04.11.2016 · smart leben ·

Sparen Sie bares Geld mit dem Wechsel des Stromanbieters

Seit knapp 20 Jahren kann sich jeder für einen günstigen Stromtarif entscheiden. Doch die Realität zeigt: Viele Deutsche haben den Stromanbieter noch nie gewechselt. Sie bezahlen deshalb eine viel zu hohe Stromrechnung und verschenken mehrere hundert Euro pro Jahr. Dabei ist der Wechsel ganz einfach. Wir zeigen Ihnen, wie das geht, worauf Sie achten müssen und warum wir empfehlen, jedes Jahr den Anbieter zu wechseln.

Strompreise steigen immer weiter

Seit Jahren steigen die Strompreise aus den verschiedensten Gründen an. Vor kurzem ging durch die Medien, dass die sogenannte EEG-Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz zum 1. Januar 2017 von bisher 6,35 Cent auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde (kWh) steigt. Vermutlich werden viele Stromversorger das zum Anlass nehmen, die Preise beim Strom zu erhöhen. Sie geben mindestens diese Steigerung an den Kunden weiter und legen vielleicht sogar noch was oben drauf. Bis spätestens zum 19. November muss das Schreiben über die Preiserhöhung bei Ihnen eingegangen sein, wenn sie zum 1. Januar 2017 greifen soll.
Gegen diese allgemeine Preisentwicklung auf dem Strommarkt können Sie zwar nichts machen. Sie haben es aber in der Hand, durch einen Wechsel des Stromtarifs persönlich Geld zu sparen.

Vergleichsportale im Internet helfen

Los geht’s: Schauen Sie zuerst in Ihren Unterlagen, wie viel Strom Sie bisher im Jahr verbraucht haben und wie hoch die Jahresabschlussrechnung war. Prinzipiell könnten Sie jetzt im Internet oder gar per Telefon all die vielen hundert Stromanbieter abgrasen, um günstige Tarife zu finden. Schneller und verlässlicher sind Online-Vergleichsportale wie Check24 und Verivox. Die listen Ihnen nach Eingabe Ihrer Postleitzahl und Jahresverbrauch die besten Angebote auf. Wenn Sie keinen Jahresverbrauch zur Hand haben, wählen die Portale Durchschnittswerte abhängig von der Personenzahl aus. Vermutlich staunen Sie jetzt erstmal, wie wenig Sie da zahlen müssen. 200, 300 Euro weniger als bisher im Jahr sind dabei keine Ausnahme. Doch bevor Sie gleich loslegen, lesen Sie unbedingt den nächsten Absatz.

Gründliche Auswahl mit Filtern

Die beiden genannten Vergleichsportale bieten zahlreiche Einstellmöglichkeiten. Wir erklären, was Sie bedeuten und welche Sie wählen sollten.

  • Vertragslaufzeit: Je kürzer die Laufzeit, desto flexibler sind sie zwar, desto höher wird aber auch der Preis. In der Regel sind maximal 12 Monate der beste Kompromiss.
  • Preisgarantie: Hier gibt es keine Fragen, eine Preisgarantie für die gesamte Dauer der Vertragslaufzeit ist Pflicht. Bei einem Jahr also mindestens 12 Monate. Hinweis: Oft sind einige Bestandteile des Preises von der Garantie ausgenommen, etwa auch die oben genannte EEG-Umlage oder steigende Steuern. Sie haben bei solchen Preiserhöhungen aber immer ein Sonderkündigungsrecht.
  • Kündigungsfrist: Höchstens sechs Wochen sollten es sein.
  • Bonuszahlungen: Oft sind Jahrespreise nur günstig, weil Sie einen kräftigen Bonus enthalten. Unterschieden wird zwischen Neukunden- und Sofortbonus. Manchmal ist beides dabei. Den Sofortbonus gibt es in der Regel zwei bis maximal drei Monate nach Vertragsbeginn, den Neukundenbonus bei 1-Jahres-Vertrag nach Ablauf dieser Zeit mit der Jahresrechnung. Besonders hohe Boni sollten Sie misstrauisch machen, vertrauen Sie deshalb den Vergleichsportalen. Verivox hat „Boni, die unsere Richtlinien erfüllen“ als Auswahlmöglichkeit, bei Check24 lässt sich der Neukundenbonus auf 15 Prozent beschränken.
  • Vorkasse: Selbst wenn Vorkasse-Tarife eine größere Ersparnis bringen sollten, lassen Sie unbedingt die Finger davon. Geht der Anbieter pleite, ist Ihr Geld weg – und Sie müssen noch mal bei einem anderen Anbieter für den Strom bezahlen. Bleiben Sie also unbedingt bei der monatlichen Abschlagszahlung.   

