
4 Wirkungsweise der Umsatzsteuer
5 Voranmeldungsverfahren
6 Steuererklärungsverfahren
7 Vorsteuer-Vergütungsverfahren
8 Besteuerungsformen
9 Umsatzarten
10 Steuerbarkeit der Umsatzarten
11 Literaturhinweise
12 Verwandte Lexikonartikel

1. Umsatzsteuer als indirekte Steuer

Die USt ist eine Verkehrsteuer, mit der grundsätzlich der gesamte private und öffentliche Verbrauch belastet wird. Wirtschaftlich wird die USt vom Verbraucher getragen (→ Steuerschuldner). Steuerschuldner ist jedoch der Unternehmer (§ 13a Abs. 1 Nr. 1 UStG). Weil die USt vom Verbraucher auf dem Umweg über den Unternehmer erhoben wird, zählt sie zu den indirekten Steuern. In bestimmten Fällen wird jedoch die Steuerschuldnerschaft umgekehrt, indem der Leistungsempfänger zum Steuerschuldner wird (§ 13b UStG; → Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers/Reverse Charge); so sollen die Steuer vereinfacht (Stichworte: Mehrwertsteuerpaket und B2B-Regel) und der Umsatzsteuerbetrug bekämpft (Stichworte: Sicherungsverwertung, Bauleistungen, Gebäudereinigungen etc.) werden.

2. Das Allphasen-Nettoumsatzsteuersystem mit Vorsteuerabzug

Die USt ist so gestaltet, dass bei gleichem Steuersatz alle Waren und Dienstleistungen, wenn sie beim Endverbraucher ankommen, in gleicher Höhe belastet sind, unabhängig davon, wie viel Wirtschaftsstufen eine Ware oder Dienstleistung auf ihrem Weg zum Endverbraucher durchlaufen hat. Eine Erhebung der Steuer von der Steuer ist grundsätzlich ausgeschlossen. Dies wird durch den → Vorsteuerabzug des § 15 UStG erreicht. Er berechtigt den Unternehmer, von der Steuer, die er für seine Umsätze schuldet, die Umsatzsteuerbeträge (Vorsteuern) abzuziehen, die ihm andere Unternehmer für ihre an ihn ausgeführten steuerpflichtigen Umsätze offen in → Rechnung gestellt haben (§ 14 UStG).

Der Unternehmer hat die von ihm geschuldete USt auch dann zu entrichten, wenn sie vom Leistungsempfänger nicht als Vorsteuer abgezogen wird, bei ordnungsgemäßer Inrechnungstellung von ihm aber als Vorsteuer abgezogen werden könnte. Es ist nicht sachlich unbillig, dass der leistende Unternehmer unabhängig vom Vorsteuerabzug des Leistungsempfängers zur USt veranlagt wird (BFH Beschluss vom 4.4.2003, V B 212/02, BFH/NV 2003, 1098).

Umgekehrt besteht das Recht zum Vorsteueranzug auch dann, wenn der Leistende die von ihm ausgewiesene Umsatzsteuer nicht abführt. Seine Grenze findet dieses Prinzip nur im Umsatzsteuerbetrug.

3. Steuersatzerhöhung

Mit Wirkung vom 1.1.2007 wurde der allgemeine Umsatzsteuersatz (§ 12 Abs. 1 UStG) von 16 % auf nunmehr 19 % angehoben (Art. 4 Nr. 1 des Haushaltsbegleitgesetzes 2006 vom 29.6.2006, BGBl I 2006, 1402). Der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 % (§ 12 Abs. 2 UStG) bleibt unverändert.

4. Wirkungsweise der Umsatzsteuer

Beispiel 1:

Abb.: Wirkungsweise der USt

Aus dem Beispiel wird deutlich, dass die USt eine nur beim Verkauf an den Letztverbraucher sich realisierende Steuer ist. Verdirbt eine Ware oder kann sie aus anderen Gründen nicht verkauft werden, so erhält der Fiskus keine Steuer.

Der USt unterliegen die steuerbaren und steuerpflichtigen Umsätze (→ Steuerbarkeit, → Steuerbefreiungen gem. § 4 UStG).

Zu den Steuersätzen s. → Steuersätze bei der Umsatzsteuer.

Zur den Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs s. → Vorsteuerabzug.

5. Voranmeldungsverfahren

In der Praxis hat jeder Unternehmer eine Vielzahl von Eingangsumsätzen, denen eine mehr oder weniger große Zahl von ausgeführten Umsätzen gegenübersteht. Die Verrechnung der Vorsteuer mit der Steuer wird im Rahmen der monatlich bzw. vierteljährlich von den Unternehmern abzugebenden Voranmeldungen vorgenommen. Der Voranmeldungszeitraum ist grundsätzlich das Kalendervierteljahr (§ 18 Abs. 2 UStG).

