26.06.2017 · smart steuern ·

Steuergerechtigkeit für alle?

Immer wieder gibt es Rekordmeldungen über steigende Staatseinnahmen und darüber, wie dieses Geld am besten verteilt wird. Ran an die Einkommensteuer heißt es dann eigentlich fast immer, die Steuerzahler sollen mehr Netto vom Brutto – also mehr Geld in der Tasche (oder auf dem Konto) – haben. Doch wie gerecht ist das eigentlich? Wie sieht die Belastung durch Steuern und Sozialabgaben eigentlich in den unterschiedlichen Einkommensklassen aus? Und was ist eigentlich der „Wal in der Badewanne“? Darüber hat sich Professor Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Gedanken gemacht – in seiner Kolumne in der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Direkte und indirekte Steuern

Wenn man oder auch wir von smartsteuer von der Steuer oder den Steuern sprechen, ist oft die Einkommensteuer gemeint. Aus gutem Grund, denn das ist die Steuer, die wir direkt spüren – als Arbeitnehmer ist das nichts anderes als die Lohnsteuer, die jeden Monat erhebliche Abzüge bei der Gehaltsabrechnung bringt. Neben der Einkommensteuer gibt es noch weitere, direkt spürbare Steuern: Das sind die Steuern, die Unternehmen zahlen, etwa Gewerbe- und Körperschaftsteuer.
Doch wer unseren Blog immer mal wieder liest, weiß: Da gibt es noch viele andere Steuern, von denen wir nicht so viel unmittelbar mitbekommen. An erster Stelle steht natürlich die Mehrwertsteuer, hinzu kommen unter anderem aber noch Versicherungssteuern, Energiesteuern, Tabak- und Alkoholsteuer, Grundsteuer, Kfz-Steuer und noch einige mehr. Sie werden indirekte Steuern genannt – und auch diese bezahlen wir, wenngleich wir es nicht immer merken. Das wichtigste an diesen indirekten Steuern: Sie sind nicht nach Leistungsfähigkeit (wie bei der Einkommensteuer) zu zahlen, sondern für jedermann gleich.
Es ist zum Beispiel ganz egal, ob ein Millionär oder ein Hartz-IV-Empfänger im Supermarkt einkauft: Beide zahlen die gleiche Mehrwertsteuer für den gleichen Einkauf. Mit dem Unterschied, dass den Millionär die Mehrwertsteuer kaum juckt, sie für Leute mit geringem Einkommen aber relativ gesehen ganz schön was ausmachen. Und deshalb fordert der DIW-Präsident: Senkt die Mehrwertsteuer, denn davon hätten auch Geringverdiener etwas.
Und wenn Sie jetzt sagen, das kommt mir bekannt vor: Wir hatten vor kurzem in unserer Reihe
„Steuerlatein“ im Teil 6 genau diesen Gedanken geäußert – und ein bisschen stolz sind wir jetzt schon, dass wir da einen sehr ähnlichen Gedanken hatten wie der absolute Fachmann.

Was ist nun der Wal in der Badewanne?

Dazu muss man sich nur diese Grafik aus dieser DIW-Studie anschauen.

steuerbelastung-perzentile-einkommen

(Quelle: Wer trägt die Steuerlast in Deutschland? Steuerbelastung nur schwach progressiv
Stefan Bach, Martin Beznoska, Viktor Steiner
In: DIW Wochenbericht 83 (2016), 51/52, S. 1207-1216
Abbildung 1: „Steuern und Sozialbeiträge in Prozent des Haushaltsbruttoeinkommens 2015„, S.1212)