Das Gute generell bei den Vergleichsportalen: Sie sehen bei allen Filtermöglichkeiten immer blitzschnell, welche Veränderungen damit einhergehen. Das gilt auch bei der Auswahl von Ökostrom. Achten Sie bitte darauf, dass bei den Vergleichsportalen ganz oben in der Trefferliste blau hervorgehobene Angebote stehen. Dabei handelt es sich um Anzeigen, die nicht die günstigsten Tarife darstellen. Die kommen erst darunter.
Bevor Sie sich endgültig für einen Anbieter entscheiden, schauen Sie unbedingt noch in die Kundenbewertungen auf der Seite des Vergleichsportals, aber auch im Internet über eine Google-Suche, etwa: „Anbietername Erfahrungen“.

Der letzte Schritt

Wenn Sie Ihre endgültige Wahl getroffen haben, geht alles schnell. Nach Eingabe Ihrer persönlichen Daten überprüft das Vergleichsportal Ihren Antrag auf Anbieterwechsel und leitet diesen an den neuen Stromanbieter weiter. Um die Kündigung beim bisherigen Anbieter müssen Sie sich in der Regel nicht kümmern, das macht der neue Anbieter für Sie. Ausnahmen: Die Kündigungsfrist läuft bald ab oder Sie machen Gebrauch vom Sonderkündigungsrecht nach einer Preiserhöhung. Nach wenigen Wochen ist der Anbieterwechsel in der Regel vollzogen.
Keine Sorge, falls etwas nicht auf Anhieb klappen sollte mit dem Wechsel. Sie sitzen nicht im Dunkeln, auch wenn der alte Vertrag abgelaufen ist – und der neue noch nicht angefangen hat. In solchen Fällen springt automatisch der alte Grundversorger ein.

Warum aber jährlich wechseln?    

So schwer ist der Wechsel des Stromanbieters wirklich nicht. Warum also nicht jedes Jahr aufs Neue schauen, ob man einen günstigeren Anbieter findet? Dass das Sinn macht, erkennt man schnell. Denn wie bei Zeitschriftenabos werden Neukunden von Stromanbietern mit Prämien (Boni) umworben. Die Hoffnung dabei ist, dass der Neukunde überzeugt ist und bleibt. Der Bonus ist also eine Investition in den Kunden, die sich für den Anbieter erst in den Folgejahren auszahlt. Denn die eigentlichen Strompreise (Preis pro KWh, Grundgebühr) unterscheiden sich gar nicht so groß. Meist kommt die große Ersparnis tatsächlich erst durch den Bonus. Und niemand kann Sie daran hindern, jedes Jahr aufs Neue als Neukunde bei einem anderen Anbieter zu erscheinen. Beachten Sie dabei aber vor allem die Kündigungsfrist des aktuellen Anbieters und setzen sich mindestens zwei Wochen vor diesem Termin eine Erinnerung im Kalender. Denn viele Anbieter rechnen damit, dass Kunden den Wechsel einfach verpassen, weil sie die Kündigungsfrist vergessen haben.

Zusammenfassung: Mit einem Wechsel des Stromanbieters lässt sich jedes Jahr aufs Neue bares Geld sparen.

Theresa Voigt Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Laura sagt:

    Sehr informativer Artikel. Vielen Dank Frau Voigt. Ich weiß worum ich mich am Wochenende kümmere 🙂

  • Avatar Thorbjørn sagt:

    We used a comparison website to find the best Ökostrom offer in our region and chose to pay per year for best price. However, after one year, just after prepaying the second year, the company filed for bankruptcy (see http://www.loewenzahn-energie.de/). This meant we could no longer get money back for the first year for power than we never used, and we never saw the prepaid money back either. It was a loss of about 1500 euro.

    So just a note of warning, to not only look at the price. On the other hand, this company had fine ratings as far as I can remember.

  • Avatar Alex sagt:

    Sehr guter Artikel. Aufpassen muss man jedoch auch, dass (wenn man den Wechsel im 2. Jahr verpasst) womöglich sogar mehr zahlt beim vermeintlichen Billigstrom als beim alten Grundversorger. Grund: Die Boni sind ja nur im 1. Jahr und im 2. Jahr bekommt man gar keine mehr. Das jährliche Wechseln ist also Pflicht. PS: Bei Gas ist es das gleiche.

  • Avatar Günter sagt:

    Bisher wechseln noch immer zu wenig Stromkunden den „Lieferanten“. Ein Grund weshalb die seit Jahren sinken Strompreise an die Kunden nicht weiter gegeben werden. Ich wechsele schon seit 18 Jahren die Stromanbieter. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht (auch in diesem Monat), dass die genannten Vergleichportale nicht die günstigsten Ergebnisse liefern. Der „Boni- unsinn“ und der Gewinn der Portale verschleiern wirklich echte Einsparungen.
    Ich habe die Erfahrung gemacht eigenes Suchen im Internet nach preis-günstigen Stromanbietern bringt wesentlich bessere Ergebnisse.

  • Avatar Pete sagt:

    Und wie verhält es sich mit der Steuererklärung, wenn man mehrmals pro Jahr den Strom-/Gasanbieter wechselt? Welche Fallstricke lauern dabei?


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