1. Übersicht

Abnutzbare Wirtschaftsgüter (WG) lassen sich unterteilen in

  1. bewegliche WG, d.h. Sachen, Tiere und Scheinbestandteile (R 7.1 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 EStR);

  2. immaterielle Wirtschaftsgüter (» Immaterielle Wirtschaftsgüter) (R 7.1 Abs. 1 Nr. 2 EStR; » Firmenwert);

  3. unbewegliche WG, die keine Gebäude (» Gebäude, Begriff) oder Gebäudeteile sind (R 7.1 Abs. 1 Nr. 3 EStR);

  4. Gebäude und Gebäudeteile (R 7.1 Abs. 1 Nr. 4 EStR; » Gemischt genutzte Gebäude),

soweit sie zur Erzielung von Einkünften verwendet werden und einer wirtschaftlichen oder technischen Abnutzung unterliegen.

Abnutzbare WG des Anlagevermögens sind mit den Anschaffungs- oder » Herstellungskosten, vermindert um die planmäßige » Abschreibung nach § 7 EStG zu bewerten (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG). Eine Teilwertabschreibung ist nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG nur bei einer voraussichtlich dauernden Wertminderung zulässig.

2. Planmäßige Abschreibung (ohne Gebäude)

2.1. Einführung (Zweigleisigkeit der AfA)

Die Grundlage für die planmäßige » Abschreibung liefert das Handelsrecht. Gem. § 253 Abs. 3 Satz 1 HGB müssen bei Wirtschaftsgütern (WG) bzw. Vermögensgegenständen (VG), deren Nutzung zeitlich begrenzt ist, sog. planmäßige Abschreibungen vorgenommen werden.

Der für die Ermittlung der planmäßigen Abschreibungen aufzustellende Plan muss die Anschaffungs- oder Herstellungskosten auf die Geschäftsjahre verteilen, in denen der VG voraussichtlich genutzt werden kann. Zulässig ist handelsrechtlich jede Abschreibungsmethode, die den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB) entspricht. Das bedeutet, dass die Abschreibungsmethode zu einer sinnvollen Verteilung der Anschaffungs- oder » Herstellungskosten führen muss, die durch die wirtschaftlichen Gegebenheiten gerechtfertigt ist, und bei der keine willkürlichen stillen Reserven gebildet werden.

Steuerlich wiederholen § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG und § 4 Abs. 3 Satz 3 i.V.m. §§ 7 ff. EStG das gleiche Thema (Abschreibungspflicht bei abnutzbaren WG des Anlagevermögens), allerdings mit einer anderen Begrifflichkeit: Absetzungen für Abnutzung (AfA) und für Substanzverringerung.

Bei der Bewertung des abnutzbaren Anlagevermögens in der Steuerbilanz ist ausschließlich die Absetzung für Abnutzung bzw. für Substanzverringerung gem. § 7 EStG zulässig. Eine Abweichung von den in § 7 EStG geregelten Absetzungsmethoden ist nicht zulässig.

Durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) vom 28.5.2009 (BGBl I 2009, 1102) wurde die Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Ausübung steuerlicher Wahlrechte in § 5 Abs. 1 Satz 2 EStG abgeschafft. Die AfA-Methode muss also nicht mehr in Übereinstimmung mit der Handelsbilanz ausgewählt werden.

Die steuerlichen AfA-Regelungen gelten für alle Einkunftsarten (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 7 EStG) gleich.

2.2. Die planmäßige Absetzung für Abnutzung im Steuerrecht – Überblick

§ 7 EStG kennt vier reguläre AfA-Methoden:

  1. die lineare Abschreibung (§ 7 Abs. 1 Satz 1 und 2 EStG) für alle abnutzbaren Wirtschaftsgüter (auch » Immaterielle Wirtschaftsgüter),

  2. für nach dem 31.12.2008 und vor dem 1.1.2011 angeschaffte/hergestellte bewegliche WG des Anlagevermögens: die degressive Abschreibung (» Degressive Abschreibung) (in fallenden Jahresbeträgen; § 7 Abs. 2 EStG);

  3. die Leistungs-AfA (§ 7 Abs. 1 Satz 6 EStG) nur für bestimmte bewegliche Anlagegüter (die tatsächliche Leistung muss messbar sein) und

  4. die Absetzung für Substanzverringerung (AfS) gem. § 7 Abs. 6 EStG. Die AfS kommt nur bei Bodenschätzen (Bergbauunternehmen, Steinbrüchen, etc.) in Betracht; sie wird linear oder nach Maßgabe des Substanzverzehrs vorgenommen.

