Steuertipps – Verluste von Übungsleitern

Verluste aus einer nebenberuflichen Übungsleitertätigkeit können auch dann anzuerkennen sein, wenn die Einnahmen den steuerfreien Betrag nicht übersteigen. Das geht aus einer Entscheidung des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz hervor.

Verluste aus einer nebenberuflichen Übungsleitertätigkeit können auch dann anzuerkennen sein, wenn die Einnahmen unter dem steuerfreien Betrag liegen. Das geht aus einer Entscheidung des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz hervor.

Wenn Sie „nebenberuflich“ als Übungsleiter tätig sind, bleiben die erzielten Einnahmen daraus höchstens bis zu 2.100 € pro Jahr steuerfrei (vgl. § 3 Nr. 26 EStG). Übersteigen die Einnahmen den Betrag von 2.100 €, dürfen Ausgaben allerdings nur insoweit abgezogen werden, als sie 2.100 € übersteigen. Wie ist aber mit einem Verlust zu verfahren ist, wenn die Einnahmen unter dem Freibetrag liegen?

Diese Frage ist bisher noch nicht höchstrichterlich entschieden. Jetzt hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz untersucht, wie diese Verluste abzugsfähig sind.

Im Urteilsfall war der Kläger 2009 nebenberuflich als Tanzsportübungsleiter tätig. Aus der Übungsleitertätigkeit hatte er Einnahmen von 1.128 € erzielt. An Betriebsausgaben waren ihm 2.417,30 € entstanden, weshalb er beim Finanzamt die Berücksichtigung eines entsprechenden steuerlichen Verlusts beantragte. Das Finanzamt berücksichtigte den Verlust nicht und ging von Einkünften des Klägers aus selbständiger Arbeit von 0,00 € aus. Dieses Ergebnis begründete es so: Nur wenn und soweit die Einnahmen den steuerfreien Betrag überschreiten, kann eine Verrechnung mit den entsprechenden Ausgaben stattfinden. Weil die steuerfreien Einnahmen unter dem Freibetrag von 2.100 € lägen, könnten die Einkünfte des Klägers nur mit 0,00 € angesetzt werden.

Die Richter aber stärkten dem Tanzlehrer den Rücken: Ihrer Ansicht nach stellt der Gesetzeswortlaut zunächst klar, dass das Abzugsverbot auf den Betrag der steuerfreien Einnahmen begrenzt ist. Gesetzlich ist festgelegt, dass alle Aufwendungen abzugsfähig sind, die den steuerfreien Betrag übersteigen. Bei steuerfreien Einnahmen darf nämlich kein doppelter steuerlicher Vorteil dadurch eintreten, dass Aufwendungen berücksichtigt werden, die mit den steuerfreien Einnahmen zusammenhängen.

Im Urteilsfall besteht aber die Besonderheit, dass die Einnahmen den steuerfreien Betrag nicht übersteigen. Bei dieser Sachlage ist zu berücksichtigen, dass durch die gesetzliche Regelung generell eine Besserstellung etwa für nebenberufliche Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher erreicht werden soll. Keinesfalls ist eine Schlechterstellung beabsichtigt, die in Fällen wie dem vorliegenden aber einträte, würde man der Ansicht des Finanzamts folgen.

Die gesetzliche Regelung hat folgendes Ziel: Wenn die Einnahmen den Freibetrag unterschreiten, ist ein Abzug der diese Einnahmen übersteigenden Ausgaben möglich. Durch den Verlustabzug wird der Kläger auch nicht etwa doppelt begünstigt. Er wird im Vergleich zu einem hauptberuflich tätigen Übungsleiter durch die an sich eine Begünstigung bewirkende gesetzliche Regelung (§ 3 Nr. 26 EStG) nur nicht benachteiligt. Die Richter haben einen Verlustabzug in Höhe von 1.289,30 € zugelassen, der sich wie folgt berechnete:

Einnahmen 1.128,00 € minus 1.128,00 € (Freibetrag) = 0,00 €
Ausgaben 2.417,30 € minus 1.128,00 € (steuerfreie Einnahmen) = 1.289,30 €
= steuerpflichtige Einkünfte - 1.289,30 €

Fundstelle: FG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 25.5.2011 - 2 K 1996/10, vgl. Pressemitteilung v. 12.7.2011