Steuertipps – Kosten der erstmaligen Berufsausbildung

Die Kosten einer erstmaligen Berufsausbildung sind nur begrenzt als Sonderausgaben abziehbar. Dagegen sind die Kosten einer weiteren Ausbildung voll abzugsfähig. Daher ist die Beurteilung wichtig, welche Ausbildungsmaßnahmen als Erstausbildung gelten.

Wenn das Finanzamt nämlich die erste und zweite Ausbildung anders zählt als Sie, ist die Enttäuschung groß. So ging es einem Steuerzahler, der 30.000 € in die Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer investiert hatte. Vorher hatte er sich zum Rettungssanitäter ausbilden lassen. Er betrachtete diese Maßnahme als Erstausbildung. Deshalb war er sicher, das Finanzamt in Form von vorweggenommen Werbungskosten an der teuren Pilotenausbildung beteiligen zu können. Doch das war ein Irrtum:

Das Finanzgericht Münster hat zwischen einer erstmaligen Berufsausbildung, deren Kosten steuerlich nur begrenzt berücksichtigt werden, und einer weiteren Ausbildung, deren Kosten voll abzugsfähig sind, eine klare Abgrenzung getroffen.

Im Streitfall hatte der Kläger im Rahmen des Zivildienstes über mehrere Monate eine Ausbildung zum Rettungssanitäter absolviert. Im Jahr 2005 begann er eine Ausbildung zum Verkehrsflugzeugführer und zahlte hierfür über 30.000 €. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit erzielte er erst ab Ende 2006, nachdem er eine Tätigkeit als Pilot aufgenommen hatte.

Das Finanzamt setzte die Einkommensteuer für das Jahr 2005 auf 0 € fest und berücksichtigte hierbei die Kosten der Pilotenausbildung als Aufwendungen für eine erstmalige Berufsausbildung des Klägers nur als Sonderausgaben in Höhe von 4.000 €. Einen Verlustvortrag in Folgejahre und damit eine Berücksichtigung der Aufwendungen in den Jahren, in denen der Kläger Einkünfte als Pilot erzielte, lehnte es ab.

Dagegen klagte der angehende Pilot. Seiner Ansicht nach sind seine Aufwendungen für die Pilotenausbildung in voller Höhe als vorweggenommene Werbungskosten zu berücksichtigen. Für das Jahr 2005 sei daher ein Verlust festzustellen, der in den Folgejahren zu seinen Gunsten zu berücksichtigen sei. § 12 Nr. 5 EStG stehe dem nicht entgegen, weil seine Ausbildung zum Rettungssanitäter als Erstausbildung anzusehen sei.

Dem hat sich das Finanzgericht Münster nicht angeschlossen: Eine Erstausbildung im Sinne des § 12 Nr. 5 EStG liege nur vor, wenn es sich um eine Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf (Ausbildung z. B. nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung) handle. Das sei der Fall, wenn der Beruf durch eine Ausbildung im Rahmen eines öffentlich-rechtlich geordneten oder hierzu vergleichbaren Ausbildungsgangs erlernt werde und deren Dauer bei einer Vollzeitausbildung mindestens zwei Jahre betrage. Das sei bei der Ausbildung zum Rettungssanitäter nicht der Fall, die nur eine Qualifizierungsmaßnahme darstelle. Daher sei die Pilotenausbildung des Klägers als erstmalige Berufsausbildung anzusehen.

Verfassungsrechtliche Bedenken gegen die Regelung des § 12 Nr. 5 EStG haben die Richter nicht.

Wegen der grundsätzlichen Bedeutung der Rechtssache hat das Gericht die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen.

Hinweis: Wenn es um den Kindergeldanspruch von Eltern geht, stellt sich die Problematik mit der staatlich anerkannten Berufsausbildung anders dar. In einem Fall, mit dem sich das Finanzgericht Köln befasst hat, ging es um eine Schulung zum Flugbegleiter. Hier hatte das Finanzamt argumentiert, die Schulung sei keine staatlich anerkannte Berufsausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz, und das Kindergeld abgelehnt. Dagegen stuften die Richter die Vorbereitung auf die Tätigkeit als Flugbegleiterin als Ausbildung ein und urteilten, dass den Eltern für diesen Zeitraum weiterhin Kindergeld zusteht (siehe KONZ Steuertipp „Kinder: Ausbildung zur Flugbegleiterin“).

Fundstelle: FG Münster, Urteil v. 6.5.2010 - 3 K 3347/07 F, vgl. Pressemitteilung des FG Münster Nr. 9 v. 14.7.2010, www.fg-muenster.nrw.de