Steuertipps – Freiwillige Einkommensteuererklärung

Arbeitnehmer dürfen auch dann eine Einkommensteuererklärung abgeben, wenn sie dazu gar nicht gesetzlich verpflichtet sind (Antragsveranlagung). Eine solche freiwillige Abgabe lohnt sich, wenn sie zu einer Erstattung von bereits gezahlter Lohnsteuer führt.

Wer als Arbeitnehmer nicht ohnehin eine Steuererklärung abgeben muss (vgl. KONZ Steuertipp „Steuererklärungspflicht für Arbeitnehmer“), sollte deshalb stets prüfen, ob eine freiwillige Abgabe der Einkommensteuererklärung zu einer (anteiligen) Steuerrückerstattung führt.

Wann eine Steuerrückerstattung zu erwarten ist, lässt sich aufgrund des komplizierten deutschen Steuerrechts meist nur einzelfallabhängig und kaum pauschal beurteilen. Die Statistik spricht aber für sich: Das Statistische Bundesamt hat sich 2010 die Einkommensteuererklärungen des Jahres 2006 angeschaut und ist zu dem Ergebnis gelangt, dass 88 % der Arbeitnehmer durch die Erklärungsabgabe eine Steuererstattung erhalten. Das Statistische Bundesamt ermittelt und veröffentlicht solche Zahlen regelmäßig; siehe zuletzt Pressemitteilung Nr. 424 vom 18.11.2010. Bei Arbeitnehmern, die außer Gehalt/Lohn und Kapitaleinkünften keine anderen Einkünfte (z. B. aus Vermietung und Verpachtung) erzielt haben, lag die durchschnittliche Steuererstattung immerhin bei 823 €. Laut einer internen anonymen Statistik von smartsteuer erhalten steuerpflichtige Arbeitnehmer mit der Online-Steuererklärung von smartsteuer eine durchschnittliche Steuerrückerstattung von 1.069 €.

Insgesamt erhielten 11,9 Mio. Arbeitnehmer eine Steuererstattung, 1,1 Mio. mussten Steuern nachzahlen und bei 506.000 Arbeitnehmern hielten sich die vorab gezahlte Lohnsteuer und die festgesetzte Einkommensteuer die Waage.

Die folgende Übersicht listet Fälle auf, in denen sich die freiwillige Abgabe einer Einkommensteuererklärung regelmäßig lohnen dürfte:

  • Sie haben im letzten Kalenderjahr Nachwuchs bekommen.

  • Ihre Werbungskosten sind höher als der Werbungskosten-Pauschbetrag (1.000 €).

  • Sie haben nennenswerte Ausgaben für Ihre Altersversorgung bzw. sonstige Versicherungsbeiträge (Vorsorgeaufwendungen) geleistet.

  • Ihre übrigen Sonderausgaben (z. B. Spenden oder Kirchensteuer) übersteigen den Pauschbetrag (36 € bzw. 72 € bei Verheirateten).

  • Sie haben im letzten Jahr geheiratet.

  • Sie waren nicht das ganze Jahr über in einem Arbeitsverhältnis. Besonders lohnenswert ist die Erklärungsabgabe, wenn Sie nur ein paar Wochen (z. B. Ferienjob) auf Lohnsteuerkarte gearbeitet haben. Dann gibt es meist die komplette einbehaltene Lohnsteuer vom Finanzamt zurückerstattet.

  • Sie hatten erhebliche außergewöhnliche Belastungen zu tragen. Dazu gehören insbesondere Krankheits- oder Scheidungskosten.

  • Sie sind im Laufe des Jahres in eine günstigere Steuerklasse gewechselt und Ihr Arbeitgeber hat das noch nicht berücksichtigt (kein interner Jahresausgleich).

  • Sie haben im abgelaufenen Jahr haushaltsnahe Dienstleistungen und/oder Handwerkerleistungen bezahlt.

Tipp: Das „Schöne“ an der Antragsveranlagung ist, dass eigentlich nichts schief gehen kann. Haben Sie sich getäuscht und das Finanzamt fordert von Ihnen eine Nachzahlung, können Sie den gestellten Antrag (Abgabe der Erklärung) innerhalb der Einspruchsfrist problemlos zurücknehmen. Sie müssen dann lediglich innerhalb eines Monats Einspruch einlegen und die Abgabe der Steuererklärung schriftlich zurückziehen. Das Finanzamt muss Sie dann so behandeln, als hätten Sie die Erklärung gar nicht abgegeben.

Achtung: Natürlich wird das Finanzamt bei Erklärungsabgabe prüfen, ob bei Ihnen nicht eine der zahlreichen Fallgestaltungen vorliegt, die Sie zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichten (vgl. KONZ Steuertipp „Steuererklärungspflicht für Arbeitnehmer“). Sollte dies der Fall sein, bleibt die Steuernachforderung bestehen.

Tipp: Statt der Einspruchsmethode raten wir Ihnen, lieber im Vorhinein selbst auszurechnen, wie hoch Ihre Steuererstattung/Nachzahlung voraussichtlich ist. Mithilfe einer Steuer-Software – beispielsweise der smartsteuer Online-Steuererklärung – können Sie leicht auf einen Blick erkennen, ob sich die Erklärungsabgabe lohnt! Sofern Sie dann keinen „Mehrwert“ in der Erklärungsabgabe sehen, brauchen Sie erst gar nicht mit dem Finanzamt in Kontakt zu treten.

Fundstelle: § 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG