29.06.2021 · smart steuern ·

US-Superreiche zahlen kaum Steuern – und die Deutschen?

Die Überschrift klingt jetzt nicht überraschend, das hatten wir ja irgendwie alle erwartet. Aber wie drastisch das Ganze ist, zeigte jetzt das Rechercheportal „Pro Publica“. Wir haben uns das mal genauer angeschaut, stellen zudem die Frage, wie das wohl in Deutschland aussehen mag und versuchen uns an einer Antwort.

Daten direkt aus der Steuerbehörde

Aufgedeckt hat die – nennen wir es höflich – Steuervermeidung der Superreichen in den USA „Pro Publica“, eine Stiftung für investigativen Journalismus. Sie ist an die offiziellen Datensätze der Steuerbehörde IRS der reichsten US-Bürger gekommen. Wie sie das geschafft hat, bleibt natürlich ihr Geheimnis. (Und die Behörde leitet natürlich Ermittlungen ein gegen die unautorisierte Weitergabe solcher Daten.)

Die in den Steuer-Dokumenten genannten Namen stehen auf der Forbes-Liste der Einkommens-Milliardäre ganz weit oben. Dazu zählen Amazon-Chef Jeff Bezos, Facebook-Chef Mark Zuckerberg, Tesla-Chef Elon Musk, Star-Investor Warren Buffet oder der Medienunternehmer und New Yorks früherer Bürgermeister Michael Bloomberg. 

Von welchen Zahlen ist nun die Rede?

Die 25 reichsten US-Amerikaner haben von 2014 bis 2018 auf ihren Vermögenszuwachs im Schnitt gerade mal 3,4 % Steuern gezahlt. Zum Vergleich: Durchschnittlich zahlen US-Bürgerinnen und Bürger 14 % Steuern auf ihr Einkommen, der Spitzensteuersatz von 37 % greift bei rund 630.000 Dollar. Das ist schon ein Riesen-Unterschied.

  • Warren Buffet etwa drückte das Ganze auf einen Steuersatz von 0,1 %. Er hatte früher schon mal gesagt, dass er einen geringeren Steuersatz als seine Sekretärin habe. Aber so wenig…
  • Amazon-Chef Bezos blieb in diesem Zeitraum knapp unter 1 %, in früheren Jahren soll er sogar gar keine Steuern gezahlt haben, in einem Jahr erhielt der Multimilliardär sogar einen staatlichen Kinderfreibetrag von 4.000 Dollar. 
  • Elon Musk (Tesla) soll 3,27 % auf seinen Vermögenszuwachs an Steuern gezahlt haben, 2018 fiel laut des Reports sogar keinerlei Einkommensteuer an.

Wir könnten das jetzt fortsetzen, verweisen aber lieber auf den Artikel von „Pro Publica“.

Woran liegt das?

Zuerst sollte man erwähnen, dass die Superreichen sehr sicher nichts Illegales getan haben. Sie nutzen lediglich die US-Steuergesetzgebung aus. Und damit kommen wir zu den Gründen, warum die Steuersätze im Vergleich zum Vermögenszuwachs so gering sind:

  • Die Superreichen beschäftigen Top-Steuerspezialisten, die die Steuerzahlungen drastisch nach unten drücken können. Steuerschlupflöcher zu finden ist deren Job.
  • Die Milliardäre machen den Großteil ihres Vermögens mit Aktien & Co., Immobilien und lassen ihr Geld in ihren Unternehmen. Dann fällt das Vermögen nicht in den Bereich der klassischen Einkommensteuer, bei der der Steuersatz bei steigendem Einkommen steigt.
  • Machen sie große Gewinne, überweisen sie das Geld nicht auf ihr privates Konto, sondern investieren das Geld gleich wieder. Das sieht dann so aus, als ob sie gar kein großes Einkommen beziehungsweise Vermögen haben. 

Überlegungen in den USA, mehr Steuern einzunehmen, indem der Spitzensteuersatz schon bei 400.000 Dollar einsetzt, dürfte die Superreichen kaum tangieren. Treffen würde es dann eher die, die tatsächlich so viel mit ihrer Arbeit verdienen…

Und wie ist das in Deutschland?

Nun, wir haben hier keine so konkreten Zahlen wie in den USA. Und das ist vielleicht auch gut so. Aber eins dürfte klar sein: Prinzipiell dürften die Abläufe ähnlich sein. Klassisches Arbeitseinkommen wird ab einem gewissen Grad höher besteuert als Kapitaleinkünfte. Und natürlich werden auch die superreichen Deutschen Gewinne wieder investieren. Was ja auch nicht schlecht ist, aber schlecht für die Steuer. Der Unterschied zu den USA: Viele, vor allem mittelständische Unternehmen zahlen immerhin ganz ordentlich Unternehmenssteuern. Das umgehen die multinationalen Konzerne ja auch noch.
Gibt es da überhaupt einen Ausweg? Vielleicht ja doch eine Vermögensteuer? Oder eine gerechtere Erbschaftsteuer? Das müssen wir an dieser Stelle offen lassen. Uns bleibt nur, abzuwarten. 

Was bedeutet das konkret für mich?
Erstmal nichts, denn was haben Sie und wir schon mit den Superreichen zu tun. Aber vielleicht können Sie ja doch was tun: Lesen Sie einfach die bald startende Serie hier im Blog zu den Parteien und ihren Steuerplänen – und geben Sie Ende September Ihre Stimme bei den  Bundestagswahlen ab!

Geschrieben von:
Stefan Heine Stefan versteht als Fachanwalt für Steuerrecht selbst die Gesetze, die ihre eigenen Autoren verzweifeln lassen. Dabei widerlegt er das Gerücht, Juristen könnten nicht rechnen – zur Freude unserer Kunden und zum Ärger des Finanzamtes. Als Geschäftsführer von smartsteuer hält Stefan das Team mit seiner harmonischen Art zusammen und fokussiert es auf das gemeinsame Ziel: Die einfachste Steuererklärung.
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