Die degressive Abschreibung wurde durch das Konjunkturpaket I für die Jahre 2009 und 2010 wieder eingeführt (» Degressive Abschreibung). Der AfA-Satz betrug für diese Jahre max. das Zweieinhalbfache der linearen AfA, aber höchstens 25 %.

Beispiel 1: zur Rechtslage für 2009/2010 angeschaffte/hergestellte WG des Anlagevermögens (Vergleich der linearen und degressiven AfA)

A stellt für seinen Betrieb (» Wirtschaftsjahr 1.5.–30.4.) her:

  1. Eine Hofpflasterung auf seinem Garagengrundstück für 24 000 €, betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer (ND) 20 Jahre; Zeitpunkt der Fertigstellung: 2.8.09;

  2. eine Krananlage für 120 000 €, ND zehn Jahre; Zeitpunkt der Fertigstellung: 2.3.10.

Es soll die günstigste AfA gewählt werden.

Lösung 1:

  1. Hofpflasterung als unbewegliches Wirtschaftsgut (H 7.1 [Unbewegliche Wirtschaftsgüter…] EStH 2012).

    AfA gem. § 7 Abs. 1 EStG

    Herstellungskosten (HK)

    24 000 €

    ./. AfA (5 % [1/20] der HK, anteilig mit 9/12)

    ./. 900 €

    Buchwert am 30.4.09

    23 100 €

  2. Krananlage als bewegliches Wirtschaftsgut

    AfA gem. § 7 Abs. 2 EStG

    Herstellungskosten (HK)

    120 000 €

    ./. AfA (25 % der HK, anteilig mit 2/12)

    ./. 5 000 €

    Buchwert am 30.4.09

    115 000 €

2.3. Die Leistungs-AfA gemäß § 7 Abs. 1 Satz 6 EStG

Die selten praktizierte Leistungs-AfA bei beweglichen WG setzt einen entsprechenden Leistungsnachweis über eine schwankende Nutzung voraus (R 7.4 Abs. 5 EStR). Für die Ermittlung der jährlichen AfA-Sätze bzw. AfA-Werte wird eine voraussichtliche Gesamtleistung benötigt. Diese lässt sich, soweit vorhanden, ggf. aus den Daten des Vorgänger-WG ermitteln.

Beispiel 2:

Die voraussichtliche Gesamt-Fahrleistung eines Lkw beläuft sich auf 200 000 km. Die » Anschaffungskosten des Fahrzeugs betragen 80 000 €. Die tatsächliche Jahresfahrleistung des Lkw wird nach dem km-Zähler im

  • 1. » Wirtschaftsjahr mit 90 000 km (= 45 % der Gesamtleistung),

  • 2. Wirtschaftsjahr mit 40 000 km (= 20 % der Gesamtleistung),

  • 3. Wirtschaftsjahr mit 70 000 km (= 35 % der Gesamtleistung) festgestellt.

Lösung 2:

Die Leistungs-AfA beträgt:

  • im 1. Wirtschaftsjahr 36 000 € (45 % der » Anschaffungskosten),

  • im 2. Wirtschaftsjahr 16 000 € (20 % der Anschaffungskosten) und

  • im 3. Wirtschaftsjahr 28 000 € (35 % der Anschaffungskosten).

2.4. Die Ausnahme: Absetzung für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung (§ 7 Abs. 1 Satz 7 EStG)

Diese Absetzung ist für alle WG, aber nicht neben der degressiven AfA zulässig (§ 7 Abs. 2 Satz 4 EStG). Sie ist in ihren Voraussetzungen mit der Teilwertabschreibung vergleichbar, setzt aber im Unterschied zu dieser eine dauernde Nutzungsbeeinträchtigung voraus. Die Absetzung für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung (AfaA) tritt neben die normale AfA.

