08.03.2016 · smart steuern ·

Auf dem Weg zur Arbeit – alles zur Kilometerpauschale (Serie, Teil 41)

Manchmal schreibe ich hier über Themen, die nicht jeden unmittelbar betreffen. Geht es zum Beispiel um Kinder und Steuern, interessieren sich Kinderlose vermutlich eher weniger dafür. Beim Ehegattensplitting horchen vielleicht Paare auf und wenn es um Unterhalt für geschiedene Partner geht, naja, sie wissen, glaube ich, was ich sagen will.

Heute aber, heute geht es um ein Thema, das fast jede Steuerzahlerin und jeden Steuerzahler interessieren dürfte: der Weg zur Arbeit, die Kilometerpauschale. Warum die wichtig ist, was sich damit bei der Steuer rausholen lässt und wie die Pauschale ermittelt wird – hier erfahren Sie es leicht verständlich erklärt.

Warum ist die Kilometerpauschale so wichtig?

Nun, die Fahrtkosten zur Arbeitsstätte zählen zu den Werbungskosten. Jeder Arbeitnehmer hat eine Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro im Jahr. Diese Summe wird nicht versteuert. Das heißt, erst Werbungskosten über 1.000 Euro führen zu einer weiteren Senkung des zu versteuernden Einkommens und damit auch zu weniger Steuern. Die Fahrtkosten sind dabei bei vielen Steuerzahlen der größte Posten und führen oft dazu, dass die 1.000-Euro-Grenze überschritten wird, wie wir später am Beispiel sehen werden. Doch auch die anderen Werbungkosten sollten Sie nicht vergessen, siehe auch diesen Artikel

Wie hoch ist die Kilometerpauschale?

Dem Begriff (auch Entfernungs- oder Pendlerpauschale genannt) hört man schon an, dass für die Fahrten zur Arbeit zum Beispiel nicht jede Tank-Quittung aufgehoben werden muss. Es ist in diesem Fall mal recht einfach: Für jeden vollen Kilometer zwischen Wohnung und Arbeit können Sie 0,30 Euro als Werbungskosten von der Steuer absetzen, allerdings nur für eine Strecke, also nicht Hin- und Rückfahrt. Wer zum Beispiel 20 Kilometer von der Arbeitsstätte entfernt wohnt, und 220 Tage im Jahr arbeitet, kommt auf eine Kilometerpauschale von (20 x 220 x 0,30 Euro) ist gleich 1.320 Euro. Ein Arbeitsweg von 16 Kilometer reicht in der Regel, um mehr als 1.000 Euro zu haben.

Was gilt es alles zu beachten bei der Kilometerpauschale?

Wir wären nicht bei einem Steuerthema, wenn es nicht so einige zusätzliche Bemerkungen brauchen würde, um das Thema Kilometerpauschale rund zu machen.

  • Höchstbetrag: Die Entfernungspauschale ist auf 4.500 Euro gedeckelt. Es sei denn, Sie fahren die Strecke immer mit Ihrem Auto oder einem Ihnen überlassenen Firmenwagen. Dann entfällt die Obergrenze.
  • Kürzeste Strecke: Für die Ermittlung der Wegstrecke wird die kürzeste Straßenverbindung genommen – unabhängig davon, welches Verkehrsmittel Sie tatsächlich nutzen. Berechnen Sie den Weg mit einem Dienst wie Google Maps. Finanzbeamte machen es stichprobenartig auch. Ausnahme von der kürzesten Strecke: Sie können nachweisen, dass Sie regelmäßig eine längere Strecke fahren, die verkehrsgünstiger ist. Also zum Beispiel ein längerer Weg, aber über die Autobahn.
  • Verkehrsmittel: Die 30 Cent pro Kilometer können Sie immer ansetzen, egal wie Sie zur Arbeit gekommen sind: Bus, Bahn, U-Bahn, Auto, Fahrrad, Boot, Moped, zu Fuß…
  • Arbeitstage: Ganz wichtig für die Berechnung der Kilometerpauschale ist, wie oft Sie zur Arbeit gefahren sind. Wichtig dabei: Pro Tag können Sie nur eine Fahrt „aufschreiben“, auch wenn Sie zum Beispiel in der Pause noch mal nach Hause gefahren sind. Bei einer 5-Tage-Woche geht man von 220 bis 230 Arbeitstagen aus, Sie können es aber auch genau berechnen: Im Internet finden Sie zu diesem Zweck jede Menge Rechner für Arbeitstage. Dort erhalten Sie abhängig vom Bundesland die Zahl, von der Sie noch Ihre Urlaubs- und Krankheitstage sowie andere eigentliche Werktage, an denen Sie aber nicht zur Firma gefahren sind, abziehen müssen. smartsteuer ermittelt die Anzahl automatisch für Sie.
  • Mehrere Wohnorte: Haben Sie mehrere Wohnungen, wird im Regelfall die Wohnung für die Berechnung herangezogen, die der Arbeitstätte am nächsten liegt. Es sei denn, Sie können nachweisen, dass eine weiter entfernte Wohnung Ihren Lebensmittelpunkt bildet.
  • Mehrere Arbeitsstätten: Hier ist Ihr Chef verpflichtet, eine davon als „erste Tätigkeitsstätte“ festzulegen. Für Fahrten dorthin greift die Kilometerpauschale. Fahrten zu anderen Standorten zählen als Dienstreisen, bei denen Hin- und Rückfahrt mit je 30 Cent pro Kilometer berechnet werden.

