Steuertipps – Studiengebühren in der Steuererklärung

Studiengebühren für den Besuch einer (privaten) Hochschule sind nicht als außergewöhnliche Belastungen bei der Einkommensteuer abziehbar.

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass Studiengebühren für den Besuch einer (privaten) Hochschule nicht zum außergewöhnlichen, sondern zum üblichen Ausbildungsbedarf gehören. Das gilt sogar, wenn die Gebühren im Einzelfall außergewöhnlich hoch und für die Eltern unvermeidbar sind.

Als außergewöhnliche Belastungen sind Kosten absetzbar, die Ihnen zwangsläufig entstehen und von denen die überwiegende Mehrzahl der Steuerzahler gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstands nicht betroffen ist. Das Gesetz sieht allerdings eine „zumutbare Belastungsgrenze“ vor, die nach einem Prozentsatz Ihrer gesamten Einkünfte ermittelt wird und den Familienstand sowie die Anzahl Ihrer Kinder berücksichtigt. Wie hoch Ihre individuelle zumutbare Belastung im Einzelfall ist, können Sie auf den Internetseiten der Oberfinanzdirektion Niedersachsen selber berechnen. Übersteigen die „allgemeinen“ außergewöhnlichen Belastungen diese Grenze nicht, verfallen die Kosten, tatsächlich kommt es also nicht zu einer steuerlichen Entlastung.

Der übliche Ausbildungsbedarf wird nach Ansicht des Bundesfinanzhofs in erster Linie durch Kindergeld und Kinderfreibetrag abgegolten. Damit sei eine Berücksichtigung zusätzlicher Kosten für den Unterhalt und die Ausbildung eines Kindes als außergewöhnliche Belastungen grundsätzlich ausgeschlossen.

Wenn Sie für ein volljähriges Kind, das sich noch in Berufsausbildung befindet, Anspruch auf Kindergeld bzw. Kinderfreibeträge haben und das Kind auswärtig untergebracht ist (z. B. an der Ausbildungsstätte vor Ort), steht Ihnen ein Ausbildungsfreibetrag (so genannter Sonderbedarfsfreibetrag) zu. Der Freibetrag beträgt 924 € pro Jahr, vermindert sich aber um die Einkünfte und Bezüge Ihres Kindes, die 1.848 € im Kalenderjahr übersteigen, sowie um Ausbildungszuschüsse aus öffentlichen Mitteln („BAföG“). Studiengebühren zählt der Bundesfinanzhof aber nicht zum Sonderbedarf, dieser Bedarf leitet sich nach Ansicht der Richter ausschließlich aus der auswärtigen Unterbringung des Kindes ab.

Im Streitfall hatten die Eltern für das Studium ihres 22-jährigen Sohnes an einer privaten Hochschule 7.080 € an Studiengebühren gezahlt. Ihr Versuch, diese Kosten in ihrer Einkommensteuererklärung als außergewöhnliche Belastungen geltend zu machen, scheiterte vor dem Bundesfinanzhof. Den Ausbildungsfreibetrag konnten die Eltern dagegen beanspruchen – allerdings nur, weil ihr Sohn auswärtig untergebracht war.

Tipp: Siehe auch den KONZ Steuertipp „Semestergebühren und Kindergeld“ zu der Frage, ob Semestergebühren als besondere Ausbildungskosten bei der Berechnung des Jahresgrenzbetrags (7.680 €) abzuziehen sind!

Fundstelle: § 33 Abs. 1, § 33a Abs. 2 EStG; BFH, Urteil v. 17.12.2009 - VI R 63/08, vgl. Pressemitteilung Nr. 14 v. 17.2.2010