Beispiel 3:

» Unternehmer U verunglückt mit einem gebrauchten Pkw (» Anschaffungskosten in 01: 20 T€) auf einer Dienstfahrt (01). Für den Pkw war eine ND von vier Jahren angesetzt. Er lässt den Pkw zunächst nicht reparieren, wodurch sich eine Verkürzung der ND auf zwei Jahre ergibt. In 02 erfolgt die Reparatur (Kosten 3 000 €); der Pkw ist »wiederhergestellt«.

Lösung 3:

Der durch den Unfall verursachte Schaden beeinflusst die ND des Pkw und stellt damit eine außergewöhnliche technische Abnutzung i.S.d. § 7 Abs. 1 Satz 7 EStG dar.

Zusätzlich zur normalen AfA von 5 T€ kann U in 01 als AfaA 3 T€ absetzen. Damit reduziert sich auch die AfA-Bemessungsgrundlage für die nächsten Jahre.

Gem. § 7 Abs. 1 Satz 7 Halbsatz 2 EStG führt der Wegfall der AfaA in 02 zu einer Zuschreibung der Reparaturkosten auf die fortgeführten » Anschaffungskosten. Die Reparaturkosten selbst sind in 02 als Betriebsausgabe absetzbar.

3. Bewertung der abnutzbaren Wirtschaftsgüter

3.1. Handelsrechtliche Bewertung des abnutzbaren Anlagevermögens

Die handelsrechtliche Bewertung der Positionen des Anlagevermögens ist wie folgt vorzunehmen:

  • Ausgangswert

    Anschaffungs-/» Herstellungskosten, vermindert um planmäßige Abschreibungen gem. § 253 Abs. 3 Satz 1 und 2 HGB i.V.m. § 255 Abs. 1 und 2 HGB.

  • Wertminderungen

    • Voraussichtlich dauernde Wertminderung: Niedrigerer Stichtagswert, zwingend gem. § 253 Abs. 3 Satz 3 Halbsatz 2 HGB.

    • Voraussichtlich vorübergehende Wertminderung: Verbot der außerplanmäßigen Abschreibung gem. § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB.

      Ausnahme: Wahlrecht bei Finanzanlagen gem. § 253 Abs. 3 Satz 4 HGB

  • Werterhöhungen

    Bei Wegfall der Voraussetzungen ist Wertaufholung (Obergrenze Anschaffungs-/» Herstellungskosten, vermindert um planmäßige Abschreibungen gem. § 253 Abs. 1 Satz 1 HGB) geboten gem. § 253 Abs. 5 Satz 1 HGB. Ein Wertaufholungsverbot besteht hingegen bei einem entgeltlich erworbenen Geschäfts- oder » Firmenwert.

Beispiel 4:

A hat am 2.1.01 für 30 000 € eine Maschine mit einer betriebsgewöhnlichen ND von zehn Jahren erworben. Nach einem Jahr Nutzung stellte sich heraus, dass die elektronische Steuerung der Maschine anfällig war. Wegen ständiger Unterbrechungen in der Betriebsbereitschaft konnte die Maschine im Jahr 02 nur zu 80 % ihrer normalen Auslastung genutzt werden. Am 31.12.03 beträgt der beizulegende Wert der Maschine 21 000 €, nachdem durch eine kleine Reparatur, nach dem Motto »gewusst wie«, die Störanfälligkeit auf Dauer beseitigt worden war.

Lösung 4:

Anschaffungskosten 01

30 000 €

./. planmäßige Abschreibung 01 und 02

./. 6 000 €

Zwischensumme

24 000 €

./. außerplanmäßige Abschreibung (20 %)

./. 4 800 €

Buchwert am 31.12.02

19 200 €

+ Zuschreibung 03 (4 800 € nach Reparatur)

+ 4 800 €

./. planmäßige Abschreibung 03

./. 3 000 €

Buchwert am 31.12.03

21 000 €

Hinweis:

Wenn es sich um eine voraussichtlich dauernde Wertminderung handelt, muss die außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen werden (§ 253 Abs. 3 Satz 3, letzter Halbsatz HGB). Die planmäßigen Abschreibungsbeträge hätten sich dann auf 2 400 € (19 200 €/8) bezogen auf die Restnutzungsdauer reduziert.

