Häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen – das sollten Sie wissen!

Das Wichtigste in Kürze
  • Kosten für ein Arbeitszimmer sind grundsätzlich entweder als Werbungskosten (bei Angestellten) oder als Betriebsausgaben (bei Selbstständigen) in der Steuererklärung absetzbar.
  • Damit das Arbeitszimmer vom Finanzamt anerkannt wird, muss es immer ein abgeschlossener Raum sein. Die Arbeitsecke im Flur zählt daher nicht als Arbeitszimmer.
  • Das Arbeitszimmer muss nahezu ausschließlich für die berufliche Tätigkeit genutzt werden. Die private Mitbenutzung darf höchstens 10 Prozent betragen.
  • Erfüllen Sie die oben genannten Voraussetzungen nicht, können Sie die auf Grund der Corona-Pandemie eingeführte Homeoffice-Pauschale geltend machen. Im Rahmen dieser können Sie für jeden Tag, an dem Sie ausschließlich zuhause gearbeitet haben, 5 Euro – maximal jedoch 600 Euro im Jahr absetzen.

Viele Angestellte wünschten sich lange, wenigstens teilweise, zu Hause arbeiten zu können. Doch erst Corona machte das Homeoffice in großem Maßstab möglich. In diesem Artikel erfahren Sie, ob und wie Sie Ihr häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen können.

Kann ich mein Arbeitszimmer von der Steuer absetzen?

Kosten für ein Arbeitszimmer sind grundsätzlich entweder als Werbungskosten (bei Angestellten) oder als Betriebsausgaben (bei Selbstständigen) in der Steuererklärung absetzbar.

Für die steuerliche Berücksichtigung gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Das Arbeitszimmer stellt den „Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung“ dar. In diesem Fall sind die Kosten ohne Begrenzung absetzbar. Das Arbeitszimmer gilt als „Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit“, wenn Sie mehr als die Hälfte Ihrer Arbeitszeit dort verbringen. Also zum Beispiel drei von fünf Arbeitstage in der Woche.

2. Für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. In diesem Fall sind Kosten für ein Arbeitszimmer nur begrenzt in Höhe von max. 1.250 Euro pro Jahr absetzbar.

Damit das Arbeitszimmer vom Finanzamt anerkannt wird, müssen allerdings noch weitere Anforderungen erfüllt sein

Arbeitszimmer absetzen – die Voraussetzungen

Laut Definition des Gesetzgebers ist ein Arbeitszimmer immer ein abgeschlossener Raum. Die Arbeitsecke im Flur zählt daher nicht als Arbeitszimmer.

Darüber hinaus gilt, dass ein Arbeitszimmer nahezu ausschließlich für die berufliche Tätigkeit genutzt wird. Das bedeutet, die private Mitbenutzung darf höchstens 10 Prozent betragen. Eine private Nutzung als Wohnraum muss so gut wie ausgeschlossen sein. Wer auf Nummer sicher gehen und keine Probleme mit dem Finanzamt bekommen möchte, sollte daher z. B. kein Gästebett, Kinderspielzeug oder Sonstiges im Arbeitszimmer unterbringen.

Das sogenannte häusliche Arbeitszimmer gehört räumlich gesehen zur „privaten Lebenssphäre“ der steuerpflichtigen Person. Hier muss unter Umständen genauer hingeschaut werden: Ein Büro in der ansonsten privat genutzten Wohnung gehört eindeutig zur privaten Lebenssphäre. Das gilt auch für ein Arbeitszimmer im Keller eines Einfamilienhauses. Liegt das Arbeitszimmer in einer anderen Wohnung des gleichen Mehrfamilienhauses, zählt es eventuell schon als „außerhäusliches Arbeitszimmer“ – in diesem Fall wäre ein Komplettabzug der Raumkosten möglich.

Zählt eine Arbeitsecke als Arbeitszimmer?

Es ist Alltag in deutschen Wohnzimmern: In der Ecke befindet sich ein kleiner Schreibtisch mit PC und ein paar Akten. Hier wird abends noch schnell etwas für die Arbeit erledigt. Die Arbeitsecke ist also für den Beruf da und wird tatsächlich dafür genutzt. Können die Kosten dafür als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend gemacht werden? Leider nein. – Der BFH hat entschieden, dass Aufwendungen für ein Arbeitszimmer nicht aufgeteilt werden dürfen. Ein Wohnzimmer wird überwiegend privat genutzt und eine Aufteilung in eine berufliche oder betriebliche und private Nutzung ist nicht vorgesehen. Ein Arbeitszimmer muss ausschließlich oder nahezu ausschließlich zur Erzielung von Einkünften genutzt werden. Daher kommt ein anteiliger Abzug, wie für eine Arbeitsecke, nicht in Frage.

Was gilt, wenn mehrere Personen das Arbeitszimmer nutzen?

Nutzen mehrere Personen dasselbe Arbeitszimmer, kann jede von ihnen die eigenen Aufwendungen absetzen. Dabei genügt es, dass jede:r Nutzer:in die Tätigkeit im Arbeitszimmer im notwendigen Umfang tatsächlich verrichten kann.

Für den Abzug gelten jeweils die individuellen Abzugsvoraussetzungen (also unbegrenzter oder begrenzter Kostenabzug, siehe oben). Beim begrenzten Kostenabzug gilt der Höchstbetrag von 1.250 EUR laut eines BFH-Urteils vom 15.12.2016 für jede Person getrennt. Er ist für ein Arbeitszimmer daher mehrfach möglich, solange die anteiligen Kosten auch wirklich entsprechend vorlagen.