Darin sind prozentual die Steuerbelastungen sowie die Sozialabgaben (Arbeitgeber und Arbeitnehmeranteil) abgebildet. Die Wissenschaftler sehen – mit viel Phantasie – in den Steuern die Badewanne und in den Sozialbeiträgen den Wal. Je weiter man nach rechts geht, desto höher ist das Einkommen. Man sieht einerseits, dass Einkommen- und Unternehmensteuern stark ansteigen – und der Großteil dieser Steuern von der reicheren Hälfte der Bevölkerung gezahlt wird. Andererseits ist aber auch klar erkennbar, dass gerade Wenigverdiener einen recht hohen Anteil ihres Einkommens für Steuern aufwenden – und besonders die Mehrwertsteuer spielt gemeinsam mit der Versicherungsteuer eine große Rolle.
In Zahlen: Ein Haushalt in der Gruppe der 10 Prozent mit dem niedrigsten Einkommen muss mehr als 20 Prozent seines Einkommens an indirekten Steuern zahlen, ein reicher Haushalt, der zu den 10 oberen Prozent zählt, hingegen dafür nur 8 Prozent seines Einkommens. Die untere Hälfte der Haushalte zahlt zwar nur 4 Prozent der gesamten Einkommensteuer, aber stolze 36 Prozent aller indirekten Steuern.
DIW-Präsident Marcel Fratzscher findet das ungerecht und plädiert für ein Absenken von indirekten Steuern, neben der Mehrwertsteuer sieht er auch bei den Energiesteuern (EEG-Umlage) Potenzial. Davon würden eben vor allem die Geringverdiener profitieren. Durchschnittsverdienern hingegen würde am meisten geholfen, wenn die Sozialbeiträge sinken würden und Personen mit hohem Einkommen würden vor allem von einer niedrigeren Einkommensteuer etwas haben.
Dem Fazit des Professors in der „Zeit“ können wir uns auf jeden Fall anschließen. Das Steuersystem ist für die meisten Deutschen nicht ungleich (ist es also schon in einer Form gerecht), lediglich die 25 Prozent der Geringverdiener würden relativ stark belastet. Doch das würden die politischen Parteien nicht gern hören. Immerhin: Vor kurzem berichtete die „Welt am Sonntag“ in einem Artikel, dass die Bundesregierung nun doch eine Senkung der Mehrwertsteuer prüft. Wir bleiben da auf jeden Fall am Ball.      


Juliane Bunte Geschrieben von:

Mach Dein Insiderwissen zu Geld!
Steuererklärung starten

LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Rainer Noack sagt:

    Die Rente haben Sie wohl dabei vergessen.
    Nach 3 Rentenerhöhungen und Mütterrente haben wir mal gerade eine Rente von : 1520,88 €. Da wir sehr gespart haben in der Jugend und uns kaum was geleistet haben wir nun zwar ein Haus und laut Staat reicht der Betrag zum Leben.Leisten können wir uns heute immer noch nichts.
    Dank Frau Merkel,wir kennen Sie und Ihre Raute !!!

  • Avatar Hans-Jürgen Ketz sagt:

    Liebe Steuerversteher, man hört und liest von Unsummen von Steuereinnahmen
    und Überschüssen. Ich würde gerne einmal etwas über die RENTENSTEUER
    erfahren. Von keiner Organisation, keiner Partei oder Gewerkschaft hört man
    etwas gegen die RENTENSTEUER. Ich habe bereits einige Versuche unternommen etwas konkretes von z. B. Herrn Dr. Schäuble oder von
    Frau Nahles zu diesem Thema zu erfahren oder zu hören, aber nein, still ruht
    der See. Ich Frage Sie heute mal ganz direkt, warum hört man zu dieser Steuer nichts ? Vielleicht finden Sie ja den Grund für diese Stille.
    mfg. H. – J. K.

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Guten Tag Herr K.,
    meinen Sie die Besteuerung der Rente über die Einkommensteuer?
    Dieses Thema war bereits öfters in den Medien und wurde auch bei uns im Blog schon
    besprochen.

  • Avatar Oliver Klitch sagt:

    1500 Euro Rente und Sie können sich nichts leisten ?
    Dann wirtschaften Sie einfach nur schlecht.
    Haus abbezahlt also nur steuern für das Haus, Ausgaben für auto und verpflegung

    Andere müssen von 1500 Euro ihre Familie ernähren, inklusive Kinder.
    Da spreche ich insbesondere von Handwerkern die wirklich hart arbeiten und dennoch von Monat zu Monat leben müssen weil der Staat für alles Steuern erhebt und trotz riesigem Überschuss und ohnehin schon schwachsinniger unnötiger Ausgaben in alle Welt die Steuern nicht senkt.

    Wir brauchen wieder Menschen mit Verstand in der Politik welche sich um das allgemeinwohl kümmern und nicht bloß an ihre eigene Tasche denken.

    Allein schon diese schwachsinnige Debatte um die Ehe für alle, wie viele homosexuelle Paare haben wir in Deutschland ? 50000?
    Das interessiert doch keinen!