Nach der Reparatur mit endgültiger Mängelbeseitigung im Jahr 03 muss eine Zuschreibung auf 21 000 € (= 19 200 € + 4 800 € ./. 3 000 €) vorgenommen werden gem. § 253 Abs. 5 HGB.

3.2. Steuerrechtliche Bewertung des abnutzbaren Anlagevermögens

Die steuerrechtliche Bewertung der Positionen des Anlagevermögens ist wie folgt vorzunehmen:

  • Ausgangswert

    Anschaffungs-/» Herstellungskosten, vermindert um die Absetzung für Abnutzung (AfA) gem. § 7 und § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG;

  • Wertminderungen

    • Voraussichtlich dauernde Wertminderung: Niedrigerer Teilwert, Wahlrecht gem. § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG;

    • Niedrigerer Ansatz wegen Vornahme einer AfaA (§ 7 Abs. 1 Satz 7 EStG).

    • Minderung aus der Übertragung von steuerfreien Rücklagen, » Sonderabschreibungen, erhöhte Absetzungen bei Ausübung des Wahlrechts gem. § 5 Abs. 1 Satz 2 EStG;

  • Weitere Abschreibungen im Rahmen vernünftiger kaufmännischer Beurteilung sind nicht zulässig.

  • Werterhöhungen

    • Bei Wegfall der Voraussetzungen ist Wertaufholung geboten,

      Höchstwert: fortgeschriebene Anschaffungs- oder » Herstellungskosten bzw. fortgeschriebener Einlagewert; es sei denn, der Teilwert ist niedriger (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 EStG bzw. § 7 Abs. 1 Satz 6 EStG).

    • Nach vorheriger Minderung aus der Übertragung von steuerfreien Rücklagen, Sonderabschreibungen oder erhöhten Absetzungen ist die Wertaufholung zwingend.

Beispiel 5:

Der Sachverhalt entspricht dem vorherigen Beispiel.

Lösung 5:

Eine Abschreibung auf den niedrigeren Teilwert darf am 31.12.02 nur vorgenommen werden, wenn die Wertminderung voraussichtlich von Dauer sein wird. Die den Mangel voll beseitigende Reparatur im Jahr 03 führt zu dem Ergebnis, dass die Wertminderung nicht von Dauer ist. Eine Teilwertabschreibung auf den 31.12.02 ist deshalb nicht zulässig. Aus diesem Grund stellt sich die Frage nach der im Steuerrecht zwingenden Wertaufholung in diesem Fall nicht. Die Maschine ist in der Steuerbilanz am 31.12.02 mit 24 000 € und am 31.12.03 mit 21 000 € anzusetzen.

4. Insbesondere Teilwertabschreibung und Wertaufholung bei abnutzbaren Wirtschaftsgütern

4.1. Gesetzliche Vorschriften

Teilwertabschreibungen in der Steuerbilanz sind nur zulässig, wenn die Wertminderung voraussichtlich von Dauer ist (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2, § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG).

Wirtschaftsgüter (WG), die bereits am Schluss des vorangegangenen Wirtschaftsjahres zum abnutzbaren » Anlagevermögen des Unternehmers gehört haben, sind mit den um die AfA geminderten Anschaffungs- oder » Herstellungskosten anzusetzen, es sei denn, der Teilwert ist aufgrund einer voraussichtlich dauernden Wertminderung niedriger (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 EStG).

4.2. Anweisungen der Finanzverwaltung

Im BMF-Schreiben vom 25.2.2000 (BStBl I 2000, 372) hat die Finanzverwaltung dazu Stellung genommen, wie die voraussichtlich dauernde Wertminderung i.S.v. § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 und Nr. 2 Satz 2 EStG zu beurteilen ist. Ferner wird in dem Schreiben die zwingende Wertaufholung gem. § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 und Nr. 2 Satz 3 sowie § 7 Abs. 1 Satz 6 EStG erläutert.

