Steuertipps – Kosten eines untypischen Arbeitszimmers

Arbeitnehmer und Selbständige können die Kosten für ihr häusliches Arbeitszimmer nur dann in voller Höhe abziehen, wenn der Raum der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit ist.

Daneben kommt seit 2007 nur noch ein beschränkter Kostenabzug von bis zu 1.250 € pro Jahr in Betracht, wenn dem Steuerzahler für seine betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. In allen weiteren Fallgestaltungen erkennt das Finanzamt die Arbeitszimmerkosten gar nicht an.

Es gibt jedoch noch eine weniger bekannte Hintertür, um einen Komplettabzug der Kosten zu erreichen: Die vorgenannten Abzugsbeschränkungen greifen nämlich nur, wenn es sich bei dem betrieblich bzw. beruflich genutzten Raum auch begrifflich um ein häusliches Arbeitszimmer handelt. Lässt sich der Arbeitsraum nicht als solches einordnen, sind die Kosten komplett abziehbar – ungeachtet der Frage, ob noch ein anderer Arbeitsplatz (z. B. im Betrieb) zur Verfügung steht oder ob der Raum der Tätigkeitsmittelpunkt ist.

Wann liegt ein häusliches Arbeitszimmer vor?

Der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers ist im Einkommensteuergesetz nicht näher definiert. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs fällt hierunter aber in erster Linie das häusliche Büro, d. h. ein Arbeitsraum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerzahlers eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer Arbeiten dient. Das häusliche Arbeitszimmer ist typischerweise mit Büromöbeln eingerichtet, wobei der Schreibtisch regelmäßig das zentrale Möbelstück darstellt.

Welche Räume unbeschränkt abziehbar sind

Räumlichkeiten, die ihrer Ausstattung und Funktion nach nicht einem Büro entsprechen, sind auch dann kein häusliches Arbeitszimmer, wenn sie mit dem privaten Wohnraum verbunden und deswegen in die häusliche Sphäre eingebunden sind.

Kein häusliches Arbeitszimmer ist nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs daher z. B. ein Lager, eine Werkstatt, eine Arztpraxis oder ein Ausstellungsraum. In diesen Fällen sind die durch die berufliche Nutzung veranlassten Aufwendungen deshalb grundsätzlich unbeschränkt als Werbungskosten/Betriebsausgaben abziehbar.

Auch ein zusätzlich angemieteter Raum im Keller oder Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses, der nicht zur Privatwohnung gehört, ist im Regelfall kein häusliches Arbeitszimmer, sondern ein (unbeschränkt abziehbares) außerhäusliches Arbeitszimmer.

Das Bundesfinanzministerium hat mit Schreiben vom 2.3.2011 zur begrifflichen Bestimmung eines häuslichen Arbeitszimmers Stellung bezogen.

Fundstelle: § 4 Abs. 5 Satz1 Nr. 6b EStG, BFH, Urteile v. 26.3.2009 - VI R 15/07, v. 26.2.2003 - VI R 160/99, v. 18.8.2003 - VI R 39/04, BMF-Schreiben v. 2.3.2011 - IV C 6 - S 2145/07/10002