Waschen von Kleidung mit Firmenemblem | smartsteuer

Waschen von Kleidung mit Firmenemblem

Welche Reinigungskosten sind abziehbar?

Das Finanzamt erkennt grundsätzlich nur Kosten für typische Berufskleidung als Werbungskosten an. Darunter fallen z. B. Arbeitskittel, Uniform (die nicht als herkömmliche Bekleidung genutzt werden kann), Blaumann, Sicherheitsschuhe, Arztmantel, Operationshose, Robe und Barett eines Richters sowie die Amtstracht eines Geistlichen. In Einzelfällen werden sogar Trainingsanzüge und Turnschuhe eines Sportlehrers anerkannt, sofern sich die Aufwendungen dafür (mengenmäßig) im Rahmen halten. Ansonsten gilt grundsätzlich, dass Aufwendungen für bürgerliche Kleidung (auch Anzug, Hemd und Krawatte eines Bankkaufmanns) nicht abziehbar sind.

Aufwendungen für die Pflege und die Reinigung von Berufskleidung können entsprechend der obigen Abgrenzung ebenfalls steuerlich absetzbar sein.

Die Meinungen darüber, was als typische Berufskleidung gilt, gehen aber zwischen Steuerzahlern und Finanzamt immer wieder so weit auseinander, dass sich auch die Gerichte mit dem Thema befassen müssen:

Urteil des Finanzgerichts Köln

Vor dem Finanzgericht Köln hatte ein bei den Stadtwerken angestellter Straßenbahnwagenfahrer geklagt, der 543 € für das Waschen verschiedener Kleidungsstücke, die er als Berufsbekleidung bezeichnete, als Werbungskosten absetzen wollte. Das Finanzamt berücksichtigte aber nur pauschal 150 € (und das nach Ansicht des Finanzgerichts Köln auch noch zu Unrecht!), weil nach bestimmten Erfahrungssätzen in einem Einpersonenhaushalt jährlich von einem Wäscheanfall von insgesamt 200 kg auszugehen sei und der Fahrer allein für die „Berufskleidung“ 857 kg angesetzt habe.

Damit sich die Richter ein eigenes Bild machen konnten, sollte der Fahrer die betreffenden Kleidungsstücke zur mündlichen Verhandlung mitbringen. Er zeigte ihnen also T-Shirt, Polohemd, Hemd, Sweatshirt, Pullover, Pullunder, Jeanshose, Jacke und Parker. Deren Untersuchung ergab, dass die Kleidungsstücke bis auf den Parker mit einem ca. 1,5 cm x 4 cm großen, aus einer Buchstabenkombination bestehenden Firmenemblem der Stadtwerke bestickt bzw. bedruckt waren. Nur beim Parker war der Zusatz „Bus und Bahn“ beigefügt. Die Embleme befanden sich auf der Brustseite der Kleidungsstücke und bei der Jeans seitlich im Hosenbund.

Die Richter fanden das Emblem und seine Platzierung unauffällig. In der heutigen Zeit sei die Bestickung/Bedruckung von bürgerlicher Kleidung mit Firmenemblemen oder -logos durchaus üblich und habe keine Unterscheidungsfunktion, die eine Qualifizierung als typische Berufskleidung rechtfertigen könnte. Die Kleidungsstücke mit dem Firmenemblem, die der Fahrer im Dienst trägt, behalten daher ihren Charakter als bürgerliche Kleidung. Dass er die Kleidungsstücke aufgrund der Anweisung seines Arbeitgebers im Dienst tragen muss, macht sie auch nicht zur typischen Berufskleidung. Die Reinigungskosten waren daher im Ergebnis nicht als Werbungskosten abziehbar.

Urteil des Finanzgericht Rheinland-Pfalz

Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz teilt diese Einschätzung! Die Richter haben den Fall einer Hauswirtschafterin untersucht, die ihre Kleidung mit dem Emblem Ihres Arbeitgebers versehen sollte. Die Entscheidung des Gerichts auch hier: Kleidungsstücke werden nicht allein durch das Aufnähen eines Firmenemblems zu typischer Berufskleidung. Daher sind auch die Kosten für ihre Reinigung nicht als Werbungskosten abziehbar.


Fundstelle: § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG, FG Köln, Urteil v. 28.4.2009 - 12 K 839/08; FG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 28.9.2010, 2 K 1638/09

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