Eine voraussichtlich dauernde Wertminderung bedeutet danach ein voraussichtlich nachhaltiges Absinken des dem Wirtschaftsgut innewohnenden Wertes unter den maßgeblichen Buchwert; eine nur vorübergehende Wertminderung reicht für eine Teilwertabschreibung nicht aus. Die Definition der voraussichtlich dauernden Wertminderung ist dem Handelsrecht entlehnt, so dass insoweit von einer Zusammenführung des Handels- und Steuerrechts gesprochen werden kann.

Die Wertminderung ist voraussichtlich nachhaltig, wenn der Steuerpflichtige mit dieser aus der Sicht des Bilanzstichtags aufgrund objektiver Anzeichen ernsthaft zu rechnen hat. Aus der Sicht eines sorgfältigen und gewissenhaften Kaufmanns müssen mehr Gründe für als gegen eine Nachhaltigkeit sprechen. Grundsätzlich ist von einer voraussichtlich dauernden Wertminderung auszugehen, wenn der Wert des WG am Bilanzstichtag die Bewertungsobergrenze während eines erheblichen Teils der voraussichtlichen Verweildauer im Unternehmen nicht erreichen wird. Wertminderungen aus besonderem Anlass (z.B. Katastrophen oder technischer Fortschritt) sind regelmäßig von Dauer. Zusätzliche Erkenntnisse bis zum Zeitpunkt der Aufstellung der Steuerbilanz sind zu berücksichtigen.

Hinweis:

Eine voraussichtlich dauernde Wertminderung ist somit anzunehmen, wenn der jeweilige beizulegende Wert an den Bilanzstichtagen während eines erheblichen Teils der Nutzungsdauer (ND) unter dem planmäßigen Buchwert liegt. Nach den Vorstellungen der Verwaltung ist eine dauernde Wertminderung beim » Anlagevermögen gegeben, wenn der jeweilige Stichtagswert mindestens für die halbe Restnutzungsdauer unter dem planmäßigen Restbuchwert liegt. Die verbleibende Restnutzungsdauer ist für bewegliche Wirtschaftsgüter nach den amtlichen AfA-Tabellen zu bestimmen (vgl. Tz. 6 des BMF-Schreibens vom 25.2.2000).

Beispiel 6:

Der Steuerpflichtige ist Eigentümer eines Bürogebäudes, das auf fremdem Grund und Boden errichtet ist. Zum 31.12.01 betragen die fortgeführten » Anschaffungskosten 200 000 €. Die Restnutzungsdauer liegt bei 25 Jahren, der jährliche AfA-Betrag beträgt 8 000 €. Aufgrund eines Überangebots an Büroraum ist der Teilwert zum 31.12.01 gem. einem entsprechenden steuerlich anzuerkennenden Gutachten auf 150 000 € gesunken. Bis zur Bilanzaufstellung Ende Mai 02 hat sich die Lage am Markt nicht entspannt.

Lösung 6:

Eine Teilwertabschreibung ist nicht zulässig. Die Minderung ist voraussichtlich nicht von Dauer, da der niedrigere Stichtagswert bei planmäßiger » Abschreibung schon nach etwa sieben Jahren, d.h. schon vor Ablauf von 50 % der Restnutzungsdauer, erreicht wird. Handelsrechtlich wäre aufgrund des gemilderten Niederstwertprinzips eine Abschreibung auf den niedrigeren beizulegenden Wert jedoch zulässig. Es könnte somit zu einer abweichenden Bilanzierung in Handels- und Steuerbilanz kommen.

4.3. Fazit

Der Ansatz des niedrigeren Teilwerts ist nur bei einer voraussichtlich dauernden Wertminderung zulässig. Eine dauerhafte Wertminderung wird dabei als ein nachhaltiges Absinken des Wertes unter den Buchwert definiert.

Damit kann eine Teilwertabschreibung erst dann in Betracht kommen, wenn der Teilwert niedriger als der planmäßige Restbuchwert ist.

Eine Teilwertabschreibung ist bei einer nur vorübergehenden Wertminderung nicht mehr möglich.

Dem Steuerpflichtigen wird bei dem Begehren des Ansatzes eines niedrigeren Teilwertes die Feststellungslast auferlegt (im Vergleich zum früheren Recht eine Umkehrung der Beweislast).

