16.10.2018 · smart steuern ·

Harte Zeiten für Steuerflüchtlinge

Sie betrifft auf den ersten Blick nur wenige. Doch im Endeffekt uns alle. Steuerflucht. Jahrzehntelang brachten reichere Deutsche ihr Vermögen ins sichere Ausland – und entzogen sich damit dem Finanzamt. Das waren und sind Steuern, die uns allen dann nicht zugutekamen und kommen.
Doch damit ist so langsam (fast) endgültig Schluss. Denn der sogenannte automatische Informationsaustausch (AIA) greift nun für immer mehr Länder. Was das konkret bedeutet – Sie erfahren es hier im Blog.

Mehr als 100 Länder sind dabei

Gut Ding will manchmal Weile haben. Schon 2014 wurde der AIA verabschiedet, um Steuerhinterziehung – wenn nicht zu verhindern – dann wenigstens zu erschweren. Vor einem Jahr erfolgte der erste Schritt. Deutschland tauscht seitdem Finanzdaten mit 49 Staaten aus. Das hatten wir in diesem Blogartikel geschrieben.
Am 30. September 2018 kamen nun noch mal 53 hinzu. Macht summa summarum 102 Länder. Und da ist nun mittlerweile die „Crème de la Crème“ der Staaten dabei, die als Steuerparadiese gelten. Die Schweiz natürlich, Liechtenstein und Luxemburg, diverse Inselstaaten (etwa Cayman, Kanalinseln, Bermuda), Singapur und Gibraltar sowie Monaco, Andorra, Hongkong, Panama und Singapur. Nicht zu vergessen: Österreich. Warum gerade unser Nachbar wichtig ist, erkläre ich weiter unten.

Welche Daten werden ausgetauscht?

Kurz und bündig: Alles was wichtig ist für die Finanzbehörden. Das sind Name, Adresse, Konto- und Steuernummern, die Jahresstände von Konten und Depots und Gewinne aus Aktiengeschäften. Das gilt nicht nur für klassisches privates Vermögen, sondern auch für das von Stiftungen, Versicherungen und sogenannten Trusts. Das ist dann in der Tat ein mächtiges Werkzeug für die Finanzämter. Doch die müssen sich noch gedulden…

Wie läuft der Datenaustausch?

Steuerdaten von Deutschen in den rund 100 Ländern werden zuerst an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) übermittelt. Von dort geht es weiter zu den jeweiligen Länderfinanzverwaltungen, die die Daten dann an das zuständige Finanzamt schicken. Klingt in der Theorie nicht so kompliziert, ist es in der Praxis aber dann doch. Denn es soll größere Probleme bei der Software geben. Die Bundesländer haben eigene Software-Systeme – und die sind nicht immer kompatibel mit der des BZSt. So werden die Daten wohl erst 2019 oder gar 2020 bei den Finanzämtern vorliegen. Es könnte also dann einige Jahre verspätet ein richtig großes Erwachen bei dem ein oder anderen geben.
Wichtig an dieser Stelle zu sagen: Zwar wurden mit AIA hohe zweistellige Milliardenbeträge von Deutschen aus dem Ausland übermittelt. Das heißt aber nicht, dass das alles illegales Geld auf Schwarzkonten ist. Doch die Finanzämter haben in absehbarer Zeit ein Werkzeug, mit dem sie leicht überprüfen können, ob ordnungsgemäß Steuern gezahlt wurden – oder eben nicht.

Warum ist Österreich so besonders?

Österreich hatte als anderer Nachbar vor ein paar Jahren die Schweiz als diskreten Hafen von Vermögen abgelöst. 15 Milliarden Euro an deutschem Geld soll in Österreich lagern. Und das lässt sich immer weniger vor dem deutschen Fiskus verstecken. Wer nach dem 30. September 2016 in der Alpenrepublik ein neues Konto eröffnete, ist standardmäßig erfasst. Für ältere Konten meldete Österreich Ende September dieses Jahres alle Konten mit mindestens einer Million Dollar. Und wer mal eben nur eine halbe Million dort gebunkert hat, sollte sich nicht zu früh freuen: Ende September 2019 werden auch alle anderen Konten erstmals gemeldet.

Was bedeutet das konkret für mich?
Als ehrlicher Steuerzahler können Sie damit rechnen, dass der Staat dank AIA in den nächsten Jahren mehr Einnahmen erzielen wird. Und das kommt schließlich uns allen zugute.

   

Mandy Pank Geschrieben von:
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