03.06.2016 · smart steuern ·

Wer zu spät kommt – der zahlt Strafe (Serie, Teil 54)

Der Mai ist vorbei – und damit auch der Stichtag für die Abgabe der Steuererklärung. Zumindest für die Steuerzahler, die dazu verpflichtet sind (und clevererweise auf einen Steuerberater verzichten). Doch was passiert eigentlich, wenn man den Abgabetermin vergessen hat? Guter Zeitpunkt für diese Frage, denn… Trommelwirbel … gerade hat sich auch die große Politik mit diesem und vielen anderen Steuerthemen beschäftigt: Der Bundestag verabschiedete das „Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens“. Nun muss nur noch der Bundesrat zustimmen, was aber recht sicher ist.

Was im Gesetz steht und was das für uns Steuerzahler bedeutet – Sie lesen es hier. Heute geht’s (am Ende des Artikels) um die verspätete Abgabe der Steuererklärung und die Konsequenzen daraus. Nächste Woche im Teil 55 meiner Serie dann um neue Fristen, automatische Steuerbescheide und den Umgang mit den Belegen. Doch zuerst soll geklärt werden, was im Jahr 2016 droht, wenn man seine Steuerklärung zu spät abgibt.

Keine Panik auf der Titanic

Ganz wichtig, und deshalb die Überschrift: Zu spät bei der Abgabe der Steuererklärung kann nur sein, wer überhaupt dazu verpflichtet ist. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie betroffen sind, schauen Sie doch mal in diesen Artikel, den ich vor kurzem hier geschrieben hatte. In diesem Beitrag steht übrigens auch, dass Sie bei freiwilliger Abgabe Ihrer Steuererklärung stolze vier Jahre Zeit dafür haben.

So sieht’s 2016 aus

Was droht aber nun, wenn man seine Steuererklärung in diesem Jahr zu spät abgibt? Die kurze und vereinfachte Fassung: Es KANN ein Verspätungszuschlag angeordnet werden. Maximal 10 Prozent der festgesetzten Steuer und höchstens 25.000 Euro sind als Strafe vorgesehen. Wie hoch die Strafe genau ist, hängt unter anderem davon ab, wie viel zu spät man abgibt und wie hoch die Steuernachzahlung ist. Eine genaue Formel gibt es allerdings nicht. Und das Wörtchen KANN zeigt an, dass es da offenbar auch jede Menge Spielraum gibt. Damit ist aber bald Schluss…

Strafe wird sein, ganz sicher!

Das kommende „Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens“, das 2017 in Kraft treten soll, kennt bei Verspätungen (fast) kein Pardon mehr. Auch hier die kurze Fassung: Wer zu spät kommt, zahlt Strafe. Und es ist klar festgelegt, wie viel das sein wird: höchstens 0,25 Prozent der Steuerschuld, mindestens aber 25 Euro. Das klingt ja erstmal besser. Aber Moment: Das ist für jeden Monat, den man zu spät ist! Wer also ein Jahr drüber ist, zahlt 300 Euro oder mehr.
Dabei ist das Gesetz in seiner verabschiedeten Fassung noch nahezu gnädig, ursprünglich standen im Entwurf sogar 50 Euro Minimum pro Monat – und die sollten automatisch festgesetzt werden, ohne jede Ausnahme! Im endgültigen Gesetz gibt es hingegen doch noch welche, also Ausnahmen: Wer zum Beispiel keine Steuern zahlen beziehungsweise nachzahlen muss, zahlt auch keine Verspätungszuschläge. Und wichtig: Personen, die von den Finanzbehörden aufgefordert werden, erstmals eine Steuererklärung abzugeben – und die davon ausgehen konnten, keine Steuererklärung abgeben zu müssen. Klingt kompliziert, gemeint sind damit zum Beispiel Rentner, die oftmals für mehrere Jahre rückwirkend Steuererklärungen abgeben müssen – das aber nicht wussten. Sie müssen immerhin keine Verspätungszuschläge für diese zurückliegenden Jahre zahlen.

Zusammenfassung: Wer heutzutage seine Steuererklärung zu spät abgibt, KANN zu einem Verspätungszuschlag verdonnert werden. Wer das später macht (voraussichtlich ab 2018), MUSS eine Strafe zahlen.

 

Zum vorherigen Teil der Serie: Wie lange muss ich aufs Geld warten? (Serie, Teil 53)

Theresa Voigt Geschrieben von:

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