Häusliches Arbeitszimmer ab 2007

Mit dem Steueränderungsgesetz 2007 hatte der Gesetzgeber zunächst die Abzugsregelungen für ein häusliches Arbeitszimmer drastisch verschärft: Damals regelte er, dass die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer nur noch dann abziehbar sind, wenn das Zimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet. Ersatzlos gestrichen wurde damals der beschränkte Kostenabzug von 1.250 € pro Jahr, von dem insbesondere Lehrkräfte profitiert hatten.

Das Bundesverfassungsgericht stufte diese Verschärfung als verfassungswidrig ein und forderte den Gesetzgeber zur Nachbesserung des „Arbeitszimmer-Paragraphen“ auf. Allerdings verwarfen die Richter die verschärfte Rechtslage nicht gänzlich. Sie forderten lediglich rückwirkend zum 1.1.2007, dass das häusliche Arbeitszimmer auch in Fällen abziehbar sein muss, in denen dem Steuerzahler kein anderer Arbeitsplatz für die betriebliche oder berufliche Betätigung zur Verfügung steht.

Aufgrund der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgericht ruderte der Gesetzgeber schließlich zurück und regelte mit dem Jahressteuergesetz 2010, dass ein Arbeitszimmer wieder mit 1.250 € pro Jahr anzuerkennen ist, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dieses Zugeständnis galt rückwirkend für Jahre ab 2007.

Profiteure dieser gelockerten Gesetzeslage sind insbesondere Lehrer, denen in der Schule kein anderer Arbeitsplatz zur Vor- und Nachbereitung ihres Unterrichts zur Verfügung steht.

Hinweis: Das Lehrerzimmer stellt keinen „anderen Arbeitsplatz“ im Sinne des Arbeitszimmer-Paragraphen dar, sodass Lehrer wieder bis zu 1.250 € pro Jahr in ihrer Steuererklärung geltend machen können.

Das Bundesfinanzministerium hat mit Schreiben vom 2.3.2011 erklärt, wie die Finanzämter die durch das Jahressteuergesetz 2010 vorgenommenen Neuregelungen zur Abziehbarkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer verfahrensrechtlich umzusetzen haben.

Tipp: Die Kosten der Einrichtung Ihres Arbeitszimmers können Sie grundsätzlich immer als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehen, wenn es sich dabei um Arbeitsmittel handelt. Insoweit spielt es gar keine Rolle, ob die Gegenstände in einem begünstigten oder nicht begünstigten Arbeitszimmer stehen. Sie können die Aufwendungen für Bücherregal, Schreibtisch, Schreibtischstuhl, Aktenschrank etc. sofort absetzen oder – bei Anschaffungskosten über 410 € netto – über die Nutzungsdauer abschreiben.

Siehe auch den KONZ Steuertipp „Arbeitszimmer: Absetzbare Kosten“!


Fundstelle: § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG i.d.F. des JStG 2010, BVerfG,Beschluss vom 6.7.2010 - 2 BvL 13/09, BMF-Schreiben v. 2.3.2011 - IV C 6 - S 2145/07/10002
smartsteuer GmbH hat 4,55 von 5 Sterne | 371 Bewertungen auf ProvenExpert.com