07.11.2017 · smart steuern ·

Einspruch gegen den Steuerbescheid – das müssen Sie wissen

Es gibt im Leben viele Dinge, die irgendwie nicht gerecht sind – und man kann trotzdem nichts dagegen machen. Ganz anders sieht es hingegen beim Steuerbescheid aus. Wenn da etwas nicht stimmt, weil das Finanzamt zum Beispiel auf ganz andere Werte bei der Steuerberechnung gekommen ist als Sie oder Ihre Software, können Sie sich ganz einfach dagegen wehren. Denn ein Einspruch ist schnell gemacht und vor allem: rund zwei Drittel dieser Einsprüche sind auch noch erfolgreich. In diesem Artikel erfahren Sie, was Sie bei einem Einspruch alles beachten müssen.

Zuerst Fehler finden

Mehr als drei Millionen Steuerzahler legten im letzten Jahr Einspruch gegen ihren Steuerbescheid ein – und mehr als zwei Millionen lagen damit richtig. Auch in den Vorjahren waren die Zahlen ähnlich. Bevor Sie nun loslegen, müssen Sie Ihren Steuerbescheid richtig lesen. Besonders einfach geht das zum Beispiel mit unserer Online-Lösung smartsteuer, denn da können Sie Ihre ermittelten Werte einfach mit denen des Finanzamts vergleichen. Steht im Steuerbescheid unter „Festsetzung“ der gleiche Wert wie in der Software, ist alles gut. Wenn nicht, gilt es den Bescheid genau zu überprüfen. Wie das geht, können Sie ausführlich im Blog-Artikel Hurra, Hurra, der Steuerbescheid ist da – und nun? nachlesen.

Frist beachten

Viele Einsprüche mögen erfolgreich sein, aber Sie müssen sich in den meisten Fällen ranhalten: Sie haben nur einen Monat für den Einspruch Zeit – auf jeden Fall muss er schriftlich erfolgen. Das kann formlos geschehen, smartsteuer bietet aber auch zahlreiche Musterschreiben. Eine Begründung für den Einspruch ist zwingend, Unterlagen können Sie übrigens auch nach Ablauf der Frist nachreichen.

Nach Ablauf der Frist

Es gibt aber auch Fälle, in denen die Frist von einem Monat nicht greift. Wenn Sie im Nachhinein bemerken, dass Sie einen Fehler gemacht haben, etwa ein Zahlendreher (1.200 Euro statt 2.100 Euro) oder ein falsches Aufsummieren von mehreren Posten, können Sie auch noch später Einspruch erheben. Das gilt übrigens auch für das Finanzamt, wenn dort elektronisch übermittelte Daten (etwa die Lohnsteuer) falsch waren. Und zu guter Letzt: Wenn bei Ihnen später noch steuerrelevante Sachverhalte auftauchen, dürfen Sie auch dann noch Einspruch einlegen. Allerdings müssen es wirklich neue Dinge sein, ein „Das hatte ich vergessen“ reicht dann nicht.

Musterprozesse und der Vorläufigkeitsvermerk

Oft findet sich im Steuerbescheid auch ein Abschnitt, in dem steht, dass die Festsetzung der Einkommensteuer vorläufig hinsichtlich verschiedener Punkte ist. Dabei handelt es sich um Fragen, die aktuell rechtlich noch nicht endgültig höchstrichterlich beim Bundesfinanzhof oder Bundesverfassungsgericht geklärt sind. Hier müssen Sie keinen Einspruch erheben, entscheidet das Gericht zu Ihren Gunsten, bekommen Sie automatisch später eine Steuererstattung. Taucht Ihr „Fall“ in dieser Liste nicht auf, erheben Sie Einspruch und verweisen auf das derzeit anhängige Verfahren (Musterprozess). Ein Beispiel dafür finden Sie in diesem Blog-Artikel zum Straßenbaubeitrag.

Letzter Ausweg: Klage

Wenn Ihr Einspruch vom Finanzamt abgeschmettert wird, können Sie immer noch den Rechtsweg bemühen. Das sollten Sie aber nur mit einem Anwalt tun, der Ihnen sicher auch im Vorfeld einer möglichen Klage erläutern kann, ob eine Klage überhaupt Erfolgschancen hat.

Einspruch bei freiwilliger Abgabe

Zum Abschluss noch ein Tipp für Steuerzahler, die keine Steuererklärung abgeben müssen. Sie sollten es trotzdem tun, denn in der Regel bekommen auch sie Geld zurück vom Staat (ausführlich in diesem Artikel) – und vor allem: Sie können nur gewinnen. Erstens dürfen Sie die Steuererklärung rückwirkend für die letzten vier Jahre abgeben. Zweitens: Falls das Finanzamt wider Erwarten eine Nachzahlung festsetzen sollte, erheben Sie einfach fristgerecht Einspruch und ziehen die Steuererklärung zurück. Dann passiert nichts – es ist, als ob Sie die Steuererklärung nie abgegeben hätten.

Zusammenfassung: Prüfen Sie Ihren Steuerbescheid genau und legen Sie bei Unstimmigkeiten Einspruch ein. Der ist dann oft erfolgreich.

Stefan Heine Geschrieben von:
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