Steuertipps – Werbungskosten: Fahrten zur Arbeit

Für Ihren täglichen Weg zur Arbeit können Sie die Entfernungspauschale ansetzen. Doch wie funktioniert das genau mit den Arbeitstagen, der Entfernung zur Arbeitsstelle, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Fahrgemeinschaften?

Die Entfernungspauschale von 0,30 € (höchstens 4.500 €) berücksichtigt das Finanzamt für jeden Arbeitstag, an dem Sie Ihre Arbeitsstätte aufsuchen, einmal – und zwar vom ersten Kilometer an (einfache Entfernung!). Der maximale Abzugsbetrag von 4.500 € pro Kalenderjahr („Kostendeckelung“) greift nicht, wenn Sie mit dem eigenen Pkw (oder Firmenwagen) zur Arbeit fahren. Nehmen wir an, dass Sie den täglichen Weg zur Arbeit von 30 km an 220 Tagen im Jahr zurücklegen. Die Entfernungspauschale wird dann so berechnet:

30 km x 0,30 € x 220 Tage = 1.980 €.

Die Entfernungspauschale können Sie unabhängig davon ansetzen, welches Verkehrsmittel Sie benutzen. Sie gilt einheitlich für

  • Kraftfahrzeug (Pkw, Motorrad),

  • Moped oder Mofa,

  • Fahrrad,

  • öffentliche Verkehrsmittel (Bus, Bahn, Straßenbahn, Fähre etc.),

  • Fahrgemeinschaft,

  • Fortbewegung zu Fuß.

Eine Ausnahme gilt allerdings für Flugkosten: Die Entfernungspauschale können Sie nicht für die reine Flugstrecke ansetzen. In solchen Fällen dürfen die tatsächlichen Kosten des Flugtickets als Werbungskosten abgesetzt werden. Anders sieht die Sache aber für den Weg zum Flughafen aus: Für diese Strecke können Sie die Entfernungspauschale ansetzen, und zwar unabhängig davon, ob Sie mit dem Taxi, der Bahn oder Ihrem Auto gefahren sind.

Arbeitstage

Bei einer normalen Fünf-Tage-Arbeitswoche erkennt das Finanzamt unter Berücksichtigung von Urlaubs- und Krankheitstagen regelmäßig 230 Fahrten pro Jahr an. Für eine Sechs-Tage-Woche (z. B. im Einzelhandel) sollten Sie aber problemlos 280 Arbeitstage geltend machen können.

Beachten Sie, dass Sie die Entfernungspauschale auch dann nur einmal pro Arbeitstag ansetzen können, wenn Sie Ihren Arbeitsplatz mehrmals am Tag aufsuchen, beispielsweise wegen Schichtdienst, zusätzlichen Arbeitseinsätzen oder Heimfahrten in der Mittagspause.

Entfernung zur Arbeitsstelle

Für die Berechnung der Entfernung zur Arbeitsstelle gilt grundsätzlich die kürzeste Straßenverbindung. Um Abweichungen festzustellen, kontrollieren Finanzbeamte entsprechende Eintragungen in der Steuererklärung gerne mittels Routenplaner und streichen dann nicht selten einen Teil der Kosten.

Benutzen Sie nicht die kürzeste Straßenverbindung, sondern eine längere Strecke, die aber verkehrsgünstiger ist (z. B. den Autobahnring statt den Weg durch die City), können Sie Ihrer Berechnung diese längere Strecke zugrunde legen, sofern Sie diese regelmäßig nutzen. Um sich später nicht dem Vorwurf der Steuerhinterziehung auszusetzen, empfiehlt es sich aber, direkt in der Steuererklärung auf die längere Umwegstrecke hinzuweisen.

Öffentliche Verkehrsmittel

Sie können die tatsächlichen Kosten absetzen, wenn Ihre Kosten für öffentliche Verkehrsmittel für die Fahrten zur Arbeit höher sind als die Entfernungspauschale für das gesamte Kalenderjahr. Haben Sie z. B. einen weiten Weg zur Arbeit und fahren erster Klasse oder müssen häufiger ein Taxi benutzen? Dann vergleichen Sie die tatsächlichen Kosten und die Entfernungspauschale. Den höheren Betrag setzen Sie als Werbungskosten ab. Ist der Abzug der tatsächlichen Kosten möglich, spielt die Kostendeckelung auf 4.500 € keine Rolle mehr.

Wenn Sie öffentliche Verkehrsmittel benutzen, sieht die Rechung für Sie im Grunde genommen genauso aus wie oben:

Angenommen, Sie fahren an 220 Tagen im Jahr 80 km mit dem Zug zur Arbeit und zahlen für Ihre Fahrkarten erster Klasse 300 € monatlich, macht dies 3.600 € im Jahr. Mit der Entfernungspauschale gerechnet, ergäbe sich folgender Betrag:

80 km x 0,30 € x 220 Arbeitstage = 5.280 € (Kostendeckelung auf 4.500 € erfolgt).