Die → Voranmeldung ist bis zum 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums abzugeben. Gem. § 46 UStDV kann dem Unternehmer auf Antrag aber eine Dauerfristverlängerung gewährt werden (→ Dauerfristverlängerung bei der USt).

Im Zusammenhang mit der Voranmeldung werden immer auch die → Zusammenfassende Meldung und die → Meldung nach der Fahrzeuglieferungs-Meldepflichtverordnung genannt. Anders als die Voranmeldung dienen dieser aber nicht unmittelbar der Steuerberechnung, sondern ausschließlich dem Funktionieren des innergemeinschaftlichen Kontrollverfahrens.

6. Steuererklärungsverfahren

Der Unternehmer hat nach § 18 Abs. 3 UStG für das Kj. eine Steuererklärung abzugeben. Die Abgabefrist richtet sich nach den allgemeinen Abgabefristen für Steuererklärungen (§ 149 AO; → Abgabefristen von Steuererklärungen).

Beispiel 2:

Ein Unternehmer hat im Voranmeldungszeitraum Juli 07 Umsätze i.H.v. 100 000 € ausgeführt, die dem Steuersatz von 19 % unterliegen, und hat im gleichen Zeitraum selbst Rechnungen über empfangene Leistungen erhalten, in denen Vorsteuerbeträge von insgesamt 10 200 € ausgewiesen sind.

Lösung 2:

Die Zahllast für den Voranmeldungszeitraum Juli 07 errechnet sich wie folgt:

Gesamtbetrag der Entgelte

100 000 €

darauf 19 % Umsatzsteuer

19 000 €

abzugsfähige Vorsteuer

10 200 €

an das FA zu zahlen

8 800 €

7. Vorsteuer-Vergütungsverfahren

Ausländische Unternehmer, die keinen Sitz, Wohnort oder keine Betriebsstätte im Inland haben, können unter den Voraussetzungen des § 59 UStDV die ihnen gesondert in Rechnung gestellten Vorsteuern in einem besonderen Verfahren vergütet erhalten (→ Vorsteuervergütungsverfahren).

8. Besteuerungsformen

S.a. → Wechsel der Besteuerungsart, → Wechsel der Besteuerungsform.

Besteuerungsformen

Regelbesteuerung (§§ 1–18 UStG) – Normalfall

Besondere Besteuerungsformen

  • Besteuerung von Reiseleistungen (§ 25 UStG);

Kleinunternehmerbesteuerung (§ 19 Abs. 1 und 2 UStG)

  • Differenzbesteuerung (§ 25a UStG);

  • Besteuerung nach Durchschnittssätzen (§ 24 UStG);

  • Besteuerung nach allgemeinen Durchschnittssätzen (§ 23 UStG).

Abb.: Besteuerungsformen bei der Umsatzsteuer

9. Umsatzarten

Das UStG kennt die drei folgenden Umsatzarten:

  1. Lieferungen (→ Lieferung) und sonstige Leistungen (§ 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG; → Sonstige Leistung),

  2. Einfuhr (§ 1 Abs. 1 Nr. 4 UStG; → Einfuhrumsatzsteuer) und

  3. innergemeinschaftliche Erwerbe (§ 1 Abs. 1 Nr. 5 UStG; → Innergemeinschaftlicher Erwerb).

10. Steuerbarkeit der Umsatzarten

Je nach Umsatzart müssen die folgenden Tatbestandsmerkmale erfüllt sein:

Lieferungen, sonstige Leistungen

  1. Unternehmer,

  2. im Rahmen seines Unternehmens,

  3. im Inland,

  4. gegen Entgelt oder

  5. unentgeltlich: Lieferungen gem. § 3 Abs. 1b UStG oder sonstige Leistungen gem. § 3 Abs. 9a UStG

Einfuhr

  1. Gegenstand,

  2. Einfuhr,

  3. Warenweg: Drittlandsgebiet – Zollgebiet

Innergemeinschaftliche Erwerbe

  1. Eingangslieferung bzw. gleichgestellte Tatbestände (§ 1a Abs. 2 UStG),

  2. Warenweg: Gemeinschaftsgebiet – Inland,

  3. Erwerb von einem Unternehmen für ein Unternehmen oder von erwerbssteuerpflichtigen Rechtssubjekten i.S.v. § 1a Abs. 3 Nr. 1 UStG,

  4. Erwerb im Inland.

Abb.: Steuerbare Umsätze

11. Literaturhinweise

Horst, Vorauszahlungen im Steuerrecht – eine Übersicht über diverse Steuerarten, Steuer & Studium 2007, 124.

