29.03.2017 · smart steuern ·

Bundestagswahl 2017: Wird der Traum vom Eigenheim billiger?

Es ist für viele eine Lebensentscheidung oder wenigstens eine für einen längeren Abschnitt des Lebens. Wo will ich wohnen? In der Stadt – oder auf dem Land? Zur Miete – oder als Eigentümer? Und wie lässt sich das alles bezahlen?
Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 kommen aus den Parteien viele verschiedene Vorschläge, wie Wohnen und Kaufen wieder bezahlbarer werden können. Noch sind das allerdings nicht die offiziellen Wahlprogramme. Wir geben aber schon jetzt einen ersten Überblick aus einigen Parteien und zu einigen wichtigen Punkten. Dass das Ganze auch ein bisschen mit Steuern zu tun hat, werden wir auch noch sehen.

Problem Maklergebühren

Eigentlich stehen die Zeichen für Käufer zur Zeit sehr gut. Sensationell günstige Zinsen sind ein großer Anreiz, statt ewig zu mieten endlich eine Immobilie zu kaufen. Doch auf der anderen Seite schrecken die zum Teil immensen Nebenkosten ab – die sich meist auch nicht mit dem Baukredit finanzieren lassen. Dazu gehören etwa die Maklergebühren. Anders als bei Mietwohnungen, wo diese mittlerweile der Vermieter zahlen muss, trägt beim Kauf meist der Käufer die Gebühren von oft deutlich mehr als 10.000 Euro. Und das wird sich leider auch kaum ändern. Hier können wir uns kurz fassen: Zwar sagt die SPD, dass das Bestellerprinzip in Zukunft auch für den Kauf von Grundstücken und Immobilien gelten soll, doch Justizminister Heiko Maas (SPD) erteilte diesem Vorstoß mittlerweile schon wieder eine Absage, allerdings nur für die aktuelle Wahlperiode.

Unsere Einschätzung: Es wird wohl weiterhin so bleiben, dass Käufer den Makler aus ihrer Tasche bezahlen müssen.

Problem Grunderwerbsteuer

Ein dicker Batzen beim Kauf ist auch die Grunderwerbsteuer. Die beläuft sich, je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent der Kaufsumme. Hier gibt es aber aus den Parteien konkrete Vorschläge, wie sich das ändern lassen soll.

  • CDU: Einführung eines Freibetrags bei der Grunderwerbsteuer, etwa in der Höhe eines durchschnittlichen Einfamilienhauses.
  • FDP: Abschaffung der Grunderwerbsteuer bis zu 500.000 Euro, wenn erstmals ein Haus oder eine Wohnung gekauft wird, in der dann auch gewohnt wird.
  • SPD: Hier äußerte sich die Partei immerhin in Baden-Württemberg, wo die Grunderwerbsteuer für Erstkäufer halbiert werden soll.

Unsere Einschätzung: Ja, die Grunderwerbsteuer sollte sinken. Der Vorstoß der SPD in Baden-Württemberg zeigt allerdings unmittelbar das Problem: Die Grunderwerbsteuer ist eine Ländersteuer, mehr als 12 Milliarden Euro nahmen sie im letzten Jahr damit ein. Kaum vorstellbar, dass die Länder freiwillig auf diese Einnahmen verzichten. Vorstellbar wäre nur, dass es vom Bund eine Kompensation gibt, wenn der bundesweite Regeln durchsetzen will.

Vorschlag Baukindergeld

Mehrere Parteien wollen gezielt Familien beim Immobilienerwerb fördern. Das sind – kurz zusammengefasst – die Grundideen:

  • CDU: Einführung eines Baukindergelds für Familien.
  • SPD: Bauministerin Barbara Hendricks ist schon jetzt dabei, eine Förderung von 6.000 bis 8.000 Euro pro Kind bei Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) durchzukriegen. Diese soll aber nur in Ballungsgebieten greifen.
  • Grüne: Sie fordern ebenfalls ein Förderung von Familien. Das Familienbaugeld solle sich aber nicht nur auf Ballungsgebiete erstrecken, sondern auch in Regionen zum Einsatz kommen, die von einem starken Wegzug betroffen sind.