    Rente ? Ihr habt so viel verdient wie ihr eingezahlt habt.
    Und das diese Bundestagsabgeordneten über 6000 Euro Rente kassieren dafür das Sie 4 Jahre auf nem stuhl gehockt haben und doch nichts erreicht haben was den lebensstandart in Deutschland verbessert ist einfach nur die Höhe.
    Ohne Worte

    Und die Menschen wählen weiter CDU, naja das geringste übel könnte man wohl sagen.
    Aber eine Partei die kein Brett vorm Kopf hat bzw der es nicht egal ist was momentan passiert wird wohl nie existieren weil der Mensch von Natur aus egoistisch und nicht besser als ein Tier ist.

  • Avatar F. Schäfer sagt:

    Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Die prozentuale Lohnerhöhung beschleunigt dies noch ungemein. Wie wäre es, wenn Lohnerhöhungen in € (z.B. 250,00 € für alle Lohngruppen) erfolgen würden?
    Die Wenigverdiener könnten sich Dinge Leisten, die sie sich bisher nicht leisten konnten. Die Wirtschaft wird angekurbelt. Bei Vielverdienern werden die Kapitalstöcke erhöht, ein Konsum findet nur selten statt.

    Es wäre evtl. darüber nachzudenken, ob die Arbeitnehmerfreibeträge zu erhöhen. Gleichzeitig sollten absetzungsfähige Ausgaben von unten her den Arbeitnehmerfreibetrag erhöhen, so dass der Spitzensteuersatz für das weitere Einkommen erhalten bleibt.

    Nach meiner Meinung ist zu unterscheiden, wie die Spitzenverdiener an ihre Einnahmen kommen. Ist es Leistung oder Spekulation? Wer Leistung erbringt, sollte dafür auch gerecht entlohnt werden. Ein Steuersatz von bis zu 80% fände ich hier mehr als ungerecht. Spekulanten hingegen, die z.B. an der Börse Werte schöpfen ohne dafür eine Leistung zu erbringen, sollten hierfür Steuer entrichten, die denen von Arbeitnehemern zuzüglich der Sozialabgaben gleichen. Die Steuermehreinnahmen sollten für die Sozialkassen verwendet werden. So würden sich dann die Sozialabgaben für Arbeitnehmer, die tatsächlich Werte schaffen, verringern.

  • Avatar F. Schäfer sagt:

    Ein Steuerüberschuss von 55 Mrd. € verführt zu mehr Ausgaben oder weniger Einnahmen. Aber in Anbetracht der hohen Staatsverschuldung (?ca. 2 Bio. €?), sollte dieses Geld dringendst zur Schuldentilgung verwendet werden. Wir sind es unseren Kindern und Kindeskindern schuldig. Bei einem Soll-Zinssatz von zzt. n u r 2 % ergäbe eine Schuldentilgung in Höhe von 55 Mrd. € eine Zins- und Steuerersparnis von 1,1 Mrd. jährlich und dies auf Dauer! Der Zins wird aber wieder steigen, die Frage ist nur wann und wie hoch.

    Der Staat ist nach der Volkswirtschaftlehre verpflichtet antizyklisch zu handeln. Dies bedeutet, dass er sparen muss, wenn es der Wirtschaft gut geht, und dass er investieren muss, wenn es der Wirtschaft schlecht geht. Nur so kann der Staat Arbeitsplätze erhalten und seine Steuereinnahmen sichern. Nebenbei profitieren auch noch die Sozialkassen, die ihre Beiträge senken könnten und auch müssten, was aus dem Beitragsdeckungsprinzip folgt. Sozialkassen d ü r f e n keine Gewinne machen!! Sie müssen allerdings Rücklagen bilden um beitragsschwache Jahre abfedern zu können.

    Die Politik muss ein für alle Mal aufhören, Sozialkassen mit fremden Ausgaben zu belasten. Flüchtlinge können nicht aus den Sozialkassen finanziert werden, eben so wenig wie die Wiedervereinigung. Diese Ausgaben sind alleine durch Steuern zu finanzieren. Eine Umverteilung zu den Höherverdienenden, meist sozialversicherungsfreien, wäre gegeben.


Kommentar schreiben (* Pflichtfelder)