Welche Kosten für das Homeoffice lassen sich absetzen?

Bei den Kosten, die Sie für Ihr häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen können, unterscheiden wir zwischen Kosten, die anteilig anfallen und Kosten, die nur auf das Arbeitszimmer entfallen:

· Anteilig berechnete Kosten: Diese Kosten werden anteilig von den Kosten der Wohnung oder des Hauses berechnet. Dazu berechnen Sie das Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur Gesamtfläche. Daraus können Sie errechnen, welcher Anteil der Kosten für das Haus oder die Wohnung auf das Arbeitszimmer entfallen.

Gängige anteilige Kosten sind:

  • Miete,
  • Strom,
  • Heizung,
  • haushaltsnahe Dienstleistungen etc..

Kosten, die nur auf das Arbeitszimmer entfallen:
Kosten, die nur auf das Arbeitszimmer entfallen, werden nicht anteilig, sondern vollständig als Werbungskosten, berücksichtigt. Hierzu zählen vor allem

  • Renovierungskosten und
  • Einrichtungsgegenstände im Arbeitszimmer.

Arbeitsmittel im Homeoffice absetzen

Kosten für Einrichtungsgegenstände, die ausschließlich beruflich genutzt werden, können Sie als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Das gilt auch, wenn Sie kein anerkanntes Arbeitszimmer haben.

Gängige Beispiele für Arbeitsmittel sind der Bürostuhl, Schreibtisch, Computer oder Regale. Betragen die Nettokosten jeweils weniger als 800 Euro, können die kompletten Ausgaben im Jahr der Anschaffung abgesetzt werden. Höhere Nettokosten müssen eventuell über mehrere Jahre verteilt abgeschrieben werden.

Über welchen Zeitraum die Kosten abgeschrieben werden, ist je nach Gegenstand unterschiedlich – Auskunft darüber geben die AfA-Tabellen des Bundesfinanzministeriums. Für Schreibtische und andere Büromöbel wird eine Nutzungsdauer von 13 Jahren angenommen. Für Computer und Software gilt dahingegen seit 2021 eine einjährige Nutzungsdauer.

Die Homeoffice-Pauschale für 2020 und 2021

Erfüllen Sie nicht die oben genannten Voraussetzungen, um ein Arbeitszimmer steuerlich geltend zu machen, gibt es für die Steuerjahre 2020 und 2021 eine Alternative: Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Mobilarbeit wurde die Homeoffice-Pauschale eingeführt. Im Rahmen dieser können für jeden Tag, an dem ausschließlich zuhause gearbeitet wurde, 5 Euro – maximal jedoch 600 Euro im Jahr – abgesetzt werden. Das entspricht 150 Tagen im Homeoffice.

Der Vorteil: Hierfür müssen Sie keinerlei Nachweise zu entstandenen Ausgaben erbringen. Ausgaben für Arbeitsmittel können zusätzlich zur Pauschale abgesetzt werden.

Die Pauschale hat jedoch auch zwei Nachteile: Zum einen kann für Homeoffice-Tage keine Entfernungspauschale angesetzt werden, da hier natürlich die Fahrt zur ersten Tätigkeitsstätte entfällt. Zum anderen gibt es die Pauschale nicht zusätzlich zur Werbungskostenpauschale, sondern sie wird in diese mit eingerechnet. Das heißt, wer mithilfe von Homeoffice-Pauschale und anderen Werbungskosten (z. B. durch Pendlerpauschale, angeschaffte Arbeitsmittel etc.) nicht über 1.000 Euro kommt, bekommt von der Steuererleichterung nichts zu spüren.

Wo wird die Homeoffice-Pauschale in der Steuererklärung eingetragen?

Die Homeoffice-Pauschale wird in der Steuererklärung in der Anlage N (Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit) bei den Werbungskosten eingetragen. Dafür gibt es die Zeile 45, in der Sie die Anzahl der Tage angeben, an denen Sie ausschließlich Zuhause gearbeitet haben.

Nutzen Sie smartsteuer, müssen Sie sich nicht darum kümmern, was in welcher Zeile eingetragen wird. Das Programm fragt ganz einfach im Interviewmodus, an wie vielen Tagen Sie zuhause gearbeitet haben.

Lohnt sich die Homeoffice-Pauschale?

Die Homeoffice-Pauschale entlastet all diejenigen, die keinen abgeschlossenen Raum als Arbeitszimmer haben oder die nicht zu mindestens 50 Prozent zuhause gearbeitet haben.

Sind jedoch die Voraussetzungen für ein häusliches Arbeitszimmer erfüllt, werden Sie damit in der Regel besser fahren. Hier können Sie im Regelfall deutlich mehr als 600 Euro steuerlich geltend machen.

Über den Autor:

Stefan Heine

Stefan Heine

Stefan versteht als Fachanwalt für Steuerrecht selbst die Gesetze, die ihre eigenen Autoren verzweifeln lassen. Dabei widerlegt er das Gerücht, Juristen könnten nicht rechnen – zur Freude unserer Kunden und zum Ärger des Finanzamtes. Mit viel Ruhe sorgt Stefan für Ausgleich und Harmonie im smartsteuer Team.

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