Trainee-Programm und Kindergeld | smartsteuer

Trainee-Programm und Kindergeld

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Im Streitfall hatte die Tochter der Klägerin Germanistik, Anglistik und Wirtschaftswissenschaft studiert und an der Universität die Magisterprüfung abgelegt. Ihr Berufsziel war eine Tätigkeit im Bereich Presse, Public Relations oder Marketing. Nach dem Studium schloss sie mit einem Presseverlag einen auf ein Jahr befristeten Arbeitsvertrag als Trainee im Marketingbereich ab. Als Vergütung erhielt die Tochter nur 7.800 €. Im Anschluss an das Trainee-Programm erhielt sie eine Festanstellung als Marketingassistentin.

Die Familienkasse hatte es für den Zeitraum der Tätigkeit als Trainee abgelehnt, Kindergeld zu bewilligen, weil die Trainee-Anstellung kein Berufsausbildungsverhältnis im steuerrechtlichen Sinne gewesen sei. Für die Familienkasse endete die Berufsausbildung mit der Bekanntgabe des Ergebnisses der Magisterprüfung.

Das Finanzgericht Münster ist erfreulicherweise zu einem anderen Ergebnis gekommen: Die Richter stellten klar, dass zum „Begriff der Berufsausbildung nicht nur der erstmalige Erwerb theoretischer und praktischer Fähigkeiten“ zählt. Im Sinne einer Berufsqualifizierung sei als Ausbildung auch „die anschließende Vervollkommnung und Abrundung der erworbenen Erkenntnisse“ zu beurteilen, „sofern diese zur Förderung des angestrebten Berufsziels geeignet seien“.

Anders als bei einem insoweit nicht begünstigten Arbeitsverhältnis halten die Richter vor allem folgende Kriterien für entscheidend:

* Der Trainee kommt während seiner Tätigkeit mit sämtlichen für den künftigen Beruf relevanten Sachbereichen in Berührung,

* übernimmt hierbei qualifizierte – auf den bisherigen Ausbildungsstand aufbauende – Arbeiten,

* ist Unterweisungen und Korrekturen vorgesetzter Mitarbeiter unterworfen und

* das Gehalt orientiert sich der Höhe nach an einer Ausbildungsvergütung.

Diese Voraussetzungen waren im Streitfall erfüllt. Daher sahen die Richter die Trainee-Tätigkeit der Tochter der Klägerin als Berufsqualifikation an. Nur der Abschluss eines Hochschulstudiums genüge besonders im Presse- und Verlagswesen nicht, um das berufliche Anforderungsprofil ausreichend zu erfüllen. Die dafür notwendigen praktischen Fähigkeiten würden erst durch eine auf das Studium aufbauende Praktikums- oder Trainee-Zeit vermittelt.

Der Bundesfinanzhof hat das Urteil bestätigt. Seiner Ansicht nach kann sich ein Kind auch dann noch in Berufsausbildung befinden, wenn es nach einer erfolgreich absolvierten Ausbildung in ernsthafter und nachhaltiger Weise zusätzliche Qualifikationen erwirbt, sofern diese als Grundlage für die Ausübung des angestrebten Berufs geeignet sind.

Ob es sich bei einer Tätigkeit als Volontärin, als Trainee oder als bezahlte Praktikantin um eine Berufsausbildung oder um ein Arbeitsverhältnis handelt, hängt nicht von der Bezeichnung der Maßnahme ab. Entscheidend ist vielmehr, ob die Erlangung beruflicher Qualifikationen oder die Erbringung von Arbeitsleistungen im Vordergrund steht (im Streitfall: Tätigkeit als Marketing-Trainee nach Abschluss eines Hochschulstudiums).


Fundstelle: § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG; FG Münster v. 30.10.2008 - 4 K 4113/07 Kg, BFH, Urteil v. 26.8.2010 - III R 88/08, n.v.

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