Hohe Handwerkerrechnungen und Verluste

Sofern Sie Handwerkerleistungen getragen haben, aber im betreffenden Jahr gar keine Einkommensteuer zahlen mussten (z. B. weil Sie nur geringe Einkünfte oder Verluste erzielt haben), können Sie sich den Steuerbonus nicht in Form einer negativen Einkommensteuer erstatten oder als „Vortrag“ in Folgejahre herüberretten. Das geht aus einem Urteil des Bundesfinanzhofs hervor.

Die Richter stellten klar, dass der Verfall eines nicht ausgenutzten Steuerermäßigungsbetrags für Handwerkerleistungen verfassungsgemäß ist.

Der Fall:

Im entschiedenen Fall hatte ein Steuerzahler diverse Handwerkerleistungen in Anspruch genommen und dafür in seiner Einkommensteuererklärung eine Steuerermäßigung in Höhe von 600 € geltend gemacht. Steuerlich wirkte sich dieser Bonus leider nicht aus, weil die Einkommensteuer aufgrund seines zu versteuernden Einkommens auf 0 € festgesetzt wurde. Deshalb wollte er das Finanzamt dazu bewegen, den steuerlich nicht absetzbaren Betrag – den sog. Anrechnungsüberhang – als negative Einkommensteuer zu erstatten. Falls das nicht möglich sei, sollte das Finanzamt zumindest einen Anrechnungsüberhang feststellen, den er in andere Veranlagungszeiträume hätte zurück- bzw. vortragen können.

Das Urteil:

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass der Steuerzahler weder die Erstattung eines solchen Anrechnungsüberhangs noch die Feststellung einer rück- oder vortragsfähigen Steuerermäßigung beanspruchen kann.

Fazit: Sofern Sie keine Einkommensteuer zahlen, können Sie auch keine Handwerkerleistungen steuermindernd geltend machen.

Wer ist betroffen?

Derzeit fällt bei einem zu versteuernden Einkommen von 8.004 € (für Alleinstehende) bzw. 16.008 € (für zusammenveranlagte Ehepaare) keine Einkommensteuer an.

Tipp: In welchem Jahr Sie Handwerkerleistungen steuermindernd ansetzen dürfen, können Sie über den Zahlungszeitpunkt steuern. Sofern Sie absehen können, dass Sie in einem Jahr keine Einkommensteuer zahlen, sollten Sie die Auftragsvergabe an den Handwerker bzw. den Zahlungstermin möglichst so verschieben, dass die Zahlung in ein Jahr fällt, in dem Sie Einkommensteuer zahlen müssen.


Fundstelle: § 35a Abs. 3 EStG; BFH, Urteil v. 29.1.2009 - VI R 44/08, BStBl 2009 II S. 411
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