Semestergebühren und Kindergeld | smartsteuer

Semestergebühren und Kindergeld

Die Finanzämter zählen bei Studenten von sich aus Studiengebühren zu den abziehbaren besonderen Ausbildungskosten. Übliche Semester- oder Rückmeldegebühren stellen nach Ansicht des Fiskus sog. Mischkosten dar. Aus Vereinfachungsgründen wird bisher (nur) der darin enthaltene Verwaltungskostenbeitrag berücksichtigt, nicht aber die in den Gebühren enthaltenen Aufwendungen für das Studententicket.

Das hält der Bundesfinanzhof für falsch: Im Streitfall wollte der Kläger für seinen an der Universität studierenden Sohn Kindergeld beanspruchen. Die Familienkasse lehnte das ab, weil die vom Sohn erzielten Einkünfte den maßgeblichen Jahresgrenzbetrag (zurzeit 8.004 €) überschritten hätten. Die Familienkasse ließ die vom Sohn bezahlten Semestergebühren, die er zur Fortsetzung des Studiums zahlen musste, nicht zum Abzug zu. Dagegen klagte der Vater erfolgreich von dem Finanzgericht, das entschieden hatte, die Semestergebühren seien insgesamt als ausbildungsbedingter Mehrbedarf abziehbar, so dass die Einkünfte des Sohnes nicht über dem maßgeblichen Jahresgrenzbetrag lägen.

Der Bundesfinanzhof hat sich der Ansicht des Finanzgerichts angeschlossen. Er stellte sich gegen die Auffassung des Fiskus, wonach die Semestergebühren Mischkosten darstellen und darin enthaltene Einzelpositionen nur dann abziehbar sind, wenn die erhebende Institution diese getrennt ausweist. Die Semestergebühren stellen insgesamt ausbildungsbedingte Mehraufwendungen dar. Denn der Studierende ist gezwungen, diese Gebühren in voller Höhe zu zahlen, wenn er sein Studium aufnehmen oder fortsetzen will.

Die Richter verneinten auch insoweit eine schädliche private Mitveranlassung, als der Studierende durch deren Zahlung privat nutzbare Vorteile (z. B. Semesterticket) erlangt. Maßgeblich hierfür ist, dass der Studierende nicht frei über den Erwerb solcher mit der Semestergebühr entgoltener Leistungen entscheiden kann. Schließlich steht dem Abzug der Kosten für ein in der Semestergebühr enthaltenes Semesterticket auch nicht entgegen, dass die Kosten des Studierenden für die Fahrten zwischen seiner Wohnung und der Universität schon mit den Sätzen der Entfernungspauschale berücksichtigt werden. Die Abgeltungswirkung der Entfernungspauschale greift nicht ein, weil die Aufwendungen für ein über die Semestergebühr erhaltenes Semesterticket nicht durch die Fahrten zwischen Wohnung und Universität veranlasst seien.

Tipp: Ab 2012 gibt es beim Kindergeld eine Vereinfachung: Der Gesetzgeber hat die Einkünfte- und Bezügegrenze von 8.004 € im Jahr gestrichen. Damit können die Eltern Kindergeld grundsätzlich bis zum 25. Geburtstag des Kindes erhalten, wenn es sich in Schul-, Hochschul- oder Berufsausbildung befindet oder eine Berufsausbildung mangels Ausbildungsplatzes nicht beginnen oder fortsetzen konnte.

Achtung: Wenn Ihr Sprössling eine zweite Berufsausbildung oder ein Zweitstudium absolviert, darf er ab 2012 nebenher höchstens 20 Stunden pro Woche erwerbstätig sein. Wie viel das Kind dabei verdient, spielt aber keine Rolle. Das Kindergeld ist Ihnen auch sicher, wenn sich Ihr Kind in einem Ausbildungsdienstverhältnis befindet oder einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis nachgeht.


Fundstelle: BFH, Urteil v. 22.9.2011 - III R 38/08, www.bundesfinanzhof.de; Steuervereinfachungsgesetz 2011, BGBl. I 2011 S. 2131

Schlagworte:
smartsteuer GmbH hat 4,69 von 5 Sternen | 984 Bewertungen auf ProvenExpert.com