Eine Beibehaltung des niedrigeren Teilwertes für folgende Bilanzstichtage ist nur dann vorgesehen, wenn auch an diesen Stichtagen die dauernde Wertminderung vorliegt; ansonsten ist eine Zuschreibung zu den fortgeführten » Anschaffungskosten zwingend vorgeschrieben.

4.4. Wertaufholung beim abnutzbaren Anlagevermögen

Durch § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 und § 7 Abs. 1 Satz 6 Halbsatz 2 EStG wurde in das Gesetz eine zwingende Wertaufholung eingeführt und zwar dann, wenn der Steuerpflichtige nicht nachweisen kann, dass der Teilwert niedriger ist als der fortgeführte Buchwert (= » Anschaffungskosten abzgl. AfA). Die Feststellungslast wird dabei dem Steuerpflichtigen aufgebürdet.

Für die Frage der Wertaufholung kommt es nach Ansicht der Verwaltung (Tz. 34 des BMF-Schreibens vom 25.2.2000) nicht darauf an, ob die konkreten Gründe für die vorherige Teilwertabschreibung weggefallen sind. Auch die Erhöhung des Teilwertes aus anderen Gründen führt zu einer Korrektur des Bilanzansatzes.

Mit der Regelung von § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 und § 7 Abs. 1 Satz 6 Halbsatz 2 EStG wurde das ehemals bestehende steuerliche Wertbeibehaltungswahlrecht aufgehoben und ein striktes Wertaufholungsgebot normiert. Dieses gilt abweichend vom Handelsrecht rechtsformunabhängig.

Der Bilanzansatz ergibt sich für jeden Bilanzstichtag aus dem Vergleich der um die zulässigen Abzüge geminderten Anschaffungs-/» Herstellungskosten oder dem an diese Stelle tretenden Wert als Bewertungsobergrenze und dem niedrigeren Teilwert als Untergrenze.

Beispiel 7:

Der Unternehmer hat am 2.1.02 eine Maschine mit einer betriebsgewöhnlichen ND von zehn Jahren erworben. Die » Anschaffungskosten betrugen 30 000 €. Nach einem Jahr Nutzung stellte sich heraus, dass die elektronische Steuerung der Maschine anfällig war. Wegen ständiger Unterbrechung der Betriebsbereitschaft konnte die Maschine im Jahr 02 nur zu 80 % ihrer betriebsnormalen Auslastung genutzt werden. Der » Unternehmer nahm deshalb am 31.12.02 neben der linearen AfA von 10 % eine Teilwertabschreibung von 20 % auf den Buchwert vor und bilanzierte die Maschine am 31.12.02 mit 21 600 €.

Im Jahr 03 gelang es dem Techniker des Kundendienstes, die Steuerung der Maschine so zu reparieren, dass die Maschine von nun an störungsfrei arbeitete und voll eingesetzt werden konnte.

Lösung 7:

Da die Voraussetzungen für die Teilwertabschreibung am 31.12.03 weggefallen sind, muss zu diesem Stichtag eine Wertaufholung vorgenommen werden. Der Buchwert am 31.12.03 ist wie folgt zu ermitteln:

Anschaffungskosten

30 000 €

./. AfA für die Jahre 02 und 03

./. 6 000 €

Buchwert am 31.12.03

24 000 €

5. Literaturhinweise

Neufang, Teilwertabschreibung bei einem Geschäfts- oder Firmenwert, DStR 2012, 225; Schulze-Osterloh, Handelsrechtliche GoB und steuerliche Gewinnermittlung – Das Beispiel der Teilwertabschreibung, DStR 2011, 534; Schäfer, Wichtige Links für Rechnungswesenpraktiker – Online-Fachinfos zur außerplanmäßigen Abschreibung in der Handels- und Steuerbilanz, BC 2014, 232; Adrian/Helios: Teilwertabschreibung, voraussichtlich dauernde Wertminderung und Wertaufholung – Anmerkungen zum Entwurf eines BMF-Schreibens vom 17.1.2014, DStR 2014, 721; Meinel, Die Frage nach der Nutzungsdauer – neue Gestaltungsmöglichkeiten durch die Regelungen des BilMoG?, DStR 2011, 1724.

6. Verwandte Lexikonartikel

» Abschreibung

» Teilwertabschreibung