12. Verwandte Lexikonartikel

Abgabefristen von Steuererklärungen

Abzugsbesteuerung bei Bauleistungen

Agenturgeschäfte

Allgemeine Durchschnittssätze

Anschaffungskosten

Anzahlungen

Arbeitnehmerüberlassung

Arbeitszimmerüberlassung des Arbeitnehmers an den Arbeitgeber

Aufmerksamkeiten

Ausfuhrlieferung

Ausfuhrlieferungen im nichtkommerziellen Reiseverkehr

Ausland

Bauleistungen in der Umsatzsteuer

Behinderte

Bemessungsgrundlage

Berufsbildende Einrichtungen, Umsatzsteuerbefreiung

Bestechungs- und Schmiergelder

Betreuungsleistungen

Betrieb gewerblicher Art

Betriebsaufgabe

Betriebsaufspaltung

Betriebsveranstaltungen ab VZ 2015

Betriebsveräußerung

Betriebsvorrichtungen

Bewirtung und Mahlzeiten: Arbeitnehmer

Bewirtungsaufwendungen

Dauerfristverlängerung bei der USt

Dienstleistungskommission

Differenzbesteuerung

Durchlaufender Posten

Einbringung

Einfuhrumsatzsteuer

Einspruchsverfahren

Entgelt

Erbbaurecht

Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften

Existenzgründung

Existenzminimum, steuerliche Gesamtbelastung

Factoring

Firmenwagenüberlassung an Arbeitnehmer

Fiskalvertreter

Fitnessstudio

Forderungen

Garantieleistungen in der Kfz-Wirtschaft (Verhältnis Händler–Hersteller)

Garantieleistungen in der Kfz-Wirtschaft (Verhältnis Händler–Kunde)

Gemeinnützigkeit

Gesamtumsatz

Geschäftsreise

Geschäftsveräußerung

Gesellschafter-Geschäftsführer

Grundstücksgemeinschaften

Grundstücksumsätze, Umsatzsteuer

Grundstücksvermietung

Haftung

Haftung bei Forderungsabtretung

Häusliches Arbeitszimmer

Heilberufe

Hilfsgeschäfte

Incentive-Reisen

Inland

Innergemeinschaftliche Lieferung

Innergemeinschaftlicher Erwerb

Innergemeinschaftliches Dreiecksgeschäft

Istversteuerung

Kleinunternehmer

Kommissionsgeschäfte mit Gegenständen

Leistung

Leistungsaustausch

Liebhaberei

Lieferung

Lohnveredelung

Mitgliedsbeitrag

Mitunternehmerschaft

Nießbrauch

Organschaft

Ort der Lieferung

Örtliche Zuständigkeit

Personenbeförderung

Personengesellschaften

Pkw-Nutzung

Pkw-Überlassung an Gesellschafter-Geschäftsführer

Pkw-Überlassung durch eine Personengesellschaft

Preisgelder

Private Telefonnutzung

Rechnung

Reihengeschäft

Reiseleistungen nach § 25 UStG

Restaurationsumsätze

Sachbezüge

Säumniszuschlag

Schadensersatz

Schätzung

Schwimm- und Heilbäder

Sollversteuerung

Sonstige Leistung

Spendenabzug

Sprachheilpädagogen

Sprachkurse

Steueranmeldung

Steuerbarkeit

Steuerbefreiungen gem. § 4 UStG

Steuerfreie Umsätze, Vorsteuerabzug

Steuerordnungswidrigkeiten

Steuersätze bei der Umsatzsteuer

Steuerschuldner bei der Umsatzsteuer

Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers

Stille Gesellschaft

Tausch und tauschähnlicher Umsatz: Besonderheiten bei der Umsatzsteuer

Telekommunikationsleistungen

Trinkgelder

Umsatzsteuerpflicht bei Überlassung von Sportanlagen

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

Umsatzsteuerlagerregelung

Umzugskosten

Unentgeltliche Wertabgabe

Unfallkosten

Unrichtiger und unberechtigter Steuerausweis

Unternehmensvermögen

Unternehmer

Verdeckte Gewinnausschüttung

Verein

Verschaffung der Verfügungsmacht

Verspätungszuschlag

Verzicht auf Steuerbefreiungen nach § 9 UStG

Voranmeldung

Vorsteuerabzug

Vorsteuerberichtigung

Vorsteuervergütungsverfahren

Wechsel der Besteuerungsart

Wechsel der Besteuerungsform

Werbung

Werkleistung

Werklieferung

Zinsen

Zusammenfassende Meldung

Zweckbetrieb

 

Redaktioneller Hinweis:© Schäffer-Poeschel Verlag für Wirtschaft, Steuern, Recht, Stuttgart.

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