Unsere Einschätzung: Das Baukindergeld wird kommen. Wie es genau aussieht, hängt sicher davon ab, welche Parteien nach der Bundestagswahl 2017 die Regierung bilden werden.

Problem Mieten in Großstädten

Aber auch um Mieter werben die Parteien im Wahljahr: Die Mieten steigen und steigen, viele können sich die begehrten Wohnungen nicht mehr leisten oder finden einfach nichts mehr zum Mieten. An der kürzlich eingeführten Mietpreisbremse scheiden sich dann auch die Geister:

  • CDU: Eine Verschärfung der Mietpreisbremse wird abgelehnt. Als kurzfristiges Instrument sei sie aber gut geeignet.
  • SPD: Die Mietpreisbremse soll verschärft werden. So sollen Vermieter gezwungen werden, die vorherige Miete offenzulegen. Denn nur so könne ja der Anstieg der Miete für den neuen Mieter nachvollzogen werden.
  • Grüne: Auch hier ist man für eine Verschärfung, die Bremse soll schon jetzt von fünf auf zehn Jahre verlängert werden.
  • FDP: Abschaffung der Mietpreisbremse.

Unsere Einschätzung: Die Mietpreisbremse kann nur ein erster Schritt sein. Es ist allerdings fraglich, ob ausgerechnet die Bundesparteien hier zusätzliche Lösungen finden können, um ein Ausufern der Mieten verhindern zu können.


Björn Waide Geschrieben von:

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LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Dr. Carsten Kettner sagt:

    Vielen Dank für die Zusammenstellung der potentiellen Wohltaten, die unsere Parteien – vielleicht, vielleicht auch nicht im Köcher haben.
    Allen Wohltaten ist doch gemein, dass dies nach dem Rechte-Tasche-Linke-Tasche-Prinzip abläuft. Der Staat verteilt nur um, anstatt insgesamt die Steuer- und Abgabenlast zu senken.
    Bauen ist heutzutage aufgrund vieler staatlicher Auflagen (an die sich der Staat bei eigenen Bauvorhaben eher nicht hält, weil zu teuer) sehr teuer geworden. Alleine, um einen vorgeschriebenen Energiestandard zu erreichen, muß viel Geld in die Hand genommen werden, wohlwissend, dass sich diese Ausgaben nie im Leben amortisieren werden.
    Die Grunderwerbssteuer zu senken wäre ein guter Anfang. Gleichzeitig ist auch die Grundsteuer B ein Kostenfaktor, der der Willkür der Gemeinden unterliegt.
    Ich halte Themen wie Baukindergeld für Populismus, und wenn man an die Maklergebühren heranwollte, würde es auch einen Weg geben. Diese Gebühren stehen häufig in keinem Verhältnis zur Leistung. Die Nebenkosten bei Immobilienerwerb erreichen leicht 13% des Kaufpreises. Warum gibt es hier keine Festkosten, die gedeckelt werden?

  • Avatar Geork sagt:

    Guten Tag Herr Dr. Kettner,
    1. die Maklergebühren sind gedeckelt
    2. die Maklergebühren stehen immer in einem Verhältnis zur Leistung (nur manchmal in einem ungünstigen)
    3a). wenn Ihnen die Maklergebühren (als Käufer) zu hoch sind müssen Sie nicht kaufen, es gibt immer auch Angebote mit niedrigeren oder gar keinen Maklergebühren. Beim Immobilienkauf geht alles nach Marktgesetzen vor sich. Kaufpreis + Kaufnebenkosten = Marktpreis.
    3b). wenn Ihnen die Maklergebühren (als Verkäufer) zu hoch sind können Sie mit dem Makler verhandeln oder alles selber abwickeln.


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