Steuerwirksame Spekulationsverluste | smartsteuer

Steuerwirksame Spekulationsverluste

Der Bundesfinanzhof hatte schon 2008 gegen den Fiskus entschieden, dass der Verkauf von Gegenständen des täglichen Gebrauchs innerhalb eines Jahres nach Anschaffung steuerbar ist. Denn die entsprechende gesetzliche Regelung umfasse alle Wirtschaftsgüter im Privatvermögen. Dadurch konnten die durch einen Verkauf erzielten Verluste sich steuermindernd auswirken. Diese Entscheidung gilt auch für alle anderen privaten Gebrauchsgüter, sofern sie innerhalb der Spekulationsfrist mit Verlust verkauft werden, was regelmäßig der Fall ist. Egal ob Brautkleid, Wohnzimmercouch oder Flat-TV, wer sich für einen kurzfristigen Verkauf entscheidet, erzielt steuerwirksame Spekulationsverluste.

Achtung: Diese steuerzahlerfreundliche Rechtsprechung hat der Gesetzgeber ausgehebelt! Mit dem Jahressteuergesetz 2010 ist nämlich eine entsprechende Gesetzesänderung in § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG erfolgt: Private Veräußerungsgeschäfte mit Gegenständen des täglichen Gebrauchs sind innerhalb der Haltefrist von einem Jahr nicht mehr steuerbar. Verluste aus solchen Geschäften können also nicht mehr verrechnet werden.

Zur Begründung heißt es, dass beim Verkauf von Gegenständen des täglichen Gebrauchs (z. B. Gebrauchtfahrzeuge) aufgrund des Wertverlustes regelmäßig Verluste erzielt würden. Der Gesetzgeber hält es nicht für sachgerecht, solche typischen Verlustgeschäfte – die nicht mit der Absicht getätigt werden, Einkünfte zu erzielen – steuerrechtlich wirksam werden zu lassen. Die regelmäßig vorrangig zur Nutzung angeschafften Gebrauchsgegenstände würden in der Regel verkauft, um die Kosten der eigenen Nutzung zu minimieren, indem ein Teil der Anschaffungskosten durch einen Weiterverkauf aufgefangen werde. Der Verkäufer habe nicht die Erwartung, einen höheren Preis zu erzielen, als er selbst bezahlt hat. Das dürfte nur in Ausnahmefällen die Erwartung sein, z. B. beim Verkauf von Antiquitäten, Kunstgegenständen und Oldtimern.


Fundstelle: § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG; BFH, Urteil v. 22.4.2008 - IX R 29/06

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