Zusammenfassung: Die Kilometerpauschale lässt sich berechnen nach der Formel: Einfacher Arbeitsweg in Kilometer mal Arbeitstage im Jahr mal 0,30 Euro.

 

Zum vorherigen Teil der Serie: Nicht vergessen: Die Jahressteuerbescheinigung der Bank (Serie, Teil 40)

 

Theresa Voigt Geschrieben von:

Mach Dein Insiderwissen zu Geld!
Steuererklärung starten

LETZTE BEITRÄGE

Bisherige Kommentare (Selber ein Kommentar hinterlassen)

  • Avatar Ute Golinski-Reher sagt:

    Mein Mann ist bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt. Die erste Tätigkeitsstätte ist laut Arbeitsvertrag der Firmensitz. Er ist aber immer bei Kunden eingesetzt. Wie muss ich die Fahrtkosten jetzt berechnen? Erst die Fahrt zur ersten Tätigkeitsstätte? Und bei Kundeneinsatz? Die Kilometer von der ersten Tätigkeitsstätte bis zum Kunden?

    mit freundlichen Grüßen
    Ute Golinski-Reher

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Sie können den TätigkeitsstättenAssitenten benutzen.
    Fahrten, die nicht zur ersten Tätigkeitsstätte sind, werden unter den Reisekosten erfasst.
    Dort werden dann beide Wege in die Berechnung einbezogen.

  • Avatar Tobias Dins sagt:

    Warum rechnet mir dann smartsteuer aus das ich nur ca. 350€ pendlerpauschale bekomme obwohl ich einen Arbeitsweg von 30km habe?

  • Stefan Heine Stefan Heine sagt:

    Bei einem Arbeitsweg (einfach; nicht hin und zurück) von 30 km können Sie täglich 9 Euro geltend machen. Es hängt daher davon ab, wie oft Sie Ihre Arbeitsstelle aufgesucht haben. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich am besten an hilfe@smartsteuer.de

  • Avatar Anni Li sagt:

    Wie ist es in den folgendem Fall:

    Man trägt Zeitungen aus via Auto in 3 Dörfern. Die dörfer liegen jeweils 4-7 km von einander entfernt UND manmuss leider im jeweiligem Dorf ebenfalls eine gewisse Strecke fahren.
    Einen kleinen Teil erstattet der Arbeitgeber was jedoch bei 0,26€/km liegt und auch nur zum jeweiligen Dorf hin.

  • Avatar Tatjana Buske sagt:

    Wie sieht es eigentlich aus, wenn ich auf dem Weg zur Arbeit mein Kind zur Schule bringe. Dadurch verlängert sich automatisch meine Wegstrecke.
    Unsere Tochter ist zu 100% schwerbehindert und hat die Merkzeichen G, aG , H und hat auch das B für Begleitperson. Sie geht in eine heilpädagogische Einrichtung und da die Schule in einem anderen Kreis liegt, gibt es keine Fahrtkostenübernahme von unserem Kreis. D.h., dass ich sie selbst zur Schule bringe. Ist günstiger als einen Fahrdienst zu beauftragen.
    Kann ich die volle einfache Wegstrecke geltend machen?

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Grundsätzlich sollte zwischen Wegen zur Arbeit und Wegen aufgrund von Behinderung unterschieden werden.

  • Avatar sasa thyssen sagt:

    Hallo,
    was muss ich dem Finanzamt nachweisen wenn ich die gefahrenen Kilometer zur Arbeit angebe?
    Muss ich eine Aufstellung führen, Tankbelege sammeln? Wie kann der Nachweis über die gefahrenen Kilometer aussehen?
    vielen Dank im Voraus.
    gruß
    S. Thyssen

  • Juliane Bunte Juliane Bunte sagt:

    Die km können, falls das Finanzamt nachfragt, zB anhand von Werkstattrechnungen, auf denen der Kilometerstand steht, nachgewiesen werden.


Kommentar schreiben (* Pflichtfelder)