Da die tatsächlichen Kosten für die Fahrkarten mit 3.600 € geringer sind als die Kostendeckelung, sind letztlich maximal 4.500 € abzugsfähig. Wären die tatsächlichen Kosten höher als die Entfernungspauschale, könnten Sie die tatsächlichen Kosten absetzen. Deren Abzug wird nämlich nicht durch die Kostendeckelung begrenzt.

Die Entfernungspauschale wird übrigens auch dann nach der Straßenentfernung berechnet, wenn Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren. Die häufig davon abweichenden Tarifentfernungen z. B. der Bahn spielen keine Rolle.

Beispiel: Sie fahren mit der Bahn zur Arbeit. Die Tarifentfernung der Bahn beträgt 38 km. Zusätzlich gehen Sie von zu Hause bis zum Bahnhof noch einen Kilometer zu Fuß, ebenso vom Bahnhof zur Arbeit. Die kürzeste Straßenverbindung von Ihrer Wohnung zur Arbeit beträgt aber 45 km. Für die Berechnung der Entfernungspauschale kommt es ausschließlich auf die Straßenentfernung an. Ihre Werbungskosten belaufen sich also auf:

45 km x 0,30 € x 220 Arbeitstage = 2.970 €.

Das Sammeln Ihrer Fahrkarten zahlt sich besonders dann aus, wenn Sie nur einen kurzen Weg zur Arbeit haben, diesen mit Bus, Bahn oder Straßenbahn zurücklegen und dafür eine Zeitkarte nutzen. Gerade in diesem Fall sind die tatsächlichen Kosten höher als die Entfernungspauschale. Übrigens: Dass Sie Ihre Zeitkarte auch für Privatfahrten nutzen, spielt keine Rolle und führt nicht zu einer Kürzung Ihrer Werbungskosten.

Fahrgemeinschaften

Bei Fahrgemeinschaften kann jeder Teilnehmer für seine Entfernung zur Arbeit die Entfernungspauschale absetzen. Während sich die Mitfahrer an die Kostendeckelung von 4.500 € halten müssen, kann der Fahrer die Entfernungspauschale unbegrenzt abziehen. Wer einen Umweg fährt, um den Mitfahrer abzuholen, kann diese Strecken aber nicht ansetzen.

Steuerbegünstigte Leistungen des Arbeitgebers

Wenn Ihr Arbeitgeber

  • Ihnen ein Job-Ticket steuerfrei überlässt,

  • an Sie gezahlte Fahrgelder oder den Vorteil aus der Nutzung eines Firmenwagens mit 15 % pauschal versteuert oder

  • Ihnen als Beschäftigtem im Personennahverkehr über Personalrabatte steuerfrei die Fahrtmöglichkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln einräumt,

wird Ihnen das auf Ihre Entfernungspauschale angerechnet. Dass Ihr Arbeitgeber Ihnen solche Vorteile gewährt hat, erkennt der Finanzbeamte an dem Großbuchstaben F auf Ihrer Lohnsteuerbescheinigung, die Ihr Arbeitgeber dem Finanzamt elektronisch übermittelt.

Achtung: Wenn Sie von einer steuerfreien Sammelbeförderung durch Ihren Arbeitgeber profitieren, können Sie keine Entfernungspauschale geltend machen!

Besonderheiten bei behinderten Menschen

Behinderte Menschen können anstelle der Entfernungspauschale die tatsächlichen Aufwendungen für die Wege zur Arbeit ansetzen. Voraussetzung ist, dass

  • ihr Grad der Behinderung mindestens 70 beträgt oder

  • ihr Grad der Behinderung zwischen 50 und 70 liegt und sie in ihrer Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr erheblich beeinträchtigt sind.

Der Grad der Behinderung und die Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit müssen dabei durch amtliche Unterlagen nachgewiesen werden (z. B. Behindertenausweis).

Kein eigenes Auto

Auch wenn Sie kein eigenes Auto haben, müssen Sie die Deckelung der Entfernungspauschale auf 4.500 € nicht hinnehmen. Denn die „ungedeckelte Entfernungspauschale“ steht Ihnen auch dann zu, wenn Sie mit einem Ihnen zur Nutzung überlassenen Auto fahren, z. B. mit einem Firmenwagen, dem Wagen Ihres Ehemannes/Ihrer Ehefrau, Ihrer Eltern oder Ihres Lebenspartners.

Hinweis: Das Einkommensteuergesetz sieht keine besonderen Nachweispflichten vor, dass Sie tatsächlich ein Auto benutzen. Hier reicht es also auch aus, wenn Sie die Nutzung des Autos durch wahrheitsgemäße Angaben in der Steuererklärung glaubhaft machen. Bei großen Entfernungen kann das Finanzamt schon mal einen Nachweis über die Gesamtfahrleistung des Fahrzeugs verlangen. Bereiten Sie sich also ggf. darauf vor, indem Sie z. B. die Kilometerstände notieren, TÜV- und ASU-Berichte sowie Ihre Werkstattrechnungen aufbewahren.

Fundstelle: § 9 Abs. 1 Nr. 4, Abs. 2 EStG