Steuertipps – Doppelter Haushalt ohne Kosten?

Die steuerliche Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung setzt unter anderem voraus, dass der Arbeitnehmer an seinem Erstwohnsitz einen eigenen Hausstand unterhält. Dieser Hausstand kann sich auch im Haus der Eltern befinden.

Arbeitnehmer, die bei ihren Eltern wohnen, können oft nicht glaubhaft machen, dass sie einen eigenen Hausstand an ihrem Erstwohnsitz unterhalten. Denn die Finanzämter setzen für die Annahme eines eigenen Hausstands voraus, dass sich der Arbeitnehmer nachweislich an den Kosten der Haushaltsführung beteiligt hat.

Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs ist die Kostentragung zwar keine zwingende Voraussetzung für die Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung, jedoch ein besonders gewichtiges Indiz. Das Gericht untersuchte einen Fall, in dem ein lediger Arbeitnehmer angegeben hatte, am Arbeitsort eine 64 qm große Dreizimmerwohnung als Zweitwohnung zu unterhalten und seinen Haupthausstand im Haus seiner Eltern zu führen. Dort bewohnte er im Dachgeschoss einen Schlafraum und einen Wohnraum mit einer Fläche von insgesamt 45 qm. Er nutzte zudem Küche, Bad und WC gemeinsam mit seinen Eltern.

Der Arbeitnehmer machte die Aufwendungen für die Zweitwohnung als Kosten der doppelten Haushaltsführung zunächst erfolglos in seiner Einkommensteuererklärung geltend. Das Finanzgericht erkannte die Kosten nicht an, weil der Arbeitnehmer bei seinen Eltern keinen eigenen Hausstand unterhalten habe. Insbesondere habe er nicht nachweisen können, dass er sich dort finanziell am Unterhalt eines Hausstands beteilige, was jedoch Voraussetzung für die Annahme eines eigenen Hausstands sei, so die Richter.

Der Bundesfinanzhof hat die Vorentscheidung aufgehoben und das Verfahren an das Finanzgericht zurückverwiesen. Die Richter erklärten, dass grundsätzlich auch ein alleinstehender Arbeitnehmer neben seinem Haupthausstand berufsbedingt einen weiteren Haushalt am Beschäftigungsort unterhalten und einen doppelten Haushalt führen kann. Entscheidend ist, an welchem Ort sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen des Arbeitnehmers befindet.

Nutzt der Arbeitnehmer eine Wohnung wie im Urteilsfall unentgeltlich, muss laut Bundesfinanzhof sorgfältig geprüft werden, ob die Wohnung als eine eigene Wohnung oder als die Wohnung des Überlassenden, z. B. der Eltern, zu behandeln ist. Im Rahmen dieser Prüfung ist der Umstand, ob der Arbeitnehmer für die Kosten des Haushalts aufkommt, zwar ein besonders gewichtiges Indiz für das Unterhalten eines eigenen Haushalts, aber keine zwingende Voraussetzung.

Fundstelle: Fundstelle: H 9.11 „Eigener Hausstand“ LStH; BFH, Urteil v. 21.4.2010 - VI R 26/09, vgl. Pressemitteilung Nr. 72 v. 18.8.2010, www.bundesfinanzhof.de