Mischkosten: Aufteilungsverbot gekippt! | smartsteuer

Mischkosten: Aufteilungsverbot gekippt!

Bisher war die Kombination von geschäftlichen oder beruflichen Reisen zu Kongressen, Tagungen und Seminaren mit einem privaten Aufenthalt (Urlaub) immer ein Problem. Die Finanzämter haben die Fahrt- bzw. Flugkosten meistens komplett gestrichen und das mit dem „Aufteilungs- und Abzugsverbot“ begründet. Der Bundesfinanzhof hat diese Praxis der Finanzämter allerdings im Jahr 2009 gekippt. In Zukunft dürfen die Kosten einer sowohl betrieblich oder beruflich als auch privat veranlassten Reise generell aufgeteilt werden und sind folglich zumindest anteilig abziehbar. Das gilt auch für die Kosten der An- und Abreise.

Im Streitfall hatte ein angestellter EDV-Controller eine viertägige Computermesse in Las Vegas besucht. Seine Reise dauerte insgesamt sieben Tage, weil er sich vorher und nachher noch aus privaten Gründen in der Stadt aufgehalten hatte. Das Finanzamt berücksichtigte nur die Tagungsgebühren als Werbungskosten. In einer Grundsatzentscheidung hat der Bundesfinanzhof jetzt klargestellt, dass die Kosten einer sowohl betrieblich oder beruflich als auch privat veranlassten Reise regelmäßig zumindest anteilig steuerlich absetzbar sind. In der Praxis wird das künftig in der Regel auf eine Aufteilung nach Tagen hinauslaufen.

Der Bundesfinanzhof hat damit eine Kehrtwende vollzogen und seine jahrzehntelang praktizierte Linie verlassen. Das immer wieder bemühte Aufteilungs- und Abzugsverbot gibt es danach gar nicht (mehr). In Zukunft sollen die einzelnen Kostenbestandteile einer Reise rein veranlassungsbezogen beurteilt werden.

Beispiel: Sie fliegen zu einem dreitägigen Kongress nach Paris und runden Ihren Aufenthalt danach noch mit einem viertägigen Urlaub ab. Nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs muss das Finanzamt vor allem die Flug- und Hotelkosten zumindest in Höhe von 3/7 berücksichtigen, weil dieses Verhältnis der beruflichen Veranlassung entspricht.

Tipp: Die Richter haben verdeutlicht, dass der Beschluss sich nicht nur auf gemischt veranlasste Reisekosten auswirken wird, sondern ganz allgemein im Betriebsausgaben- und Werbungskostenbereich zu berücksichtigen ist. Wenn also eine nicht nur untergeordnete betriebliche oder berufliche Mitveranlassung bestimmter Ausgaben feststeht, muss ein anteiliger Betriebsausgaben- bzw. Werbungskostenabzug erlaubt sein.

Jetzt könnte man auf die Idee kommen, das Finanzamt z. B. auch an den Kosten für Garderobe und Frisör zu beteiligen, weil sich normale Kleidung ja auch während der Arbeit abnutzt und die Haare auch auf einer Dienstreise wachsen. So weit reicht der Beschluss des Großen Senats allerdings nicht: Ein vollständiges Abzugsverbot gilt auch weiterhin für die unverzichtbaren Aufwendungen für die Lebensführung, die schon durch das steuerliche Existenzminimum pauschal abgegolten oder als Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen abziehbar sind (z. B. Kosten für bürgerliche Kleidung oder für eine während der Arbeit getragene Brille).

Hinweis: Die Finanzämter erkennen die Aufteilung gemischt veranlasster Reisekosten mittlerweile auch an! Das Bundesfinanzministerium hat die Finanzämter mit Schreiben vom 6.7.2010 entsprechend angewiesen; darin werden die Details zur Kostenaufteilung detailliert beschrieben.


Fundstelle: § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG; BFH, Beschluss v. 21.9.2009 - GrS 1/06, siehe auch Pressemitteilung Nr. 1 v. 13.1.2010; BMF-Schreiben v. 6.7.2010 - IV C 3 - S 2227/07/10003, BStBl 2010 I S. 614

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