17.06.2016 · smart steuern ·

Negativ- und Strafzinsen – was bedeutet das für Sparer?

Früher war zwar nicht alles besser, aber immerhin kriegte man bei seiner Bank auf sein Erspartes noch ganz ordentlich Zinsen. In den letzten Jahren wurden die aber immer weniger. Die Zinssätze kannten nur eine Richtung – und zwar nach unten hin zum Nullpunkt. Und mittlerweile sogar darüber hinaus – in den negativen Bereich. Also Geld dafür bezahlen, dass die Bank mein Geld „aufbewahrt“. Das klingt erstmal, sagen wir es so, merkwürdig. Wir versuchen das Problem der Negativ- und Strafzinsen zu erklären.

Vorab vielleicht noch eins: Natürlich hat die aktuelle Zinspolitik auch ihr Gutes: nämlich für Leute, die Kredite aufnehmen und relativ geringe Zinsen dafür zahlen. Aber in diesem Artikel soll es um die Sparerin und den Sparer gehen. Und die sind sozusagen bedroht – wenn sogar die gute alte Sparkasse angefangen hat, Gebühren für (hohe) Vermögen einzuführen.
Und diese Gebühren nennt man zumindest im Volksmund Negativzinsen.

Wirtschaft und Geldpolitik Hand in Hand

Woran liegt das nun? Kurze Antwort: An der wirtschaftlichen Entwicklung. Die stagniert weltweit, auch in der Euro-Zone. Kein Wirtschaftswachstum und konstante oder sogar leicht sinkende Verbraucherpreise – da schrillen bei den Währungshütern die Alarmglocken, bei uns also bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Logik dahinter: Weil die Preise schon so günstig sind, würden Verbraucher und Firmen Einkäufe verschieben – weil es ja bald noch billiger werden könnte.

Um die Wirtschaft (und die Preise) anzukurbeln, ist der Theorie nach „billiges Geld“ gefragt. Und deshalb hatte die EZB den Leitzins im März 2016 erstmals auf 0,0 Prozent gesetzt und bisher nicht geändert. Geschäftsbanken können sich also Geld leihen, für 0,0 Prozent Zinsen! Die Kehrseite der Medaille: Gleichzeitig verfügte die EZB einen Strafzins von 0,4 Prozent für bei ihr „geparktes“ Geld. Das soll ein Anreiz sein, das Geld lieber als Kredite unter die Leute zu bringen.

Weitergabe der Strafzinsen – ja oder nein?

Und nun sind wir endlich bei den Banken angekommen. Denn die müssen überlegen, was sie mit diesen Strafzinsen machen. Und immer mehr, darunter auch die bayerischen Sparkassen, bitten ihre Kunden zur Kasse – und versuchen so, den Strafzins zumindest teilweise auf ihn abzuwälzen. Bei den bayerischen Sparkassen soll das zuerst nur Kunden mit großem Vermögen betreffen, also im Millionenbereich. Entwarnung für Otto-Normal-Sparer heißt das aber noch lange nicht, im Gegenteil. Zwar sei kein Negativzins von einfachen Sparern geplant, hieß es. Aber ausschließen könne man es auch nicht. Man wisse schließlich nicht, wie lange sich die aktuelle Zinspolitik noch aushalten lasse.

Negativzinsen und die Steuern

Um dem ganzen Problem noch die Krone aufzusetzen: Negativzinsen lassen sich nicht mal als Verluste im Rahmen der Abgeltungsteuer von Gewinnen auf dem Kapitalmarkt abziehen. Die Begründung der Finanzbehörden: Negativzinsen seien ja eigentlich keine richtigen Zinsen, sondern eher eine Gebühr für die Aufbewahrung des Geldes. Und Gebühren würden schon im Sparerpauschbetrag von 801 Euro drinstecken. Wer also über diese Grenze kommt, kann seine Negativzinsen nicht mal von der Steuer absetzen…

Bleibt eigentlich fast nur, das Geld irgendwann ganz klassisch anzulegen – unter dem eigenen Kopfkissen.

 


Franziska Zachert Geschrieben von:

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