Steuererklärung 2011 und Neuerungen 2012

Was muss für die Steuerklärung 2011 beachtet werden?

Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags: Bereits rückwirkend für das Jahr 2011 können höhere Werbungskosten geltend gemacht werden: Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag wurde von 920 auf 1.000 € erhöht. Bis zu dieser Grenze werden Werbungskosten, also Aufwendungen, die dem Joberhalt bzw. -erwerb dienen, z. B. Fahrtkosten, Fachliteratur, Kontoführungsgebühren oder Bewerbungskosten pauschal berücksichtigt.

Steuerermäßigung für Handwerkerleistungen: Wenn Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen bereits öffentlich gefördert werden – beispielsweise über ein KfW-Programm oder andere zinsverbilligte Darlehen und steuerfreie Zuschüsse – ist dafür eine Steuerermäßigung ausgeschlossen. Hiermit sollen Doppelförderungen vermieden werden. Ansonsten beträgt die Steuerermäßigung aber weiterhin 20 % des Arbeitslohns, maximal jedoch 1.200 € pro Jahr.

Doppelte Haushaltsführung: Eine doppelte Haushaltsführung wird nun auch dann anerkannt, wenn Arbeitnehmer ihren Lebensmittelpunkt vom Beschäftigungsort wegverlegen, aber dort, wo sie arbeiten, einen Zweitwohnsitz behalten. Voraussetzung ist allerdings, dass ein Rückumzug zum Arbeitsort weder geplant ist noch feststeht. Weiterhin sollte die Wohnung nicht größer als 60 qm sein. Bei größeren Wohnungen müssen die Kosten anteilsmäßig selbst getragen werden.

Höherer Steuerfreibetrag für ehrenamtliche Vormünder, rechtliche Betreuer und Pflegschaften: Ehrenamtliche Vormünder, rechtliche Betreuer und Pfleger können ab 2011 für ihre Aufwandsentschädigungen eine Steuerbefreiung von bis zu 2.100 € pro Jahr in Anspruch nehmen. Bisher waren es maximal 500 €.

Rente und Steuern: Für Neu-Rentner ab 2011 liegt der Anteil der gesetzlichen Rente, der versteuert werden muss, bei 62 %. Damit müssen Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung bis zu einem Betrag von 15.600 € jährlich bzw. 1.300 € monatlich (Verdoppelung bei Ehegatten) nicht versteuert werden, sofern keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte vorliegen. Kommen zur gesetzlichen Rente zusätzliche Einkünfte wie Betriebsrenten, Privatrenten oder Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung etc. hinzu, besteht die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung.

Empfangene Sozialleistungen verpflichten zur Abgabe einer Steuererklärung: Für das Kalenderjahr 2011 müssen alle Träger von Sozialleistungen ihre gewährten Leistungen bis zum 28.2.2012 elektronisch an die Finanzverwaltung übermitteln. Erstmals fallen auch Eltern- und Krankengeld unter diese mitzuteilenden Leistungen. Für betroffene Bürger entsteht durch die erhaltenen Leistungen die Pflicht, eine Steuererklärung abzugeben. Die Leistungen als solche sind zwar steuerfrei, wirken sich aber auf die Höhe des Steuersatzes aus, so dass es in einzelnen Fällen zu Steuernachzahlungen kommen kann.

Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastung: Um Kosten im Krankheitsfall als außergewöhnliche Belastung im Rahmen der Steuererklärung für das Jahr 2011 geltend zu machen, muss die Notwendigkeit der entsprechenden Aufwendungen durch eine vor Beginn der Heilmaßnahme oder dem Erwerb eines medizinischen Hilfsmittels ausgestellte Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers nachgewiesen werden. Bei bestimmten (Heil-)Maßnahmen, z. B. einer Kur, ist darüber hinaus ein im Vorfeld ausgestelltes amtsärztliches Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung vorzulegen.

Was ändert sich ab 2012?

Die Änderungen für das Jahr 2012 gehen im Wesentlichen auf das Steuervereinfachungsgesetz 2011 zurück, das durch eine Reduzierung von Nachweisen und geänderten Vordrucken zu einem Abbau von Bürokratie beitragen soll.

Kindergeld und Kinderfreibetrag: Ab 2012 haben Eltern von volljährigen Kindern zwischen 18 und 25 Jahren unabhängig von der Höhe eines eigenen Verdienstes der Kinder Anspruch auf Kindergeld bzw. Kinderfreibeträge. Die bislang geltende Einkommensgrenze von 8.004 € pro Jahr ist entfallen. Wird aber eine erste Berufsausbildung oder ein Erststudium abgeschlossen, besteht dieser Anspruch nur dann weiter, wenn die volljährigen Kinder nicht mehr als 20 Stunden pro Woche einer bezahlten Arbeit nachgehen.

Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten: Für Eltern ergeben sich deutliche Erleichterungen bei der steuerlichen Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten. Die Unterscheidung und der Nachweis von Erwerbstätigkeit der Eltern oder von Ausbildung, Krankheit und Behinderung entfällt. Lediglich die Kosten der Kinderbetreuung als solche, nicht aber mehr der Grund müssen belegt werden. In der Steuererklärung für das Jahr 2012 können Kinderbetreuungskosten ab der Geburt des Kindes bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres somit nun einheitlich mit zwei Drittel der Aufwendungen, maximal 4.000 € pro Jahr, als Sonderausgaben berücksichtigt werden.

Übertragung der Kinderfreibeträge: Nach bisheriger Rechtslage kann bei geschiedenen oder getrennt lebenden Eltern der Kinderfreibetrag auf einen Elternteil übertragen werden, wenn der andere Elternteil seiner Unterhaltspflicht dem Kind gegenüber nicht nachkommt. Diese Möglichkeit wird nunmehr um die Fälle erweitert, in denen der andere Elternteil mangels Leistungsfähigkeit nicht unterhaltspflichtig ist und soweit vom Jugendamt kein Unterhaltsvorschuss gewährt wird. Die Erweiterung der Übertragungsmöglichkeit des Kinderfreibetrags wirkt sich auch auf die Übertragung des Behinderten-Pauschbetrags aus. Neu ist auch, dass künftig der Elternteil, bei dem das Kind nicht wohnt, die Übertragung des Freibetrags für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf des Kindes auf den anderen Elternteil verhindern kann, wenn er Kinderbetreuungskosten trägt oder eigenen Betreuungsaufwand hat.

Entfernungspauschale: Die Berechnung der Entfernungspauschale ändert sich ab 2012: Werden verschiedene Verkehrsmittel genutzt, müssen die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel nicht mehr für jeden einzelnen Tag belegt werden. Nur wenn diese höher sind als die jährliche Entfernungspauschale von 4.500 €, ist ein Nachweis erforderlich.

„Riester-Sparer“: Ehegatten müssen einen Mindesteigenbetrag leisten. Um Rückforderungen von Zulagen bei der Riester-Förderung zu vermeiden, müssen Ehegatten („mittelbar Zulageberechtigte“) ab 2012 einen Mindestbetrag von 60 € zahlen.


Fundstelle: Oberfinanzdirektion Koblenz, vgl. Pressemitteilung v. 23.1.2012, www.fin-rlp.de
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