20.05.2022 · smart steuern ·
Lesezeit: 3 Min.

Amazon und die Steuern – nächstes Kapitel

Können Sie sich noch erinnern? Wie das Leben vor Amazon war? Auf jeden Fall anders. Und klar gibt es auch Leute, die den Internetgiganten meiden, doch wohl die meisten kaufen online dann eben doch bei Amazon. Und so steigt der Umsatz des Unternehmens Jahr für Jahr an. Rund 450 Milliarden € waren es laut Statistik 2021 weltweit. Was da aber meist überhaupt nicht mithalten kann, ist der Gewinn. Wenn Amazon überhaupt mal welchen macht. Und kein Gewinn heißt auch: keine Steuern. So wie erneut im Jahr 2021…

Ein paar Vorbemerkungen

Bevor jetzt gleich die Anwälte von Amazon auf den Plan treten: Wir schreiben hier nicht, dass Amazon sich nicht an die lokalen Steuergesetze halten würde. Keine Frage. Aber es ist dann doch komisch, welche Zahlen Amazon EU Sàrl für 2021 und auch schon 2020 geliefert hat.
Und wenn Sie jetzt fragen, was soll denn Amazon EU Sàrl sein? Nun, das ist eine Art luxemburgische GmbH. Das Unternehmen – mit Sitz im steuerfreundlichen Luxemburg – umfasst die Märkte in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, Großbritannien, Schweden und den Niederlanden. 

Die Zahlen von Amazon EU Sàrl

Wir schreiben gleich über die Geschäftszahlen des Unternehmens für die Jahre 2021 und auch 2020. Nur zur Erinnerung: Das waren zwei fast komplette Corona-Jahre. In denen viele stationäre Geschäfte über Monate geschlossen oder nur mit Einschränkungen geöffnet hatten. Nicht nur in Deutschland. Ergo hat der ohnehin boomende Onlinehandel noch ein größeres Stück vom Umsatzkuchen abbekommen.

  • 2021 hat Amazon EU Sàrl bei einem Umsatz von 51,3 Milliarden € einen Verlust von 1,16 Milliarden € gemacht. Statt Steuern zu zahlen auf Gewinne, erhielt das Unternehmen Steuergutschriften für Folgejahre. 
  • 2020 lag der Umsatz noch bei 43,8 Milliarden € (nur zur Info: 2019 vor Corona waren es „nur“ 32,2 Milliarden €) – die Verluste, tada, betrugen da auch schon 1,16 Milliarden €. Steuergutschriften gab es dafür natürlich auch schon. 

Tja, wie kann das sein? Zwei Jahre nacheinander der gleiche Verlust. So eine Punktlandung muss man auch erstmal hinbekommen. Laut Bloomberg betrugen die Ausgaben für „Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe“ rund 37 Milliarden €, dazu kamen um die 15 Milliarden für „externe Ausgaben“. Ganz klar, wenn jemand höhere Ausgaben als Einnahmen hat, macht er Verlust. Doch in zwei Umsatz-Hammerjahren nacheinander Verluste einzufahren als Amazon EU Sàrl ist schon hart.

Was sagt Amazon?

Nun, der Onlinehändler gab dazu sogar eine eigene Pressemitteilung als Reaktion heraus. Darin heißt es, dass Amazon in ganz Europa seit 2010 mehr als 100 Milliarden € in die Schaffung von Arbeitsplätzen und Infrastruktur investiert habe. So seien 2021 mehr als 50 neue Standorte mit über 65.000 Arbeitsplätzen eröffnet worden.
Und: Amazon betont, dass das Unternehmen in vielen Ländern Europas Körperschaftssteuer zahlen würde und spricht dabei von hunderten Millionen €. Der oben erwähnte Artikel betrachte dagegen nur Amazon EU Sàrl. Zudem arbeite man in völliger Übereinstimmung mit den lokalen Steuergesetzen. Wir wollen das Amazon gern glauben. Aber warum dann gerade dort (Luxemburg!) Verluste, wo die Steuersätze ja niedrig sind. 

Würde die globale Mindeststeuer helfen? 

Wir hatten hier im Blog vor ein paar Monaten über eine globale Mindeststeuer für global agierende Unternehmen geschrieben. Kurz gesagt: Es soll weltweit einen Mindeststeuersatz von 15 % auf Gewinne geben. Zudem sollen die Steuern gezahlt werden, wo die Gewinne tatsächlich gemacht werden. Also in den entsprechenden Ländern. So der Plan, viele Länder signalisierten schon Zustimmung, einige sind – wohlwollend gesagt – zurückhaltend. Immerhin waren sich die EU-Staaten eigentlich schon einig, sogar schwierige Staaten wie Estland, Malta und Schweden sind an Bord. Da schoss – mal wieder – Polen quer. Inhaltlich sei das gar nicht zu erklären, hieß es aus Brüssel. Es sind eher formale Gründe und vermutlich ein Erpressungsversuch Polens, um Gelder aus dem Corona-Hilfsfond zu erhalten.
Aber selbst wenn die globale Mindeststeuer da wäre, würde sich im beschriebenen Fall von Amazon kaum was ändern. Denn bei der Steuer geht es immer um Gewinne. Und solange man die nicht hat, muss man als Unternehmen auch keine Steuern zahlen, egal, wie hoch die auch sein mögen.

Geschrieben von:
Mandy Pank Mandy ist im Marketing tätig und immer darauf bedacht steuerliche Themen so einfach wie möglich aufzubereiten. Dabei hilft ihr natürlich auch ihr Hintergrund als Steuerfachangestellte. Sie versetzt sich gerne in die Lage der Kunden, um herauszufinden, wo der Schuh drückt. Doch auch für ihre Kollegen hat sie immer ein offenes Ohr und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite.
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